Schüler und Eltern werden gleichermaßen angesprochen

Lesedauer: 5 Min
 Robin Seeger (v. l.) von HKB Klima- und Kältetechnik im Gespräch mit Leon Kugler und Moritz Fuchs.
Robin Seeger (v. l.) von HKB Klima- und Kältetechnik im Gespräch mit Leon Kugler und Moritz Fuchs. (Foto: Christoph Klawitter)
Christoph Klawitter

Auch ein Umweg kann im Berufsleben ans Ziel führen: Das hat Dominik Reichle, kaufmännischer Leiter der Firma Kieswerke Müller, in seinem Vortrag vor Schülern und Eltern deutlich gemacht. Am Montag fand an der Realschule der Aktionsabend Berufsorientierung statt, bei dem mehr als 40 Unternehmen, Behörden, Institutionen und Schulen ihr Angebot präsentierten.

Zum zweiten Mal war die Firma Kramer aus Pfullendorf, Hersteller von Radladern, beim Aktionsabend der Realschule dabei. „Das Schöne ist, dass es abends stattfindet“, sagte David Walk, Ausbildungsleiter für den gewerblichen Bereich bei der Firma Kramer. „Dadurch können auch die Eltern Einblicke bekommen.“ Seiner Erfahrung nach habe eine Ausbildungsmesse schon „ein anderes Flair“, wenn die Eltern dabei sind. Bei Kramer können Jugendliche sich zum Fertigungsmechaniker, Industriemechaniker oder Industriekaufmann ausbilden lassen.

Nicht nur größere, sondern auch kleinere Unternehmen wie beispielsweise die Firma HKB Kälte- und Klimatechnik aus Ostrach waren unter den Ausstellern. Robin Seeger, Meister für Kältetechnik, ist öfters auf Ausbildungsmessen präsent, um Werbung für den Ausbildungsberuf Mechatroniker für Kältetechnik zu machen, den man bei HKB erlernen kann. Dies ist laut Seeger auch notwendig, weil der Beruf nicht so bekannt sei unter Jugendlichen. Einfach sei es für HKB deshalb nicht, überhaupt an Azubis zu kommen. Beim Aktionsabend sei er jetzt aber schon in den ersten 20 Minuten mit drei, vier Leuten ins Gespräch gekommen, freute er sich.

Die Rollen getauscht hat Johannes Frank, Auszubildender bei der Firma Geberit: Vor ein paar Jahren war der Hohentengener selbst Schüler der Realschule Mengen – und knüpfte damals als Schüler über einen Aktionsabend Berufsorientierung den ersten Kontakt zu seinem späteren Arbeitgeber Geberit. Jetzt sei er derjenige, der den Schülern etwas zu „verkaufen“ habe, meinte er im Scherz. Mit am Stand war sein Azubi-Kollege Jan Beck, angehender Verfahrensmechaniker, aus Mengen.

Oder erst Abitur?

Franziska Kentler und Carolin Gruber von der Klasse 8b der Realschule sahen sich auch bei den zahlreichen Ausstellern um. Sie würden sich für den sozialen Bereich interessieren, wollten aber nach der Realschule zunächst noch das Abitur machen, erläuterten sie. Ihre Klassenkameraden Moritz Fuchs und Leon Kugler waren ebenfalls unterwegs. Er stelle sich „schon etwas Technisches“ vor, sagte der Achtklässler Moritz, während sein Mitschüler Leon sich für den Beruf des Industriemechanikers interessiert.

Eine zufriedene Bilanz zogen Schulleiterin Mechtild Kniele und der für Berufsorientierung zuständige Lehrer Clemens Sproll. „Es werden jedes Jahr mehr“, freute sich Kniele mit Blick auf die teilnehmenden Unternehmen, Behörden und Schulen. Man sei inzwischen auch fast an einer Kapazitätsgrenze angelangt, ergänzte Sproll. Mit Kniele war Susanne Baur unterwegs, sie wird bald die Schulleitung übernehmen.

Bestandteil des Aktionsabends waren auch zwei Vorträge von jungen Führungskräften: Yvonne Simon von der Neher Group aus Ostrach-Einhart und Dominik Reichle von den Kies- und Schotterwerken Müller aus Ostrach, beide Kaufmännische Leiter in ihrem jeweiligen Betrieb. Dominik Reichle hatte für die anwesenden Eltern eine klare Botschaft dabei: „Lasst die Kinder Kinder sein“, sagte er. „Manche entwickeln sich mit 14, manche erst mit 20“, plädierte er für Geduld und Gelassenheit. Reichle versteht sich selbst als Beispiel dafür: Sein Lehramtsstudium nach dem Abitur brach er ab, machte eine Ausbildung zum Kaufmann, bildete sich dann nebenberuflich fort zum Betriebswirt und ist heute kaufmännischer Leiter. Es könne durchaus sein, dass man mal einen Umweg in seinem Berufsleben machen müsse, sagte er.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen