Julius Neher erhält die goldene Verdienstmedaille

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Das Trachtenpaar und Bürgermeister Stefan Bubeck überreichen Julius Neher (2.v.l.) die goldene Verdienstmedaille der Stadt.
(Foto: Fotos: Jennifer Kuhlmann)
Jennifer Kuhlmann

Die größte Ehrung kam beim Neujahrsempfang der Stadt Mengen am Sonntag ganz zum Schluss. In den hinteren Reihen im Bürgerhaus in Ennetach wurden die Köpfe gereckt, als Bürgermeister Stefan Bubeck Julius Neher nach vorne bat. Neher wurde für sein außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement mit der goldenen Verdienstmedaille der Stadt Mengen ausgezeichnet. 16-mal ist sie seit der Einführung im Jahr 1962 verliehen worden.

Wenn sie jemand verdient hat, dann Julius Neher. Das machte Bubeck deutlich, indem er die Ehrenämter von Neher aufzählte. Zuerst die kommunalpolitischen: 30 Jahre engagierte sich Neher als Ortschaftsrat im Ortsteil Rulfingen, 20 Jahre lang war er dort Ortsvorsteher. 15 Jahre saß er im Gemeinderat der Stadt Mengen, zehn im Kreistag. „Doch damit nicht genug“, so Bubeck weiter. Neher sei auch Sportfunktionär im TSV Rulfingen und im Württembergischen Fußballverband gewesen. Außerdem verantwortlich in der Bäckerinnung und nicht zuletzt im Arbeitskreis Alte Kirche. Für sein Engagement habe er bereits viele Auszeichnungen erhalten, unter anderem das Bundesverdienstkreuz aus den Händen von Christian Wulff.

Hausmeister, Wirt und Techniker

„Dass die Alte Kirche in Rulfingen zu einem bei Künstlern und Besuchern gleichermaßen beliebten Veranstaltungsort und über die Kreisgrenzen bekannt geworden ist, geht vor allem auf Julius Neher zurück, der die Idee, die Kirche als öffentlichen Ort zu behalten, von Anfang an unterstützt hat“, sagte Bubeck. Seit 1999 habe Neher den Arbeitskreis Alte Kirche als Vorsitzender geführt. „Dabei war er auch Hausmeister, Wirt, Innenausstatter, Techniker, Buchhalter und Schneeräumer.“

Kurz: Ohne Neher würde es das Kleinod in Rulfingen nicht in seiner jetzigen Form geben. „Deshalb gebührt Ihrem Einsatz höchster Respekt und Anerkennung“, so Bubeck bei der Übergabe der Urkunde.

Wie wichtig Engagement, sei es ehrenamtlich oder im privatem Umfeld, gerade im Alter ist, machte der Festredner Professor Andreas Kruse deutlich. Der Direktor des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg betonte, dass das Sorgen für andere im Lebensmittelpunkt vieler alternden Menschen stehe. „Es ist nicht nur wichtig, dass sich jemand im Alter um einen selbst kümmert“, so Kruse. „Man möchte auch für andere da sein.“ Schließlich gehe es beim Altern nicht nur um das Körperliche und die steigende Pflegebedürftigkeit. „Die seelische und kognitive Seite gehört da genauso dazu.“ Das Konzept einer sorgenden Gemeinschaft sei für ihn ein zukunftsfähiges. „In Mengen scheinen Sie da gut aufgestellt zu sein“, sagte er zum Publikum gewandt.

„In einer Demokratie geht es um ein selbstverantwortliches Leben“, sagte er. „Kommune, Land und Bund sollten nur da einspringen, wo Menschen allein nicht weiterkommen.“ Er selbst könne sich beispielsweise vorstellen, jungen Familien in der Zeit, in der sie Beruf und Familiengründung schultern wollen, mehr Geld zur Verfügung zu stellen. „Warum sollte es nicht dann mehr finanzielle Unterstützung geben, die dann bis zum Rentenalter abgeschmolzen wird?“, fragte er.

Um Kommunen in die Lage zu versetzen, der Daseinsvorsorge gerecht zu werden, müssten sie den dazu notwendigen finanziellen Spielraum erhalten. Eine Forderung, die Bürgermeister Bubeck voll und ganz unterstützen kann, wie er anschließend betonte.

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