„Ginge es mir nur um den beruflichen Aufstieg, wäre ich längst weg“

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Bürgermeister Stefan Bubeck fürchtet sich nicht vor Gegenkandidaten: „Das nehme ich sportlich“, sagt er.
Bürgermeister Stefan Bubeck fürchtet sich nicht vor Gegenkandidaten: „Das nehme ich sportlich“, sagt er. (Foto: Jennifer Kuhlmann)
Schwäbische Zeitung

Ab dem heutigen Samstag können sich Interessierte auf das Amt des Bürgermeisters der Stadt Mengen bewerben. Amtsinhaber Stefan Bubeck hat bereits angekündigt, erneut zu kandidierten. Jennifer Kuhlmann hat mit ihm darüber gesprochen, wie er sich den Wahlkampf vorstellt, ob er mit Gegenkandidaten rechnet und ob es in acht Jahren noch Kindergärten in allen Ortsteilen geben wird.

Herr Bubeck, haben Sie Angst vor einem Gegenkandidaten, der Mengen vor der Wahl aufmischt?

Ich habe vor jedem ernstzunehmenden Kandidaten Respekt. Für Juxkandidaten oder Kandidaten von der Nein-Partei habe ich allerdings kein Verständnis. Nach drei erfolgreichen Bürgermeister- und vier Kreistagswahlen fürchte ich mich aber vor keinem Gegenkandidaten. Das gehört zur Demokratie dazu. Ich nehme das sportlich.

Ist Ihr Wahlkampf schon geplant oder hängt der von Mitbewerbern ab?

Als Bürgermeister steht man ja eigentlich immer im Fokus und muss sich ständig bewähren. Trotzdem habe ich unabhängig von möglichen Gegenkandidaten in Mengen und jedem Stadtteil ein Bürgergespräch geplant. Ich werde damit aber erst nach Bewerbungsschluss im Juni beginnen. Dabei will ich den Bürgern eine kurze Vorstellung von dem geben, was ich die nächsten acht Jahre vorhabe. Außerdem suche ich den Dialog mit den Bürgern. Ich möchte wissen, was die Bürger bewegt, was sie gut oder schlecht finden.

Angenommen, Sie blieben einziger Kandidat. Welche Wahlbeteiligung wünschen Sie sich da?

Darauf habe ich nur wenig Einfluss, deshalb beschäftige ich mich auch nicht mit dieser Frage. Gleichwohl wünsche ich mir natürlich eine sehr hohe Wahlbeteiligung. Das ist für mich der Gradmesser der Wertschätzung meiner Arbeit.

Können Sie den Mengenern heute versprechen, dass Sie auch acht Jahre bleiben und sich nicht nach Stuttgart, Berlin, Brüssel oder sonstwo verabschieden?

Ich trete ganz klar an, um die nächsten acht Jahre Bürgermeister in Mengen zu sein. Ich bin kein Karriererist. Wenn es mir nur um den beruflich Aufstieg ginge, dann wäre ich schon längst weg. In den vergangenen Jahren hatte ich mehrere interessante Angebote. Auch aus meiner Geburtsstadt Fellbach. Aber mir gefällt es hier in Mengen. Ich habe Eigentum erworben, Freunde und Bekannte gefunden und finde, dass die Stadt großes Potenzial hat. Es reizt mich, dieses Potential abzurufen und die Stadt mit dem Gemeinderat und den Bürgern weiterentwickeln.

Sie versprechen es also?

Aus heutiger Sicht ja. Ich weiß aber natürlich auch nicht, was in sechs oder sieben Jahren ist. Aber ich freue mich über die positiven Rückmeldungen, die ich als Reaktion auf die Bekanntgabe meiner Kandidatur bekam und wenn es seitens der Bürger Befürchtungen gibt, dann werte ich auch das als Wertschätzung meiner Arbeit. Genauso fühle ich mich geschmeichelt, wenn ich für höhere Aufgaben gehandelt werde.

Auf welche Veränderungen in den vergangenen acht Jahren sind Sie besonders stolz?

