Schulleiter: Berlin soll seine Hausaufgaben machen

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Haben gemeinsam über die Digitalisierung an Schulen gesprochen (v.l.): Kreisrätin Beate Rimmele-Laux, Robert Kern (stellvertret
Haben gemeinsam über die Digitalisierung an Schulen gesprochen (v.l.): Kreisrätin Beate Rimmele-Laux, Robert Kern (stellvertretender Schulleiter Realschule), Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden, Bundestagsabgeordnete Margit Stumpp, Joachim Wolf (Leiter Sonnenlugerschule), Mechtild Kniele (Leiterin Realschule) und Thomas Hegele (stellvertretender Schulleiter Sonnenlugerschule). (Foto: Jennifer Kuhlmann)

Über die Herausforderungen, vor denen Schulen und Kommunen angesichts der Digitalisierung stehen, haben die Schulleitungsteams der Realschule Mengen und der Sonnenlugerschule am Montag mit zwei grünen Politikerinnen gesprochen. Auf Einladung der Landtagsabgeordneten Andrea Bogner-Unden war Margit Stumpp, die im vergangenen Jahr für Bündnis 90/Die Grünen in den Bundestag eingezogen ist, in ihre Heimatstadt Mengen gekommen.

Smartboards, Computer, Tablets, Beamer, Dokumentenkamera, WLAN und die richtige Software für Lehr- und Lernplattformen. Wenn es um die digitale Ausstattung der Schulen geht, ist die Einkaufsliste lang. „Das alles aus dem normalen Schuletat zu stemmen, ist unmöglich“, versuchen Mechtild Kniele, Leiterin der Realschule und ihr Stellvertreter Robert Kern die aktuelle Situation zu umschreiben. Mit ihrer Forderung, das Bundesministerium für Bildung möge seinen Versprechungen mit Fördermitteln aus einem Digitalpaket endlich Taten folgen lassen, rennen sie bei Margit Stumpp offene Türen ein. „Wir hängen gerade in Berlin alle ziemlich in der Luft, weil die Ministerin bisher nur sagt, was sie nicht fördern will. Breitbandversorgung und Tablets für Schüler zum Beispiel“, sagt sie.

Hohe Kosten für Kommunen

Wie dringend die Schulen endlich Klarheit brauchen, weiß Stumpp nicht nur, weil sie Sprecherin für Bildungs- und Medienpolitik ihrer Fraktion ist und in entsprechenden Ausschüssen arbeitet. Vor ihrer erfolgreichen Kandidatur für den Bundestag hat sie lange an einer technischen Berufsschule in Heidenheim Informations- und Medientechnik und Grundlagen der Technik unterrichtet. „Es geht ja nicht nur um die Anschaffung der Geräte, sondern auch um ihre Wartung und die Betreuung des Schulnetzes. „Da kommen auf die Kommunen Kosten zu, die sprengen jeden Verwaltungshaushalt“, sagt sie.

Joachim Wolf, Leiter der Sonnenlugerschule, wartet ebenfalls auf das Digitalpaket und spricht auch das Desaster um den Fehlstart der Bildungsplattform Ella an. „Wir haben vor fünf Jahren entschieden, auf die Plattform des Landes zu warten und keine anderen Lizenzen zu erwerben“, sagt er. „Wir haben als Pilotschule unsere Hausaufgaben gemacht, die Lehrer sind geschult, die neuen Räume für die Gemeinschaftsschule fast alle fertig und jetzt liefert das Land einfach nicht.“ Laut Bogner-Unden seien die technischen Probleme definiert und man arbeite an einer Anpassung. „Wir müssen wohl nichts ganz Neues überlegen, Ella wird kommen“, sagt sie.

Regionale Schulentwicklung

Was sich Wolf und sein Stellvertreter Thomas Hegele gut vorstellen könnten, ist eine stärkere regionale Schulentwicklung. Jeder Schulträger versuche zwar für sich und seine Einrichtungen zu planen, aber eine übergeordnete Politik fehle. „Verlässliche Schülerzahlen zu prognostizieren geht nicht“, sagte Margit Stumpp dazu. „Der Elternwille ist nicht planbar.“ Zwar entscheide meist der Ruf einer Schule über die Anmeldezahlen, aber der könne sich mit wechselndem Personal auch schnell wieder ändern. „Das überregional steuern zu wollen, hieße, in das Kommunalrecht einzugreifen“, sagte sie.

Das von beiden Schulen entwickelte Berufsorientierungskonzept „Startklar“ stieß bei Stumpp auf großes Interesse. Aus eigener Erfahrung wisse sie, dass es gerade im Handwerk schwierig sei, lernwillige Schüler und Unternehmer zusammenzubekommen. Stumpp selbst ist in ihrer Heimatstadt Mengen übrigens auf die Realschule gegangen. Einige Details, wie etwa den Fußboden vor dem Rektorat der Sonnenlugerschule hat sie gleich wieder erkannt. Vom neuen Erweiterungsbau war sie sichtlich angetan.

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