Realschüler speisen nach Knigge-Regeln

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 Realschüler der 10. Klassen beim Mittagessen im Gasthaus Engel in Herbertingen.
Realschüler der 10. Klassen beim Mittagessen im Gasthaus Engel in Herbertingen. (Foto: Mechtild Kniele)
Schwäbische Zeitung

Als Abschluss einer Unterrichtseinheit zum Thema „Benehmen“ haben die zehnten Klassen der Realschule Mengen ein vorzügliches Mittagessen zu sich genommen und dabei einiges über Esskultur und Tischmanieren gelernt.

„Umgangsformen – nur Relikte aus früheren Zeiten?“ lautet das diesjährige Rahmenthema für die schriftliche Abschlussprüfung Deutsch an der Realschule. Die Schüler hatten sich bereits im Unterricht intensiv damit auseinander gesetzt und sich bewusst gemacht, was gute Umgangsformen sind, und dass vieles heute noch aktuell und wichtig ist, sei es das Benehmen im Netz, in der Familie, in der Gesellschaft und im späteren Berufsleben. Um auch praktische Erfahrungen zu gewinnen und als kleine Belohnung durften die Schüler im Gasthaus „Engel“ in Herbertingen zu Mittag essen.

Voraussetzung war ordentliche Kleidung, doch Jogginghosen sind an der Realschule außerhalb des Sportunterrichts sowieso nicht erlaubt. Schon vor der Mahlzeit wartete eine erste Überraschung: die Tische waren festlich eingedeckt mit weißen Tellern, Stoffservietten und auf jedem Platz befanden sich drei Stielgläser.

Tobias Kretzschmar vom Engel-Team demonstrierte in einer kleinen Einführung, wie man sich in einem Restaurant nicht benehmen sollte: er stolperte laut telefonierend herein, auf dem Kopf eine Basecap, das Hemd hing aus der Hose und das Jackett war nicht zugeknöpft. „Im Stehen immer einen Knopf schließen, im Sitzen alle Knöpfe offen lassen“, erklärte er und bat die Schüler nun, sich vorzustellen, sie seien bei einer festlichen Betriebsfeier beim Chef eingeladen.

Kein „Vesperbrot“ richten

Ganz einfach sei es mit dem Besteck: es wird von außen nach innen benutzt und Stielgläser werden stets am Stiel gehalten und lautes Zuprosten entspricht keinen guten Benimmregeln. Die Serviette wird auf die Oberschenkel gelegt und die Hände bleiben auf dem Tisch. In guten Lokalen gibt es vorab einen „Gruß aus der Küche“ bestehend aus Brot und einem Aufstrich; dabei wird das Brot gebrochen und dann bestrichen. Das war nicht besonders schwierig, und keiner hat sich ein „Vesperbrot“ gerichtet.

Löffelspitze geht zum Mund

Nun folgte ein Vier-Gänge-Menü, immer wieder unterbrochen von „Knigge-Hinweisen“ von Tobias Kretschmar. Probiert werden sollte im Restaurant alles, aufgegessen werden muss nicht. Auf ein Salatbouquet mit gebratenen Eierfrüchten folgte eine Geflügelcremesuppe mit gebackenem Rucola und Kretschmer wies darauf hin, dass die Löffelspitze zum Mund geht und dass weder geschlürft werden noch der Suppenteller ausgetrunken werden dürfe. Begonnen mit der Mahlzeit wird erst dann, wenn der ganze Tisch versorgt ist. Das Hauptgericht bestand aus Schweineröllchen, die mit Blattspinat und Rauchfleisch gefüllt waren, dazu gab es Schwarzwurzelgemüse und Herzoginkartoffeln.

In die Gläser schenkten die Damen vom Service Mineralwasser ein, sowie „Weißwein“ (Apfelschorle) und statt Rotwein gab es Traubenschorle. Ist man mit dem Essen fertig, sollte man sein Besteck in den Teller legen („Niemals kommt benutztes Besteck auf die Tischdecke“, erklärte Kretschmar) und zwar parallel in die so genannte „20-nach-Vier-Stellung“. Teller selbst stapeln ist nicht erwünscht. Zum Abschluss bekamen alle Schüler noch einen Teller mit einer süßen Nachspeise: ein Duo von Parfait mit marinierten Früchten.

Nach dem rund zwei Stunden dauernden Essen waren sich alle Schüler einig, dass es sehr lecker geschmeckt hat und dass man viel Neues erfahren habe. Schulleiterin Mechtild Kniele, die sich im Übrigen als Linkshänderin sehr schwer tat, allen Benimmregeln Folge zu leisten, bedankte sich bei Silvia Dölker und ihrem Mann Tobias Kretschmar für den großen Aufwand und die lehrreichen Ausführungen. „Kommen Sie gerne wieder“, sagte Silvia Dölker und ein „Kniggeessen“ wird als Highlight in der Klasse 10 beibehalten.

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