Kinder kommen mit dem Lauf-Bus zur Schule

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 Von verschiedenen Laufbus-Haltestellen, wie hier an der ehemaligen Praxis von Dr. Fischer, können Grundschüler aus Mengen gemei
Von verschiedenen Laufbus-Haltestellen, wie hier an der ehemaligen Praxis von Dr. Fischer, können Grundschüler aus Mengen gemeinsam zur Ablachschule gehen. (Foto: Vera Romeu)
Vera Romeu

Ein ideales Bild: Grundschulkinder treffen sich an einer vereinbarten Lauf-Bus-Haltestelle und gehen miteinander den Weg zur Schule. Im Rudel sind sie sicher, sie reden mit den anderen und stellen sich auf den gemeinsamen Morgen in der Schule ein. Das Gehen tut ihnen gut und weckt die Energie.

Doch werden von den rund 200 Grundschulkindern der Kernstadt, ungefähr die Hälfte von den Eltern in die Schule gefahren, berichtet Schulleiterin Gudrun Kempf. Das sollte sich ändern. Am Montag fand eine Aktion zur Motivation der Kinder und zur Werbung für das Laufen statt: Schulleiterin Kempf und ihre Stellvertreterin Stefanie Klein haben die Schüler an den Lauf-Bus-Haltestellen erwartet und ihnen eine Lauf-Bus-Karte und Sternchen zum aufkleben geschenkt. Künftig sollen sie jeden Morgen, wenn sie in die Schule gelaufen oder mit dem Roller gefahren sind, ein Sternchen aufkleben. Wenn die Karte mit 18 Sternchen voll ist, dann sollen sie sie dem Klassenlehrer geben und bekommen zur Belohnung ein kleines Geschenk. „Bis Weihnachten ist die Karte sicher voll“, sagte Schulleiterin Kempf.

Rund 20 Kinder kommen zur Lauf-Bushaltestelle

Kempf hat die Kinder an der ehemaligen Praxis von Dr. Wolfgang Fischer erwartet. An der Kreuzung der Granheimer und der Zeppelinstraße ist eine Lauf-Bus-Haltestelle mit einem Schild an der Straßenleuchte gekennzeichnet. Rund 20 Kinder sind gekommen, zum Teil alleine, zum Teil mit einer Freundin oder mit ihrer Mutter. Eine kleine Gruppe kommt mit den Rollern den Hang heruntergefahren. Alle freuten sich über die neue Lauf-Bus-Karte. „So viele waren wir noch nie“, staunen die Kinder. Schulleiterin Kempf sieht das Problem bei den Eltern. Sie kennen einander nicht und tun sich schwer, den Lauf-Bus und den Einsatz zu koordinieren. Sie berichtet über das positive Beispiel in Ennetach. Dort organisieren sich die Eltern seit sechs oder sieben Jahren selbst. Sie sprechen sich ab, wer am Morgen den Lauf-Bus begleitet. „Da hat immer jemand Dienst. Das funktioniert sehr gut“, berichtet Kempf. In der Kernstadt hapere es daran, dass sich die Eltern nicht austauschen. Es liege aber auch daran, dass Eltern, die morgens arbeiten gehen, sicher sein möchten, dass ihr Kind in der Schule ist. „Eltern vertrauen ihren Kindern nicht. Das wäre aber wichtig“, erklärt Kempf. „Für manche Kinder ist Bus fahren auch Stress.“

Eltern sollen sich künftig absprechen

So wünscht sich die Schulleitung, dass die Eltern eine Art Fahrplan erstellen und sich absprechen, wer am Morgen mit den Kindern in die Schule geht. Insgesamt gibt es bereits sechs Lauf-Bus-Haltestellen, berichtet die Schulleiterin: In Ennetach sind es zwei, in Mengen sind die Haltestellen an der Ablachhalle, an der Kreuzung Granheimer/Zeppelinstraße, an der Liebfrauenkirche und auf dem Hof beim Rathaus.

Als der Lauf-Bus sich in Bewegung setzt, gehen die Viertklässler voraus, die jüngeren gehen hinterher. Ganz hinten fahren die Roller. Man spürt, diese Kinder sind es bereits gewohnt, den Schulweg zu Fuß zu gehen. Sie überqueren die Zeppelinstraße, die Lindenstraße, münden in die kleine Gasse in Richtung Stadtgraben zur Ablach. Dort gehen sie über die Brücke zur Schule.

Schulleiterin Kempf bleibt vor der Bücke stehen und überreicht den Kindern, die separat zur Fuß kommen auch eine Lauf-Bus-Karte. Auch sie dürfen nun die Sterne jeden Morgen kleben. Von der Liebfrauenkirche kommt der Lauf-Bus mit der stellvertretenden Leiterin Stefanie Klein. Da sind es 13 Kinder, die auch die Lauf-Bus-Karte bekommen haben. Vielleicht motiviert es die Kinder, in den nächsten Tagen den Schulweg zu Fuß zurückzulegen. Allein in die Schule zu gehen, ist ein Stück Freiheit und ein Schritt zum Erwachsenwerden.

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