Mischung aus Autofiktion und Dokumentation erlaubt Nähe und hält nötige Distanz

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 Benjamin Eicher bei der Vorführung seines Filmes.
Benjamin Eicher bei der Vorführung seines Filmes. (Foto: Gabriele Loges)
Gabriele Loges

Regisseur und Hauptdarsteller Benjamin Eicher hat seinen Film „Der weiße Massai-Krieger“ im Kino-Center Mengen präsentiert. Das Publikum in der ausverkauften Vorstellung erhielt vor und nach dem Kinofilm Hintergrundinformationen. Die Geschichte, wie ein weißer Mann Teil einer Gruppe von Massai-Männern wird, korrespondiert mit der Kunst der Darstellung: Die Achtung, die die Massai-Krieger der Natur entgegenbringen, bringt das Film-Team (Drehbuch: Peter Eicher, Kamera: Timo Joh. Meyer, Schnitt: Stephan Stahl, Musik: Nassouh Hichri) den auf uns exotisch wirkenden Menschen Kenias selbst entgegen.

Die Mischung aus Autofiktion und Dokumentation eröffnet somit eine spannende Sichtweise auf die Frage, wie „Fremdes“ authentisch und doch auf Augenhöhe gezeigt werden kann. Mit dem Satz „ich liebe Kino und freue mich auf das Gespräch nach dem Film und natürlich auch auf Ihre Geschichten aus der Masai Mara“ begrüßte Benjamin Eicher die Zuschauer. Anlass für den Film war eine vorausgegangene Dokumentation über Gnus, die im Pulk halbjährlich den Fluss Mara überqueren. Dabei lernte er den Übersetzer Antony kennen, der das Filmteam in sein Massai-Dorf mitnahm. Dort wiederum wird Eicher dem geistigen Führer und Medizinmann des Dorfes vorgestellt: „Er wollte mit mir vor allem über die Bedrohung von Aids reden.“

Dieser kundige Mann meinte, dass die Handy-Faszination die Jungen in Kenia vom Land in die Stadt treibe. Er ist es auch, der die jungen Männer als Massai-Krieger aussucht und fragte Benjamin Eicher, ob er selbst einer werden möchte. Nach längerer Überlegung mit seinem Team nahm er das ungewöhnliche Angebot an. Kameraführung und Schnitt tragen neben dem „Spiel der Krieger“, die ihn mitspielen lassen, wesentlich zur Qualität des halbdokumentarischen Films bei. Beschrieben wird in einer zeitlichen Abfolge, wie Benjamin Eicher fast einer von ihnen wird. Erst äußerlich, mit Farbe und Fett, die sehr wohl zweckdienlich gegen Sonne und Insekten sind, dann langsam übergehend in Handlungen, wie das Trinken von frischem Tierblut oder die richtige Verhaltensweise gegenüber wilden Tieren.

Die Zuschauer erfahren, dass Massai niemals Wildtiere jagen und essen, sondern Kühe oder Schafe, die ihnen ohnehin gehören, und nur für die Nahrung getötet werden. Gezeigt wird auch, dass die Krieger den von Benjamin Eicher mitgebrachte Ketchup probieren, es jedoch nicht gut finden. Die Männer, zu denen auch er drei Monate lang gehörte, bilden eine Art Team, das in Symbiose mit der Natur lebt. Beim Springtanz hüpfen sie erstaunlich hoch, dann wieder summen sie und wiederholen Sätze, die im Jetzt und der Reflexion des eigenen Tuns verhaftet sind.

Die Massai leben ganz in der Gegenwart. Die Jagd eines Tieres aus der Herde des Nachbarstammes, so erfahren es die Zuschauer später, wurde inszeniert, weil eben doch eine Gefahr bei so einem Raub nicht völlig auszuschließen sei. Deutlich wird auch, wie sich der Hellhäutige selbst ins Spiel einbringt und er so zum Teamspieler wird. Das gemeinsame Lachen gehört dazu. Auch Rituale wie Beschneidung und Zähne ziehen werden gezeigt, aber nicht kommentiert. Mit einer Kritik an solchen Praktiken würde er, so Eicher nach dem Film, der Sache nicht gerecht werden.

Herausragend sind auch die Tieraufnahmen, die dokumentieren, wie großartig diese von den Massai geachtete Natur ist. So fasst die Schlussszene die Idee und die Hoffnung, so könnte es funktionieren, zusammen: Die Krieger stehen ruhig mit ihrem Speer vor einer Gruppe Elefanten. Der Bulle beobachtet sie, sie kommen sich näher, bis der Elefant seinen Unmut eindeutig signalisiert und die „Krieger“ sich zurückziehen.

Eicher bekam nach dem Film großen Beifall und beantwortete unterschiedlichste Fragen. Eine davon war, ob er sich vorstellen könne, dort mit einer Massai-Frau zu leben, das verneinte Eicher: „Es war ein Abenteuer, nicht das Leben, wie ich es mir für mich vorstelle.“ Allerdings könne man von diesen Menschen viel lernen: „Wir schließen die Natur aus und sie versuchen, mit der Natur zu leben.“

Der Film wird noch bis Mittwoch, 12. Februar, im Kino-Center in Mengen, jeweils ab 18 Uhr, zu sehen sein.

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