Protokollbuch von 1919 liegt hinter Glas

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Frank Dinser, der Vorsitzende des FC Mengen, und Otto-Karl Linder vom Verein für Heimatgeschichte und Museen in Mengen sind scho
Frank Dinser, der Vorsitzende des FC Mengen, und Otto-Karl Linder vom Verein für Heimatgeschichte und Museen in Mengen sind schon gespannt, was die Besucher zur Ausstellung „100 Jahre FC Mengen“ sagen werden. (Foto: Jennifer Kuhlmann)

Das Protokollbuch aus dem Jahr 1919, in das der erste Schriftführer Emil Lander die Gründungsversammlung des Fußballclubs Mengen am 13. Juni im Gasthof „Zum Hirsch“ dokumentiert hat, wird normalerweise in einem Safe aufbewahrt. Für die Ausstellung „100 Jahre FC Mengen“, die am Mittwoch, 29. Mai, im Stadtmuseum Alte Posthalterei in Mengen eröffnet wird, wurde es hervorgeholt.

„So ein Juwel muss aber hinter Glas, da darf nicht jeder drin herumblättern“, sagt Otto-Karl Linder, Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte und Museen. Deshalb sind die ersten Seiten kopiert worden und in dieselbe Vitrine wie das Buch gelegt worden. „Wir haben viel Material zusammengetragen und ich bin wirklich begeistert, was durch die Hilfe vom Geschichtsverein daraus geworden ist“, sagt Frank Dinser, der Vorsitzende des FC Mengen.

Dokumentiert sind durch viele Fotos, Protokollbücher und Spielchroniken nicht nur puren Daten, Vorstands- und Mannschaftsmitglieder, sondern auch viele interessante Anekdoten. Zur Fasnet 1926 etwa spielten die Fußballer des FC Mengen ein Freundschaftsspiel gegen die Mengener Gastwirte. „Der Rote Ochse ist lange Zeit das Vereinslokal gewesen“, sagt Linder. Er hat in den Unterlagen einen Brief gefunden, in dem der Wirt Karl Blank dem Verein ein Grundstück für einen Sportplatz zum Preis von 6000 Reichsmark anbietet. „Bedingung war aber, dass der Rote Ochse Vereinslokal bleibt“, so Linder. „Damals wurde noch auf dem Schulhof trainiert.“ Als die Gastronomie geschlossen wurde, mussten vom Dachboden des Hauses noch einige Pokale gerettet werden, die sich im Laufe der Zeit dort angesammelt hatten. Auch sie sind in der Ausstellung zu sehen.

Schraubbare Stollen

Die Besucher können die Vereinsfahne und den Mitgliedsausweis und Spielerpass von Xaver Fruh bewundern und die Vereinskarriere von Karl Bleicher verfolgen. „Besonders interessant ist natürlich die Geschichte von Manfred Bok, dem Geschäftsführer der Firma Schlösser, der 1954 mit den schraubbaren Stollen für die Fußballschuhe auch am Wunder von Bern beteiligt gewesen ist“, sagt Linder. Als Sponsor und Ehrenmitglied sei Bok dem Verein stets eng verbunden gewesen. Auch heute noch tragen die gelb-schwarzen Trikots den Schriftzug der Firma Schlösser. Vor einem Rahmen bleiben Dinser und Linder etwas länger stehen. „Das ist wirklich spannend“, sagt Dinser. Neben einer Urkunde als Fairnesspreis für die Saison 1973/74 sind auch die Strafen zu sehen, die 1960/61 über die Spieler des FC Mengen verhängt wurden. Da wurde ein Spieler für Tätlichkeiten auch schon mal vier Monate lang gesperrt oder musste für rohes Spiel 80 Mark Strafe zahlen. „Die Verhältnismäßigkeiten können wir heute nicht mehr nachvollziehen“, sagt Dinser. „Aber es zeigt, dass es im Fußball schon immer Streit über die Entscheidungen von Schiedsrichtern gah.“

Gefeiert wird das 100-jährige Bestehen des FC Mengen mit einem Festbankett am 13. Juni, Spielen gegen Heidenheim und Boulay sowie dem Stadtpokal-Turnier.

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