Menschen offenbaren ihre persönliche Geschichte

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 Können mehr als zufrieden sein mit der Ausstellungseröffnung und der Buchvorstellung: Bürgermeister Stefan Bubeck (von links),
Können mehr als zufrieden sein mit der Ausstellungseröffnung und der Buchvorstellung: Bürgermeister Stefan Bubeck (von links), Uta Rapp, Harald Rapp, Barbara Kloid, Liane Schmid, Diane Landthaler, Monika Hapke und Pfarrerin Heidrun Stocker. (Foto: Frank Riegger)
Frank Riegger

Die Buchpräsentation und Ausstellung mit Bildern zu „Mengen, Menschen, Mittendrin“ hat am Freitagabend in der Stadtbücherei ihr Eröffnung gefeiert. Der Arbeitskreis Asyl legte vor vielen interessierten Menschen einen guten Start hin und stellte ein Buch vor, das sich sehen lassen kann. Pünktlich zur Weihnachtszeit ist es für den Gabentisch bereit und sollte in keinem Haushalt in Mengen fehlen. Bis zum 21. Dezember sind die Fotos zum Buch in der Stadtbücherei ausgestellt.

Uta Rapp und Liane Schmid stellten das Produkt ihres Arbeitskreises Asyl vor. Ursprung war das Projekt „Gemeinsam in Vielfalt“ des Landes Baden-Württemberg mit der Unterstützung des Landkreises unter Leitung von Sebastian Rädle. Bereits 2014 wurde damit begonnen, vor dem Eintreffen der ersten Flüchtenden Vorbereitungen zu treffen. Unter anderem wurde Sprachkurse gegründet und Unterkünfte besorgt. Viele dieser Menschen seien heute voll integriert, hätten Arbeit, Wohnung und auch zum Teil Familien gegründet. Zunächst sollte jetzt ein Buch entstehen, das zeige, wie Geflüchtete in Mengen angekommen seien. Aber während der Recherchen habe sich gezeigt, dass in den vergangenen Jahren doch viele Menschen neu nach Mengen gekommen seien – teils auch als Flüchtende nach dem Weltkrieg oder aus ganz verschiedenen anderen Gründen.

Viel Überredungskunst

Was ist für diese Leute Heimat und wie leben sie in der Fuhrmannstadt mit all seinen Traditionen und Gebräuchen? Diese Frage stellte sich dem Team. Die Arbeit an den Berichten und Fotos war anstrengend, aber auch mit Spaß und Freude verbunden. Es habe zum Teil einige Überredungskunst gebraucht, bis alle 24 Menschen für ihren Beitrag bereit waren und ihre persönliche Geschichte offenbarten. Dazu wurden eindrucksvolle Fotos produziert – jedes Motiv am Lieblingsplatz dieser Menschen. Zusammengehörigkeitsgefühl und Angekommensein stellen in diesem Buch eine feste, gelungene Bindung dar.

Mengens Bürgermeister Stefan Bubeck dankte in seiner Ansprache allen Initiatoren – besonders bei Barbara Kloid, Uta Rapp und Liane Schmid, die gezielt Menschen angesprochen haben, bei diesem Projekt dabei zu sein. Auch galt sein Dank dem Fotografen Markus Haile, der mit Begeisterung die tollsten Eindrücke auf seinen Fotos verewigte. Es sei ein gutes Zeichen und sehr wichtig – so Bubeck, dass viele Leute bei der Ausstellung Präsenz zeigen würden. Bekannte Gesichter, aber auch neue Gesichter, bezeugen durch ihre Anwesenheit die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte. Zwei Drittel der Menschen seien in den letzten 50 Jahren zugezogen. Damit werde die Gemeinschaft belebt und es bringen sich neue Ideen und Kulturen ein – wichtig für jede Stadt. Ein Stück weit spiegle sich dies in dem Buch wider.

Heimat, Zuhause, Herkunft, diese Begriffe gebe es nicht in allen Sprachen und gerade darum sei es wichtig, darüber nachzudenken. Mengen, so Bubeck, sei seine Heimat, hier fühle er sich wohl, habe ein tolles Lebensumfeld, sei sozialisiert, habe einen tollen Freundeskreis – und das alles mache Heimat aus. „Mengen, Menschen, Mittendrin“ – die Stadtbücherei sei der beste Ort für diese Buchvorstellung, weil auch sie mittendrin in Mengen ihren Platz gefunden habe.

Wichtig für die Allgemeinheit

Pfarrerin Heidrun Stocker betonte: Dieser Asylkreis gebe der Menschlichkeit im guten Sinn Gestalt, nicht nur in Form eines Buchs, sondern in allem, was er tue. Auch Christa Eisele vom Weltladen erzählte, warum sie vor fast 20 Jahren in Mengen den Weltladen eingerichtet hatte, warum dieser so wichtig sei für die Allgemeinheit, für sie selbst und auch für ihre Mitstreiter. Der Abend wurde musikalisch begleitet durch das Duo „Sing’n’string“, Diane Landthaler mit brillanter Stimme und Harald Rapp, exzellent an Gitarre und Mundharmonika. Sie spielten Songs wie „Streets of London“ von Ralph McTell, „Imagine“ von John Lennon und die Rockbalade „Dream On“.

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