Reaktivierung der Ablachtalbahn: Informationen sollen die Kritiker überzeugen

 24 der insgesamt 80 Teilnehmer: Bedenken bei der Reaktivierung der Ablachtalbahn sollen mit Informationen ausgeräumt werden.
24 der insgesamt 80 Teilnehmer: Bedenken bei der Reaktivierung der Ablachtalbahn sollen mit Informationen ausgeräumt werden. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Fachleute, Unterstützer und Kritiker haben sich in einem Webinar mit der Reaktivierung der Ablachtalbahn zwischen dem Bodensee und dem Hinterland bis Mengen beschäftigt. „Die große Zahl der Teilnehmenden zeigte, dass das Thema viele interessiert“, heißt es in einer Pressemitteilung der Grünen-Landtagsabgeordneten Andrea Bogner-Unden, die zur Online-Veranstaltung eingeladen hatte.

Zu den geladenen Gästen zählten der Grünen-Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel, Heiko Focken von der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg, die Bürgermeister von Meßkirch und Sauldorf, die die Strecke gekauft haben, sowie Frank von Meißner, der Bahnexperte, der auch die Räuberbahn erfolgreich auf die Schiene brachte. Die Moderation übernahm Johannes Kretschmann, Kandidat der Grünen für die Bundestagswahl. Er leitete die Fragen, die die 80 Teilnehmer im Chat stellten, an die entsprechenden Fachleute weiter.

Zum Auftakt nahm Andrea Bogner-Unden die Teilnehmer in einer Gedankenreise mit auf die Strecke der Ablachtalbahn. Sie beschrieb die reizvollen Ziele, die am Zugfenster vorbeiziehen und zu einem Halt einladen: der Blick von der Höhe der Eisenbahnbrücke bei Schwackenreute, das Erlebnis Tipihof, das Vogelschutzgebiet an den Sauldorfer Seen, das malerische Städtchen Meßkirch bis zum attraktiven Strandbad an den Zielfinger Seen. Neben dem großen touristischen Potenzial der Strecke unterstütze der Zugbetrieb die Mobilitätswende und den Klimaschutz, so Bogner-Unden. 

„Es herrschen beste Voraussetzungen, die Dinge mutig anzupacken“, sagte Matthias Gastel, bahnpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. Die Prognosen für einen erfolgreichen Betrieb auf der Strecke seien gut, denn noch nie seien die Förderbedingungen idealer gewesen. Heiko Focken sieht die Entwicklung des Projekts ebenfalls positiv: „An den wichtigen Stellen sind die richtigen Leute“, sagte er. Drei Zugpaare – jeweils Hin- und Rückfahrt – zu einer attraktiven Tageszeit seien geplant, wobei deren Fahrplan kompatibel zum Zugverkehr der Anschlussbahnhöfe gestaltet sein muss.

Johannes Kretschmann zeigte sich überzeugt davon, dass negative Haltungen auf mangelndem Wissen beruhen. „Dieser Desinformationsstrategie können wir mit Informationen begegnen“, sagte er. Es würden zum Beispiel Befürchtungen geäußert, Bahnübergänge könnten zu Staus führen. Dem widersprachen die Fachleute: So groß sei die Zugfrequenz nicht.

Beim Thema Elektrifizierung bremsten alle deutlich. Diese sei Zukunftsmusik, sagte Arne Zwick. „Wir müssen einen Schritt nach dem anderen machen“, begründete er seine Ablehnung und warnte davor, das Projekt zu sehr zu überlasten. Andrea Bogner-Unden stimmte ihm zu: „Wir müssen Schritt für Schritt pragmatisch vorangehen.“ Auch Frank von Meißner plädierte für den Weg der notwendigen Schritte, um stets die Kosten im Blick zu behalten. Im Chat ergänzte Heiko Focken: „Der erste Zug ist immer der schwerste. Überlastet ihn nicht.“

Dass es einen Güterverkehr in großem Ausmaß auf der Strecke geben werde, sehen alle Fachleute nicht. Das sei vor allem durch die Lage bedingt. Lediglich für örtliche Unternehmen könne der Gütertransport auf der Schiene attraktiv sein, wobei ein Güterzug pro Tag bereits die Wirtschaftlichkeit erhöhe, so Matthias Gastel.

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