Schülern helfen Senioren bei den Apps

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 Beschäftigen sich gemeinsam mit einem der Tablets (v.l.): Schüler Marcel, Seniorin Irma, Projektleitung Franziska Pippig, Einri
Beschäftigen sich gemeinsam mit einem der Tablets (v.l.): Schüler Marcel, Seniorin Irma, Projektleitung Franziska Pippig, Einrichtungsleitung Mirjam App und Schülerin Nuray. (Foto: Annette Scherer)
Schwäbische Zeitung

Ein Berg voller Schulranzen liegt in der Ecke der Cafeteria. An den Tischen sitzen in kleinen Gruppen jeweils bis zu drei Schüler der Sonnenlugerschule und eine Bewohnerin oder ein Bewohner des Seniorenzentrums Mengen. In der Mitte des Tisches liegt ein Tablet. Zehn neue Tablets hat Einrichtungsleitung Mirjam App für ihr Haus angeschafft- möglich war das dank der großzügigen Unterstützung durch die Jugendstiftung Baden-Württemberg und die Johannes-Ziegler-Stiftung. Und nicht zuletzt durch das tolle Engagement von Projektleitung Franziska Pippig.

Zwanglos nehmen die Kleingruppen nach einer kurzen Begrüßung durch ihren Lehrer Florian Bayer miteinander Kontakt auf, öffnen eine der von Franziska Pippig bereits vorinstallierten Apps und schon geht das gemeinsame Spiel los. „Den müssen Sie hier reinstellen. Ich helfe Ihnen!“ sagt der 11-jährige Marcel. Vorsichtig schiebt die 80-jährige Irma eine Dreierreihe brauner Bausteine mit dem Zeigefinger in die gewünschte Richtung und schaut fragend zu dem Schüler. „Jetzt loslassen“, erklärt der.

„Die 5er-Reihe kann hierher“, empfiehlt die 12-jährige Nuray und zeigt in die gewünschte Richtung. Bei diesem Spiel sind logisches Denken, Fingerfertigkeit, Konzentration und Ausdauer erforderlich, bis man alle von der App angebotenen Bausteine so verschoben und zugeordnet hat, dass eine durchgehende Fläche entsteht. „Super, die zweite Reihe ist voll“, freut sich jetzt nicht nur Einrichtungsleitung Mirjam App, die beim Einführungskurs für Tablets im Seniorenzentrum Mengen ebenfalls am Tisch Platz genommen hat. Wir sind mitten im Projekt „Soziales Lernen im Seniorenheim“ gelandet, das Teil der von Sängerin Anita Hofmann ins Leben gerufenen Aktion „Jung und Alt“ ist.

Jugendliche sind geduldig

„Ich hätte nicht gedacht, dass die jungen Menschen so geduldig und freundlich mit unseren Senioren umgehen und sie anleiten. Das läuft richtig klasse“, freut sich Mirjam App. Und auch Lehrer Florian Bayer ist zufrieden: „Wir lassen die Schüler wursteln und sind da, wenn sie Hilfe brauchen“, erklärt er zum entspannten Miteinander, das bei der Aktion beobachtet werden kann.

„Man ist nie zu alt, um etwas zu lernen“, davon ist Mirjam App überzeugt und erzählt von einer 95-jährigen Bewohnerin, die sich für das Projekt habe begeistern lassen. Dass hier beide Seiten voneinander lernen können, findet sie prima. Wichtig sei es, bei neuen Aktionen nicht das Ergebnis in den Mittelpunkt zu stellen und keinen Leistungsdruck zu erzeugen. „Jeder entscheidet selber, ob und in welchem Umfang er sich beteiligen will. Wer will, kann auch nur zuschauen.“ Selbst bei Senioren ohne Vorkenntnisse überwiege bei diesem Projekt die Begeisterung- auch wenn Fingerfertigkeit und Feinmotorik ab und an noch Schwierigkeiten machten.

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