Jungstorch wird aufmüpfig

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Die Jungstörche werden beringt. Links wohnen die Beizkofer, rechts die Ablacher Störche.
Die Jungstörche werden beringt. Links wohnen die Beizkofer, rechts die Ablacher Störche. (Foto: Christoph Klawitter)
Christoph Klawitter

Gleich zwei Storchennester gibt es auf dem Dach der evangelischen Pauluskirche in Mengen. Die Storchenbeauftragte des Regierungspräsidiums Tübingen, Ute Reinhard hat am Freitag mit Hilfe der Feuerwehr Mengen die insgesamt vier Jungstörche beringt – auch wenn ein Jungstorch etwas Widerstand leistete.

Holger Mayer und Florian Mickert machten mit dem Drehleiter-Fahrzeug der Feuerwehr die Beringung möglich. „Ein Jungstorch war ziemlich aufmüpfig“, sagte Ute Reinhard lächelnd nach der Beringung – es handelte sich dabei um das einzige Jungtier der Ablacher Störche, während die Beizkofer Störche dreimal Nachwuchs haben.

Der Ablacher Jungstorch war auch das schwerste Tier. Bei ihm hat die Storchenbeauftragte Ute Reinhard am wenigsten Bedenken, dass der Storch überlebt. Bei den drei anderen, jüngeren Tieren ist sie zwar auch optimistisch, hier komme es aber auch noch auf die Wetterlage an. Das bisherige Storchenjahr in der Region schätzte sie insgesamt als „relativ gut“ ein, trotz eines Kältelufteinbruchs Ende April.

Daher kommt der Namen

Die Beizkofer Störche tragen ihren Namen deshalb, weil sie früher den Horst am Ortseingang von Hohentengen-Beizkofen bewohnten, die Ablacher Störche wiederum waren früher in Krauchenwies-Ablach ansässig. Dass die Beizkofer Störche wieder nach Beizkofen zum Nestbau zurückkehren, glaube sie eher nicht, sagte Reinhard.

Der Mengener Storchenexperte Manfred Stützel war bei der Beringung dabei. Er beobachtet die beiden Storchennester seit Monaten. Und sah dabei erstaunliches: Das Ablacher Nest auf der Dachrinne des Turmes der Pauluskirche war aus sicherheitstechnischen Gründen im November 2016 abgetragen worden. Doch das Ablacher Storchenpaar ließ sich davon nicht beeindrucken und baute nach seiner Ankunft innerhalb einer Woche an derselben Stelle wieder ein Nest. „Eine interessierte Anwohnerin konnte beobachten, dass sich die Ablacher Störche auch vom Baumaterial des Beizkofer Nests bedienten, wenn die Beizkofer Störche außer Haus waren“, so Manfred Stützel.

Im Ablacher Nest konnte Stützel vier Jungtiere beobachten, doch nur eines überlebte wegen des Kälteeinbruchs Ende April. Fürsorglich würden die beiden Storchenpaare sich um ihre Brut kümmern, und dabei auch durchaus zusammenarbeiten: Gemeinsam gehen sie manchmal auf Nahrungssuche, wie Stützel beobachtete.

Häufig sind die Tiere dabei auf der Wiesenlandschaft bei Mengen, Beizkofen und Bremen unterwegs. „Hier finden sie noch ein reichhaltiges Nahrungsangebot mit Regenwürmern, Käferlarven, Raupen und Heuschrecken für die kleinen Jungstörche“, informierte Stützel. „Später sind Säugetiere, vor allem Feldmäuse und auch Maulwürfe, eine willkommen Kost.“ Entgegen der landläufigen Meinung würden Frösche nur einen relativ geringen Anteil bei der Storchennahrung bilden.

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