Mengener Narren feiern in der Ablachhalle

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 Die Narren besingen das schöne Landleben. Dazu gehört auch der Bauerntanz mit Horst Haile (links).
Die Narren besingen das schöne Landleben. Dazu gehört auch der Bauerntanz mit Horst Haile (links). (Foto: Vera Romeu)
Vera Romeu

Beim Bürgerball in Mengen sind Fasnetsklänge in der Ablachhalle erklungen. Kurz nach 20 Uhr betrat die Hexenmusik den Saal und erfüllte diesen mit temperamentvoller Musik. Die Löwen schritten stolz nach vorn, die Ditzelede hüpften, ihre Glöckchen bimmelten und die Hexen rannten lachend die Publikumsreihen entlang und zerzausten die Haare der Frauen – die Plätzler brachten Farbe in das Spiel.

Dann kamen die Zunfträte mit den drei Zunftmeistern David Hoheisel, Michael Vogel und Frank Lange. Alle trafen sich auf der Bühne und boten ein buntes Bild.

Das Motto der Fasnet lautet „Auf dem Bauernhof“. Entsprechend gab es im Saal viele Karo-Hemden, Mantelschürzen, Dirndl, Tiere und Seppel-Hüte.

Das gelungene Programm folgte diesem Motto mit Liedern, Tänzen und Sketchen. Zunftmeister Vogel begrüßte die Ehrenzunftmeister und -räte, den Bürgermeister Stefan Bubeck, die Stadträte, sowie die befreundeten Zünfte aus Ennetach, Einhart und Unlingen mit ihren Narrenrufen. Begrüßt wurden unter anderem auch Pfarrer Stefan Einsiedler und die Hausfasnetsgruppen. Mit dem Schnettermarktlied, das alle im Geiste der Fasnet verband, endete der spektakuläre Auftakt.

Durch den Abend führten der Mengener Bauer Lukas – an seiner Seite stand die Touristin Laura aus Berlin, die Erlebnis-Ferien auf dem Bauernhof gebucht hatte. Sie kam am Mengener Bahnhof an, wurde von Lukas in Empfang genommen. Der Narrensame empfing Laura mit einem schönen Tanz als Dirndl-Kinder und Hoftieren. Andrea Wetzel hatte diese Choreografie konzipiert und mit beiden Akteuren einstudiert.

Die Stadtführung mit Geschichten über die Prominenz übernahm Heike Schmal. Sie ging in die Bütt und berichtete von den Ereignissen des vergangenen Jahres. Sie schlug vor, Mengen als Kulturstadt hochzuheben und ein Kulturviertel zwischen Hotel Baier und Bahnhof zu bauen.

Das schöne Landleben

Lukas Haile sang ein umgedichtetes Lied auf das schöne Landleben, in dem Markenklamotten nicht wichtig sind – Hauptsache der Traktor sei ein Fendt. „Vorausgesetzt man ist katholisch, hetero und weiß, dann ist man glücklich zwischen Hopfen und Malz“, sang er mit ironischem Unterton. Das Zunftratballett kam beim Publikum sehr gut an. Die bäuerliche Truppe mit echten historischen Heugabeln und Rechen wirbelte so kraftvoll auf der Bühne, dass sogar die Puste für die geforderte Zugabe ausging. Es war ein heiterer Auftritt, mit Horst als Superstar. Die Löwen stellten Jungbauern dar, die an ihrem Traktor die größte Freude haben. Sie stritten sich um Fendt, Claas und John Deere. Dazu gab es Lieder, die die Narren im Saal zum Klatschen anregten. Lukas hatte Laura beauftragt die Tiere zu füttern: die Sauen, die zahmen Rotmilane, die er an Gemeinden vermietet, um die Windanlagen abzuwenden, die Kühe und die Hühner. Doch hatte Laura die Hühner vergessen und schon kam die ganze Schar gackernd und sich plusternd auf die Bühne.

Das Ballett der Narrenzunft erheiterte das Publikum. Höhepunkt war der Feder-Wolkenbruch, der ausbrach als der Fuchs plötzlich die Bühne betrat. Dafür gab es viel Applaus. Drei alte Weiber kamen auf die Bühne und hatten einiges zu erzählen, weil sie die „Schwäbische“ lesen, so sagten sie. Das Gymnasium, das 20 Millionen kosten soll, zog den Ruf nach einem Scheich oder einem Millionär nach sich, der das finanziert.

Bürgermeister Bubeck musste sich einiges anhören in Sachen Stadtpolitik. Doch verbargen sie auch die Sympathie nicht, die sie für ihn hegen. Das Finale machte der herrliche traditionsreiche Ditzelede-Tanz. Der ganze Saal bebte und klatschte mit. Es herrschte ausgelassene Stimmung. Anschließend luden Laura und Lukas alle Narren zum Scheunen-Fest in der Ablachhalle ein. DJ Tropicana legte auf – an der Bar herrschte Hochkonjunktur.

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