Johannes Schwarz strebt einen zweiten Meistertitel an

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 Johannes Schwarz (Bildmitte) ist stolz über seinen Meister im Handwerk. Er ist überzeugt, dass es für das Handwerk eine gute Zu
Johannes Schwarz (Bildmitte) ist stolz über seinen Meister im Handwerk. Er ist überzeugt, dass es für das Handwerk eine gute Zukunft gibt. Seine Eltern Andrea und Joachim Schwarz freuen sich, dass der Familienbetrieb in die vierte Generation geht. (Foto: Vera Romeu)
Vera Romeu

Das Handwerk ist derzeit in den Schlagzeilen, weil in vielen Bereichen Auszubildende fehlen, Gesellen auf dem Arbeitsmarkt schwer zu bekommen sind und die Pflicht zum Meisterabschluss in zwölf Gewerken vor Kurzem wieder eingeführt wurde. Mit Begeisterung spricht Johannes Schwarz, der eben seinen Meister als Zimmermann abgeschlossen hat, über das Handwerk. „Ja, es ist ein klares Bekenntnis zum Handwerk, zum eigenen Betrieb und zum Standort Mengen“, sagt Johannes Schwarz selbstbewusst.

Schon als Teenager hat er in den Ferien auf Baustellen gejobbt, das habe ihm gefallen. Von den Dächern aus habe man einen schönen Blick auf das Umland, die Abwechslung sei groß, weil jede Baustelle, jeder Architekt und Bauherr unterschiedlich sind. So habe Johannes Schwarz schon mit 16 gewusst, dass er eine Ausbildung als Zimmermann machen möchte. Und machte sie.

Keine Wanderschaft geplant

Weil er erst 16 Jahre alt war, hat er die Ausbildung im eigenen Familienbetrieb absolviert. Zum einen wollte er noch nicht weg, zum anderen bietet der Betrieb ein breites Spektrum an unterschiedlichen Arbeiten. Mit dem Zug ging es in die Berufsschule nach Sigmaringen. Koch zu werden, war eine Zeitlang eine alternative Überlegung, doch die Arbeitszeiten seien stressig, erklärt Johannes Schwarz.

Nach der Ausbildung blieb er 1,5 Jahre als Geselle im Familienbetrieb, bis er in Biberach die Meisterschule in Vollzeit besuchte. „Wenn man körperliche Arbeit gewohnt ist, strengt das lange Sitzen und Lernen an“, berichtet Johannes Schwarz. Der Lernstoff sei zwar viel, aber sehr abwechslungsreich gewesen: Architektur, Statik, Bauphysik, Betriebswirtschaft, Arbeitspädagogik, Recht. Er habe zwischen Mengen und Biberach gependelt, das sei vielleicht ein Fehler gewesen.

Obwohl er den Meisterbrief habe, fühle er sich noch nicht wie ein richtiger Meister, eher als besser qualifizierter Geselle, dem noch die Berufserfahrung fehlt. Auf Wanderschaft wollte er nicht. „Für mich ist es nichts. Man darf jahrelang nicht heim, man hat nur das, was man tragen kann“, erklärt er. Die Welt wolle er schon sehen, aber nicht auf diese Weise.

Im nächsten Jahr wird er in die Schweiz gehen und in einem Betrieb Dachdecker-Erfahrungen sammeln. Im Familienbetrieb wurde vor kurzem in eine sechs Meter lange computergesteuerte Kantbank investiert. Deshalb habe er vor, einen zusätzlichen Meister als Dachdecker zu machen, berichtet Johannes Schwarz. Sein Vater, Joachim Schwarz, der den Betrieb in der dritten Generation führt, hat ebenfalls die zwei Meisterbriefe.

Die meisten Freunde von Johannes Schwarz studieren. Er sieht sie jedoch beim Kicken und am Wochenende. Viele hätten nicht genau gewusst, was sie nach der Schule machen wollten. Er habe sich hingegen schon früh entscheiden können. „Der Berufswunsch und die Firma waren klar. Drum habe ich gleich angefangen“, erklärt er. Ja, natürlich, im Sommer bekomme er die Bilder, die Freunde vom Baggersee und Baden posten. Das störe ihn manchmal schon ein bisschen. Aber er verdiene sein eigenes Geld und arbeite gerne. Nach zwei Wochen Urlaub freue er sich aber wieder auf die Baustellen.

Etwas Bleibendes schaffen

Johannes Schwarz sei stolz, wenn er beim Vorbeifahren sagen könne: „An diesem Dach habe ich mitgearbeitet.“ Als Zimmermann schaffe man etwas Bleibendes. Auf dem Bau habe sich aber einiges verändert. Man sehe vielfach die Bauherrschaft nicht mehr, sondern die Architekten oder Bauleiter. Oft sei man allein auf einer Baustelle, wenn man das Dach aufrichte. Auch das traditionelle Richtfest falle oft aus. Es gebe sie aber noch, die klassischen Bauherren, die ein Vesper vorbeibringen und sich über den Fortschritt der Baustelle mitfreuen.

Wenn er den zweiten Meisterbrief hat, wird Johannes Schwarz voraussichtlich in den Familienbetrieb zurückkehren und mit dem Team auf den Baustellen mitarbeiten. Das Unternehmen würde dann mit Johannes Schwarz in vierter Generation weiterbestehen. Zukünftig will er sich aber auch aktiv in die Betriebsführung einbringen, Kalkulationen machen, an Ausschreibungen teilnehmen. Man werde auch künftig im Handwerk gutes Geld verdienen, ist sich Johannes Schwarz sicher.

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