Als ich nach Mengen kam, nahm ich eine depressive Stimmung wahr. Ich glaube es ist uns in den letzten Jahren gemeinsam gelungen, eine Aufbruchstimmung zu erzeugen und einen dynamischen Entwicklungsprozess anzustoßen. Normalerweise benötigt man bei Projekten wie der Neugestaltung der Innenstadt und der Kernortentlastungsstraße Rulfingen von der Planung bis zur Umsetzung einen Zeitraum von etwa zehn Jahren. Wir haben das in fünf geschafft. Und daneben noch viele weitere Projekte, wie das Rettungszentrum, die Ablachschule oder das Reiser-Areal umgesetzt. Da dürfen wir schon etwas stolz drauf sein. Aber auch im sozialen Bereich und bei den Kindergärten und Schulen wurde viel erreicht.

Mussten Sie bei den Gemeinderäten viel Überzeugungsarbeit leisten, dass so viel schaffbar ist?

Nein, die Gemeinderäte waren sehr motiviert und haben mich tatkräftig unterstützt. Es gab ja auch eine große Erwartungshaltung und Ungeduld, endlich sichtbare Veränderungen zu erkennen. Ein wichtiges Zeichen nach außen war immer, dass wichtige Entscheidungen einstimmig oder in großer Mehrheit beschlossen wurden und die Räte auch unpopuläre Entscheidungen gegenüber den Bürgern vertreten haben. Eigentlich hatten wir im Gemeinderat von Anfang an eine sehr gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Ich habe immer versucht, den Räten so viele Infos wie möglich zu einem Thema zu geben. Obwohl sich der Rat ja seit meinem Antritt zweimal neu zusammen gesetzt hat, hat sich an dem Miteinander nichts geändert.

Nervt Sie bei den Sitzungen denn nie was? Ein bisschen ungeduldig sind Sie ja manchmal schon...

Wenn unberechtigte Kritik aufkommt oder wir immer wieder über dasselbe Thema diskutieren müssen, nervt mich das schon etwas. Wenn zum Beispiel kurz vor Baubeginn des Kinderhauses gefragt wird, ob wir es überhaupt brauchen, ist mir die Zeit in der Sitzung zu schade, alles noch einmal durchzukauen.

Womit haben Sie in Ihrer Amtszeit so gar nicht gerechnet?

Dass ich einmal Fachwissen über Granit erwerben würde. Für mich war Granit immer nur ein Naturstein. Bis wir den Straßenbelag für die Innenstadt aussuchen mussten und einen Geologen hinzugezogen haben. Von dem haben wir Dinge gelernt, die hätte nie geahnt. Granit ist nicht gleich Granit. Je nach Herkunft gibt es große Qualitätsunterschiede, zum Beispiel hinsichtlich der Frostbeständigkeit. Wenn das Pflaster lange halten soll, ist das gut zu wissen...

Blick nach vorn: Was steht an?

Erwarten Sie keine großen Überraschungen. Die meisten Aufgaben sind vorgezeichnet. Wir müssen weiter daran arbeiten, den Investitionsrückstau abzubauen und die vorhandene Infrastruktur zu erhalten. Dabei gilt es die Prioritätenliste des Gemeinderats zur Sanierung der öffentlichen Gebäude abzuarbeiten. Darüber hinaus werden wir den städtischen Haushalt konsolidieren müssen. Da werden wir viele Dinge auf den Prüfstand stellen müssen.

Wird es also in acht Jahren etwa in Rulfingen keinen Kindergarten mehr geben oder kein Gymnasium?

Das Gymnasium leisten hervorragende Arbeit ist in keinster Weise gefährdet. Die Sanierung des Kindergartens in Rulfingen steht auch schon auf unserer Liste. Nur eben nicht in der obersten Priorität. Die Generalsanierung wird etwa eine Million Euro kosten. Beim Gymnasium werden es etwa zehn Millionen Euro sein, die investiert werden müssen. Das schütteln wir nicht so einfach aus dem Ärmel.

Was haben Sie eigentlich für die Jugendlichen auf Ihrer Agenda?

In Mengen wird in den Vereinen hervorragende Jugendarbeit geleistet. Außerdem gibt es das Jugendhaus sowie ein Kino, ein Hallenbad, ein Freibad, einen Skaterpark. Im Vergleich mit anderen Kommunen stehen wir da ziemlich gut da. Deshalb sehe ich da keinen akuten Handlungsbedarf, sondern will die Jugendlichen vielmehr auffordern, mir ihre Wünsche vorzutragen. Dann prüfen wir, was machbar ist.

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