Heute bedient der Landwirt Computer

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Christoph Klawitter

Vom Dreschflegel zum Computer: Die Landwirtschaft hat in den vergangenen 100 Jahren einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen. Das ist bei der Feier zum 100-jährigen Bestehen der Dreschgenossenschaft Rosna am Sonntag deutlich geworden. Die Mitglieder feierten das Jubiläum mit einem Gottesdienst, einer Ausstellung und einem geselligen Beisammensein.

„Die Entwicklung ist natürlich immens“, sagte Edwin Krug, Vorsitzender der Dreschgenossenschaft. „Ich habe mir als Stichwort aufgeschrieben: Vom Dreschflegel zum Roboter“, ergänzte er. Vor 100 Jahren sei die landwirtschaftliche Tätigkeit reine Handarbeit gewesen. „Das hat sich gewandelt zu einem Landwirt, der Computer bedient, der Roboter bedient.“ Der Landwirt sei heute mehr Manager eines Betriebs.

„100 Jahre, das klingt, wenn man das Wortspiel bedienen will, fast schon ein bisschen abgedroschen“, meinte Ortsvorsteherin Cordula Frick in ihrem Grußwort. „Aber der Grundgedanke, warum die Dreschgenossenschaft entstanden ist, ist aktueller denn je“, sagte sie. Und dieser sei: In der Gemeinschaft das zu erreichen, was ein Einzelner nicht erreichen könne. Gerade in der heutigen Zeit führten begrenzte Ressourcen zu mehr Zentralisierung. Es sei daher wichtig, in Rosna den dörflichen Charakter zu erhalten – beispielsweise mit einer Organisation wie der Dreschgenossenschaft. „Um nicht zu einer reinen Wohnstätte zu werden“, fügte Frick mit Blick auf die Zukunft des Dorfs hinzu. Wenn auch in der Dreschgenossenschaft nicht mehr regelmäßig der Dreschflegel geschwungen werde, so helfe man sich doch weiterhin regelmäßig, sagte sie.

Josef Kugler III, selbst langjähriger Vorsitzender der Dreschgenossenschaft, schaute auf die Geschichte der Genossenschaft zurück. 1919 gründeten die Rosnaer Bauern die Dreschgenossenschaft, ein Dreschschuppen bauten sie auch. Josef Kugler III weiß noch selbst aus eigener Erfahrung, wie die Atmosphäre kurz vorm Dreschen war: „Es war schon ein bisschen Hektik in der Familie“, erinnerte er sich. Für die zahlreichen Helfer wurde nämlich reichlich Verpflegung besorgt, beispielsweise Schwarzwurst und Schwartenmagen. Auch die Kinder wurden selbstverständlich mit einbezogen in die harte (Dresch-)Arbeit.

Kugler erzählt Anekdoten

Die ein oder andere Anekdote konnte Josef Kugler III erzählen: Beispielsweise, wie in seiner Familie Insassen aus dem Pfullendorfer Gefängnis beim Dreschen geholfen haben. „Der Wärter ist auf dem Traktor gesessen, mit dem Revolver“, bemerkte Kugler – heutzutage wäre so etwas natürlich undenkbar. Doch im Jahr darauf machte die Familie Kugler mit Gefangenen als Dreschhelfer keine guten Erfahrungen: Es waren offensichtlich dieses Mal andere Gefangene anderen Kalibers. Sie machten Radau auf dem Heuboden und drohten dem Wärter, der einschreiten wollte: „Wenn du zu uns hochkommst, kommst du nicht mehr runter.“ Der Wärter habe sich dann nicht getraut, hochzugehen, fügte Josef Kugler III hinzu. Angesichts dieser angespannten Lage entschloss sich Kuglers Vater, keine Gefangenen mehr als Dreschhelfer einzusetzen.

Früher gab es in der Dreschgenossenschaft laut Kugler 39 Landwirte, heute seien es sieben. Es gebe ja das Volksbegehren „Rettet die Bienen“, bemerkte er ironisch. „Unser Thema muss jetzt heißen: Rettet die Bauern.“ Er hoffe es natürlich nicht. Aber vielleicht komme mal wieder eine Zeit, in der alle froh sein würden, wenn es genügend Landwirte gebe.

Humorvolles, aber auch Nachdenkliches präsentierte Mundartdichter Hugo Breitschmid in seinen Gedichten und Betrachtungen. Eine Ausstellung mit Bildern hatte Josef Kugler III zusammengestellt. Interessiert schauten sich die Besucher die Fotos und Dokumente an. Begonnen hatte das Fest mit einem Gottesdienst mit Pfarrer Meinrad Huber.

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