Kühe sind mindestens so interessant wie WLAN-Code

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 Beim Tag der offenen Tür sehen sich viele Interessierte auf dem Ferienhof Neher in Granheim um.
Beim Tag der offenen Tür sehen sich viele Interessierte auf dem Ferienhof Neher in Granheim um. (Foto: Gabriele Loges)
Gabriele Loges

Vierzehn Monate nach dem ersten Spatenstich haben viele Besucher den Tag der offenen Tür genutzt, um die drei neuen Ferienblockhäuser und den Bauernhof der Familie Neher zu besichtigen. Sie kamen zu Fuß, mit dem Auto oder dem Fahrrad und sprengten zahlenmäßig sämtliche Erwartungen. Die siebenköpfige Familie sowie Freunde und Helfer hatten alle Hände voll zu tun. Die kleinen und großen Gäste fühlten sich dabei sichtlich wohl. Eines der Ferienhäuser konnte auch von innen besichtigt werden und bestand diesen „Stresstest“ bestens.

Noch vor dem Ansturm dankte Martin Neher all denen, die von der Planung bis zum Bezug mitgeholfen haben: der örtlichen Verwaltung, dem Amt für Landwirtschaft und der zuständigen Stelle beim Regierungspräsidium, dem Architekten Heiko Emhart, Manfred Moll und seinem Vermessungsbüro, aber auch den Nachbarn, die durch einen Platztausch das Anliegen unterstützt haben. Nach der Genehmigung konnte die Firma Gutknecht mit der Erschließung des Geländes beginnen und die Firma Küchle die Blockhäuser liefern. Weitere Handwerker und vor allem seine Frau Maria und die fünf Kinder zwischen zehn und 24 Jahren standen von Anfang an hinter dem Projekt. Die vom Europäischen Landwirtschaftsfonds zur Entwicklung des ländlichen Raums unterstützte Investition war von vornherein als zweites Standbein des landwirtschaftlichen Hofs gedacht.

Tante Ilse macht den Anfang

Die Idee stand schon seit 1973 auf dem Hof, so Martin Neher. Denn seine Tante Ilse hatte sich nach der Übergabe des Hofs an den Vater ein kleines Ferienhaus neben dem elterlichen Anwesen gebaut. Dort machte sie mit den Kindern und später Enkelkindern Urlaub. Auch Martin fand es in diesem Häuschen immer besonders schön und er sah, dass die Vettern und Cousinen die Gegend bis zum Bodensee bald besser kannten als er. Urlaub und Bauernhof sind für den leidenschaftlichen Landwirt, der sich wie seine Frau kulturell oder gemeindepolitisch engagiert, zwei Teile, die bestens zusammenpassen. An diesem Tag kamen die Kinder seiner Tante Ilse mit Freunden aus der Stadt mit dem Kleinbus angefahren, um die „wunderbare Vermehrung“ von Ilses Häuschen anzuschauen.

Wie viele andere lobten sie die Familie für das Konzept und die gelungene Umsetzung. Zwei der Blockhäuser sind zurzeit vermietet, das Haus Abendrot konnte jedoch besichtigt werden. Die mit allem Komfort ausgestatteten Häuser sind liebevoll eingerichtet. Natürliche Materialien wie Holz und Leder, aber auch Technisches wie Fernsehen oder Internetanschluss gehören dazu. Nebenan gibt es einen Grillplatz und ein Klettergerüst. Auch wenn die Kinder oft als erstes nach dem WLAN-Code fragen würden, hofft Bauer Neher doch, dass die Kühe oder Pferde mindestens genauso interessant sind. Schließlich könnten sich viele Menschen überhaupt nicht mehr vorstellen, wie Nutztiere gehalten werden. Auch an diesem Tag wurde Martin Neher nicht müde, den Besuchern zu erklären, wie die Kühe gehalten werden, dass es ihnen gut geht, sie die Familie ernähren und zudem den Menschen bestes Fleisch liefern.

Fröhlich ging es an diesem Tag, bei dem gegen die Vorhersage sogar die Sonne lachte, zu. Von der Musik bis zu den Biertischen erinnerte vieles an ein Volksfest. Neben Essen und Trinken gab es einen Osterbasar und Produkte des Hofs. Mit diesen Einnahmen und denen des Glücksrads unterstützte der Hof das Kamerun-Projekt von Bruno Hafner. Die Kinder konnten auf kleinen Traktoren Futter zu den Kühen in den Stall bringen. Diese verfolgten das ganze Spektakel sehr neugierig und hatten keine Lust, nach draußen auf die Wiese zu gehen. Die jüngsten Besucher konnten sich im Melken üben, im Heu spielen, auf dem Pony reiten oder Ziege und Schaf streicheln. Die Tiere waren für die Kleinen die Hauptattraktion. Eine Besucherin machte sogar noch ein weiteres Tier aus und rief Martin Neher im Vorbeigehen zu: „Es freut mich sehr, dass heute hier der Bär los ist.“

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