Klowagen gehören nicht in Vorgärten

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Tanzeinlagen vom Feinsten, im Hintergrund die Pilotencrew, gibt es beim Bürgerball in Blochingen.
Tanzeinlagen vom Feinsten, im Hintergrund die Pilotencrew, gibt es beim Bürgerball in Blochingen. (Foto: Cäcilia Krönert)
Cäcilia Krönert

„Benvenuto - Herzlich willkommen - wir haben heute Abend die Ehre und dürfen sie zu einer Reise um die Welt einladen“ - So hat Tommy Späth am Fasnetsamstag beim Bürgerball in Blochingen die Gäste begrüßt. Lustig ging es da zu, ob Urgestein oder „Reigschmegde“, alle verwandelten den Fasnachtsball in ein besonderes Jahres-Event der fünften Jahreszeit.

In feinstem Pilotenzwirn mit Fliegerabzeichen moderierte, oder besser manövrierte Späth mit Daniel Fränkel den Flieger, vollgeladen mit Frohsinn und bester Unterhaltung, durch den facettenreichen Abend. „Wir werden in einige Länder eintauchen, doch zum Schluss feststellen, dass der eigentliche Mittelpunkt unserer Welt Blochingen ist“, betonte der Moderator und sprach damit vielen aus der Seele. „Bühne frei für unseren ersten Programmpunkt und die Kolonne 1 Airline, die zum ersten Teil der Reise startet“, so Späth weiter und fesche Stewardessen und schicke Piloten übernahmen für viele Minuten das Höhenruder der Spitzen-Stimmung. „Baby, mach dir nie mehr Sorgen um Geld, denn wir fliegen um die Welt“, war aus den Lautsprechern zu hören und im Tanzschritt ging es über Moskau, Bangkok, New York, Rio de Janeiro nach Blochingen auf die musikalische „Vogelwiese“ zum Oktoberfest.

Zu einem Länder-Battle riefen die jungen Tanzmädels im Anschluss auf. In schwarzem Sport-Outfit und Hotpants hüpften, sprangen sie im Gleichklang, schlugen ihre Räder und legten einen Spagat aufs Parkett. Ob die sportlichen Einlagen unter der Flagge Frankreichs, Spaniens oder Deutschlands ausgetragen wurde, am Ende waren alle Sportlerinnen zusammen die glorreichen Siegerinnen der Herzen. „Da krieg’ ich gerade Reisefieber“, sagte Moderator Fränkel und schon stand eine Delegation der Blochinger Landjugend auf der Bühne und zelebrierte die Raffinessen des Karate. Bester Trick: Lade dein räuberisches Gegenüber doch auf ein Fläschchen Bier ein.

Schreckholde und Tusnelda

Der Klowagen wurde beim nächsten Programmpunkt zum eher nicht „Stillen Örtchen des Geschehens“. Im Hannes-und-der-Bürgermeister-Style kümmerten sich Heiko Emhart alias Markus Bix und Hannes, gespielt von Sohn Nils Bix, als Blochinger Bürger um die in einem Jahr entstandenen Belange der Gemeinde. Als besonders anschauliche Objekte rollten die Turnerfrauen Schreckholde (Tommy Laux), Inkontinenza (Christoph Eberhard), Tusnelda (Jan Emhart) und Rollata (Lukas Kugler) auf der Bühne an. Das Publikum kugelte sich vor Lachen. Im Rathaus gab es vieles innerhalb der streng einzuhaltenden Arbeitszeit zu diskutieren, doch der rote Faden war und blieb der Klowagen, der keineswegs in den Vorgarten des Vereinsheimes gehöre, gab der Bürgermeister klar zu bedenken.

Ohne die Zugezogenen wäre die Halle halb leer, stellten Späth und Fränkel fest, wobei Daniel Fränkel es sich nicht verkneifen konnte, klar herauszustellen, dass auch sein Moderator-Kollege genau so einer sei, ein Reigschmegder. Kurzerhand nahmen die beiden alle Gäste mit auf eine Reise in die Zukunft ins oberschwäbische Dorf Blochingen anno 2045. Da sei der Ortsvorsteher Heiko Emhart bereits in Rente, sonst gäbe es direkt ein Projekt für die nächste Generation Seniorenresidenz. Als „Dia Reigschmegde“ zogen sechs in die Jahre gekommene Damen aus Mieterkingen, Hausen, Bremen, Vilsingen, Marbach und Langenenslingen ein und berichteten, wie es dazu kam, dass sie als Ehefrauen in Blochingen landeten. Nun wohnen die feinen Damen von Welt in der Seniorenresidenz an der schönen Donau. Früher war alles einfacher und besser, da waren sich alle einig, da gab es unten an der Wiese beim Bäcker Halder die besten Brezeln. Auch die Rollatoren wären beim Steinhauser und seinem Fahrradladen in besten Händen, doch die Läden gibt es nicht mehr, stellten die rüstigen Rentnerinnen mit einem Seufzer fest.

Normalerweise herrscht an Bord von Flugzeugen die pure Routine, doch nicht mit solchen Flugkapitänen. Als knackige und sehr gelenkige Piloten erwiesen sich die Tänzer um Yvonne Späth, die reihenweise die Köpfe der Damen im Publikum verdrehten. Es wurden massenhaft die Handys gezückt und auf „Record“ gedrückt. Mit aufgeblasener E-Gitarre, Pilotenbrille und ergänzend gut behütet, präsentierte die Boygroup einen mitreißenden Tanz, der sich von Minute zu Minute steigerte.

Gegen Ende wurde die Show der „Over the Top Tänzer“ mit zwei blutjungen Tänzern verstärkt. Die Halle stand kopf. Anhaltender, tosender Beifall hagelte wie ein gewaltiger Wolkenbruch auf alle Akteure des Abends herunter. Wieder am „Regio Airport Mengen“ gelandet, sorgte die Blochinger Gugge „Blechbanditen“ mit Pauken und Trompeten für ein gute Landung und eine perfekte Überführung in den gemütlichen Tanzabend bis in die frühen Stunden.

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