Getötetes Baby: Todeskampf dauerte zwischen vier und acht Minuten

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Das Urteil im Prozess um die Kindstötung in Rulfingen wird für Mittwoch, 15. Mai, erwartet.
Das Urteil im Prozess um die Kindstötung in Rulfingen wird für Mittwoch, 15. Mai, erwartet. (Foto: dpa)
Wolfgang Steinhübel

Der dritte Verhandlungstag vor dem Landgericht Ravensburg im Falle des in Rulfingen getöteten Babys ist geprägt von den Gutachten dreier Sachverständiger gewesen. Ein Rechtsmediziner der Universität Tübingen stellte die Obduktionsergebnisse vor.

Das Baby habe bei der Geburt noch gelebt, sagte er. Als Todesursache komme für ihn ein Herz-Kreislaufversagen durch Ersticken in Frage. Mittels Einbringung eines Fremdkörpers wurden die Atemwege des Neugeborenen verlegt. Ein zirka vier mal acht mal zwei Zentimeter großer Zellstoffknäuel (Papierküchentuch) wurde aktiv in den Rachenraum eingeführt und nach hinten gedrückt. „Der Todeskampf des Kindes hat zwischen vier und acht Minuten gedauert“, so der Gutachter.

Der zweite Sachverständige, ein Gynäkologe, erläuterte, dass es extrem wichtig sei, Säuglinge warm zu halten. „Sie kühlen extrem schnell aus“, sagte er. Hätte die Mutter das Kind einfach liegen lassen, wäre es mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls gestorben. Darüber hinaus erklärte der Frauenarzt, dass es durchaus möglich ist, dass eine Mutter ihr Kind ganz alleine auf die Welt bringt. Den Blutverlust bei einer Geburt bezifferte er auf 300 bis 500 Milliliter.

Hermann Assfalg, der psychiatrische Sachverständige, bezog sich in seinem Gutachten im Wesentlichen auf seine Ausführungen beim ersten Prozess. Seitdem hätten sich keine signifikanten Änderungen in der Persönlichkeitsentwicklung der Angeklagten oder in den äußeren Umständen ergeben, sagte er. Etwas explizierter bewertete er nur die Verdrängung der kritischen finanziellen Situation. Mehr Bedeutung maß er außerdem der partnerschaftlichen Beziehung bei. Die unbestimmte Angst, den Partner zu verlieren, habe wohl das Handeln entscheidend beeinflusst.

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Klar war für den Sachverständigen, dass es sich um keine psychische oder seelische Störung handele. Die Handlungen während der Schwangerschaft und der Geburt seien aktiv gesteuert gewesen. Das Ziel sei es gewesen, andere fernzuhalten, damit sie nichts mitbekommen. Dazu gehörte auch das Verstopfen des Mund- und Rachenraums.

Zwar habe es kein lang geplantes Handeln gegeben, aber die Handlungs- und Steuerungsfähigkeit sei durchaus gegeben gewesen. Schwangerschaft und Geburt wurden einfach verleugnet. „Man könnte sagen, sie wartete auf ein Wunder“, sagte Assfalg. „Mit der Hoffnung: Ich wache morgens auf und alles war nur ein Traum.“

Die Beweisaufnahme im Revisionsverfahren ist nun beendet. Der Prozess wird am Mittwoch, 15. Mai, um 9 Uhr mit den Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung fortgesetzt. Danach ist die Urteilsverkündung geplant.

Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Ravensburg hatte die Angeklagte am 8. Januar vergangenen Jahres in erster Instanz wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

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