„Ist Mengen eine jugendfreundliche Stadt?“

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Je zwei Kandidaten pro Liste in Mengen stellen sich im Gloria den Fragen, die die Jugendlichen zur Kommunalwahl vorbereitet habe
Je zwei Kandidaten pro Liste in Mengen stellen sich im Gloria den Fragen, die die Jugendlichen zur Kommunalwahl vorbereitet haben. (Foto: Vera Romeu)
Vera Romeu

Viele Jugendlichen haben den Mengener Kandidaten zur Gemeinderatswahl im Saal des Gloria-Eventcenters interessiert zugehört. An vier Stehtischen standen jeweils zwei Kandidaten von den vier Listen CDU, SPD, Grüne und Freie Wähler. Der Ablauf war straff strukturiert. Zur persönlichen Vorstellung bekam jeder Kandidat eine Minute Zeit, zur Beantwortung einer Frage gab es zwei Minuten. Die Fragen wurden aus einem Bündel blind gezogen, es gab zwei Fragerunden. Das Tempo war hoch, die Inhalte spannend und umfangreich.

„Die Gemeindeordnung schreibt den Gemeinden vor, dass sie eine Jugendbeteiligung aufbauen müssen, lässt sie aber sehr frei in der Art und Weise“, erklärte Hauptamtsleiterin Sabine Reger. Mengen habe beschlossen, die Jugend themenbezogen zu beteiligen. Karin Geuder organisiert nun die Jugendbeteiligung gemeinsam mit den Verantwortlichen im Jugendhaus. „Die politische Bildung steht bei uns im Fokus. In Bewerbungsgesprächen merken wir, dass viele junge Leute nicht wissen, wie der Staat aufgebaut ist und funktioniert“, sagte Reger. Geuder war an den Schulen und hat die jungen Erstwähler informiert und sensibilisiert. Im Anschluss wurde die Info-Veranstaltung für Erstwähler im Gloria vorbereitet und die Kandidaten der Listen eingeladen. Die Veranstaltung wurde von den Jugendlichen Christina, Jenny und Chrissi durchgeführt.

Aus der Fragenrunde:

„Was wäre Ihrer Meinung nach ein notwendiges und gutes Projekt für Jugendliche in Mengen?“ Cordula Frick (CDU) nannte die Aufwertung des Schillergartens, die Sanierung des Freibads und die Ausstattung der Schulen. Sie lud die Jugendlichen ein, kleinere Projekte auszuarbeiten. „Wo sehen Sie dringenden Handlungsbedarf?“ Stefan Vollmer (CDU) zählte das Freibad, die Ablachhalle, die Halle in Blochingen, das Gymnasium, die Sporthalle der Realschule und die Breitbandversorgung auf.

„Gibt es eine optimale Form der Jugendbeteiligung?“ Andrea Seidler (SPD) sagte, dass die Jugend vieles anders sehe als die Erwachsenen. Sie müsse sich organisieren.

„Für welche Partei stehen Sie und warum?“ Michael Femmer (SPD) erklärte, er habe sich immer für sein Umfeld verantwortlich gefühlt, sich für eine soziale Stadt engagiert und einiges erreicht, wie das Fairkaufhaus. Er könne gar nicht anders.

„Wo sehen Sie die Vorteile einer erhöhten Wahlbeteiligung Jugendlicher?“ Junge Leute sollten sich fragen, welche Werte ihnen wichtig sind und entsprechend wählen, antwortete Jakob Fahlbusch (Grüne) und fragte: „Was soll man euch an die Hand geben, damit ihr euch beteiligt?

„Welche sind die wichtigsten Aufgaben der Kommunalpolitik?“ Dazu nannte Werner Rundel (Grüne) die Vernetzung der Institutionen mit dem Rathaus und die Verbesserung der Lebensqualität.

„In welchen Bereichen haben Sie Ihre Schwerpunkte als Gemeinderat?“ Liane Schmid (FW) erklärte, dass für sie der Mensch im Mittelpunkt stehe. Sie wolle der Jugend Raum geben und sich für ein lebenswertes Mengen einsetzen.

„Wie haben Sie vor, auf die Jugend zuzugehen und mit ihr in Austausch zu kommen?“ Christoph Stauß (FW) antwortete, dass Dialog wichtig sei, um auf gemeinsame Lösungen zu kommen. Der Einstieg zum Austausch gelinge am besten über die Jugendvereine oder -gruppen. Er lud junge Leute in die Gemeinderatssitzungen ein und munterte sie auf, Räte anzusprechen.

„Empfinden Sie Mengen als jugendfreundliche Stadt?“ Christoph Stauß (FW) erklärte, es gebe ein großes Angebot mit Jugendhaus, Streetworker, Sozialarbeit, Sport und Freizeit. Doch nicht alle fänden den Weg dorthin. Er rief Jugendliche auf, das Vereinsleben mitzugestalten.

„Welches Bild haben Sie von der heutigen Jugend?“ Liane Schmid (FW) sagte, dass die Jugend nicht anders sei als früher. Sie engagiere sich unbefangen mit Ideen, die manchmal unerwartete Auswirkungen haben, wie etwa Greta Thunberg.

„Welchem Kandidat oder Partei würden Sie Ihre Stimme geben?“ Werner Rundel (Grüne) antwortete, dass er die Grüne Partei wähle, weil für ihn Klimaschutz das wichtigste sei. Die Gemeinderatswahl sei aber eher eine Persönlichkeitswahl, da gebe es viele, die er wählen würde. „Worüber würden Sie gerne mal mit Frau Merkel reden?“ Jakob Fahlbusch (Grüne) sagte, dass sie zwar Humor habe, dass es jedoch wohl wenig gemeinsame Themen gebe.

„Wenn Sie drei Wünsche für die Stadt frei hätten, welche wären es?“ Michael Femmer (SPD) wünschte sich, dass sich die Stadt für mehr Beteiligung der Bürger öffne und dass sozialer Wohnraum gebaut werde. Diese zwei Wünsche würden schon für eine gute Entwicklung reichen. „Wer ist ihr Vorbild im Hinblick auf politische Arbeit?“ Andrea Seidler (SPD) sagte, sie habe keine Vorbilder, sie habe sich immer aus der Politik herausgehalten.

„Was halten Sie vom Wählen ab 16?“ Dazu antwortete Stefan Vollmer (CDU), dass er es auf kommunaler Ebene gut findet, weil dort viele Themen entschieden werden, die die Jugend betreffen: Schulen zum Beispiel und auch die Verschuldung. Eine zukunftsfähige Politik sei wichtig, um nicht die Zukunft zu belasten.

„Was bedeutet für Sie Demokratie?“ Cordula Frick (CDU) sagte, jeder solle mitentscheiden. Sie nahm die Nationalhymne als Grundlage für die Beschreibung von Glück in der Demokratie: Einigkeit stehe für das Aufeinanderzugehen und Verstehen; Recht sei der Rahmen, damit der Wunsch des einen nicht den anderen belaste; Freiheit bedeute, das Leben so zu gestalten, dass es alle glücklich mache. Sie rief die Jugendlichen auf, zum Wählen zu gehen. „Und bei der nächsten Wahl möchte ich euch auf den Listen sehen“, fügte sie hinzu.

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