Nach dem Stimmbruch geht’s in den Kirchenchor

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 Vorsitzende Reinhilde Hofmaier und Walter Stauß mit der Urkunde der Diözese für 50 Jahre Singen im Kirchenchor.
Vorsitzende Reinhilde Hofmaier und Walter Stauß mit der Urkunde der Diözese für 50 Jahre Singen im Kirchenchor. (Foto: Vera Romeu)
Vera Romeu

Im Kirchenchor zu singen gehört zu den anspruchsvolleren Formen des Gesangs. Große Komponisten wie Claudio Monteverdi, Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert haben neben weltlicher Musik auch geistliche Musik und Messen geschrieben. Kirchenchöre singen diese Literatur und erhalten ein kostbares Kulturgut für die Gesellschaft lebendig. Es ist ein Stück Hochkultur, die sich über Jahrhunderte bis in die kleinsten Kirchengemeinden verwurzelt hat. „Das gehört zum traditionellen Ansehen des Kirchenchors“, stellt Reinhilde Hofmaier, Vorsitzende des Mengener Kirchenchors fest.

Doch das Singen im Kirchenchor geht zurück. „Die Leute haben die Vorstellung, dass der Kirchenchor jeden Sonntag beim Gottesdienst singt und deshalb kommen nicht in den Chor“, sagte Hofmaier. Doch dies ist längst Vergangenheit: „Der Kirchenchor singt nur noch zu den Hochfesten – Ostern, Maifest, Pfingsten, Allerheiligen, Volkstrauertag, Advent und Weihnachten – ungefähr zehnmal im Jahr“, so Hofmaier.

Früher war das anders. Da sei es eine Ehre gewesen, in den Kirchenchor aufgenommen zu werden, so Hofmaier. Bei der Hauptversammlung des Kirchenchores hat Pfarrer Stefan Einsiedler den Sänger Walter Stauß für 50 Jahre geehrt. Zur Urkunde legte er einen Brief, in dem er schreibt: „Sehr rasch müssen Sie die Sinnhaftigkeit und die heilsame Wirkung des Singens für Ihr Leben bemerkt haben.“ Walter Stauß hat in Bingen, seinem Geburtsort, begonnen zu singen. Zuerst im Kinderchor. Die Schüler sangen in der Frühmesse, bevor es in die Schule ging. „Wenn das Singen in der Kirche nicht geklappt hatte, ließ der Lehrer die Deutschstunde ausfallen und hat mit uns nochmal alles gesungen“, erinnert sich Stauß.

Und es war auch der Lehrer, der die zukünftigen Kirchenchor-Sänger auswählte. Er habe zu ihm gesagt: „Wenn der Stimmbruch vorbei ist, kommst du zum Singen in den Kirchenchor“, so Stauß. Als er bei der Post im Schichtdienst arbeitete, konnte er nicht alle Proben besuchen, doch war es ihm immer ein Anliegen mitzusingen, dabei zu sein. 1980 trat er dem Mengener Kirchenchor bei. „Ich hatte immer Freude daran, in der Gemeinschaft, im Gottesdienst zu singen. Das ist jedes Mal ein Erlebnis“, sagt Stauß. Mit einem Geschenk dankte auch der Kirchenchor dem langjährigen Sänger.

Hemmschwelle überwinden

Derzeit sind es rund 30 Sänger im Kirchenchor. „Der Chor kann Verstärkung brauchen“, sagt Vorsitzende Hofmaier. Man müsse sich aber nicht für immer verpflichten, man könne auch als Projektsänger dazu kommen und zum Beispiel an Weihnachten oder Ostern mitsingen und dann das Singen wieder ruhen lassen. Wer die erste Hemmschwelle überwindet, wird vom Chor dankbar aufgenommen und kann sich gut für eine definierte Zeit einbringen.

Die Proben haben einen festen Aufbau. Mit Atemübungen und Stimmbildungsübungen wird die Stimme auf das Singen eingestellt. Chorleiterin Ulrike Faigle-Chaib wählt die Lieder und Messen aus, die einstudiert werden. Daheim zu üben sei nicht notwendig, so Hofmaier. Man werde von dem Chor beim Mitsingen getragen. Gut sei aber, wenn man sich den Text daheim einpräge. Dann könne man den Vorstellungen der Chorleiterin besser folgen und sie umsetzen. Das Repertoire umfasst die traditionellen Lieder, aber auch Neues Liedgut. Vieles werde aus dem Gotteslob gesungen

Inzwischen ist es auch so, dass der Kirchenchor die Gemeinde im Gottesdienst miteinbezieht. „Es ist nicht mehr so, dass der Kirchenchor oben singt und die Leute unten zuhören“, sagt Hofmaier. Man singe im Wechsel und gemeinsam. „Wenn die Gemeinde das Lied singt und der Kirchenchor oben vierstimmig dazu, dann erfüllt die Musik den Kirchenraum. Das ist wunderbar“, schwärmt sie. Und auch Walter Stauß findet: „Bei den Hochfesten, wenn es eine Orchestermesse gibt, ist mitsingen ein großes geistliches und musikalisches Erlebnis.“

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