Güterzug-Lok entgleist kurz vor dem Bahnhof

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(Foto: Christoph Klawitter)
Christoph Klawitter

Gestern morgen ist eine Güterzug-Lokomotive vor dem Bahnhof Mengen entgleist. Der Zugführer, der sich allein im Zug befand, blieb unverletzt. 26 Feuerwehr-Mitglieder aus Mengen und neun aus Bad Saulgau rückten an. Im Einsatz war auch der Rüstwagen der Feuerwehr Bad Saulgau: Mittels Stahlseil sicherte er die Lokomotive. „Damit halten wir die Lok“, sagte Frank Seeger, Gesamtkommandant der Feuerwehr Mengen und Einsatzleiter. Die verunglückte Lokomotive wiegt etwa 80 Tonnen.

Zum Unfallhergang gibt eine Pressemitteilung von Bettina Stahl von der Bundespolizeiinspektion Konstanz nähere Informationen – bei Bahn-Angelegenheiten ist die Bundespolizei zuständig. „Bei einer Rangierfahrt führ die Güterzuglokomotive der Hohenzollerischen Landesbahn auf eine sogenannte Gleissperre auf und wurde aus den Gleisen geschoben“, heißt es in der Mitteilung. Bei einer Gleissperre handele es sich um eine Flankenschutzvorrichtung, die das Befahren eines Gleises verhindern soll.

Warum die Lok auf die Gleissperre fuhr ist noch unklar

Diese ist speziell zur Sicherung von wegrollenden Schienenfahrzeugen wichtig. Neben dem Zugfahrzeug sei auch das vorderste Drehgestelll des ersten Güterwaggons – sprich die Räder - aus dem Gleis gehoben. „Das wissen wir eben noch nicht“ antwortete Pressesprecherin Bettina Stahl auf die Frage, ob es sich um einen Fahrfehler des Zugführers handelte. Warum die Lok auf die Gleissperre auffuhr, sei noch nicht bekannt. Der Sachschaden an den Gleisen, der Lok und dem vorderen Güterwaggon lässt sich auch noch nicht beziffern.

Wie Gesamtkommandant Frank Seeger mitteilte, sei die Feuerwehr um 10.05 Uhr alarmiert worden. In der Pressemitteilung der Bundespolizei heißt es, dass die Lok gegen 8.30 Uhr entgleist ist, demnach wurden die Hilfskräfte etwa anderthalb Stunden später angefordert. Die Unglücksstelle befand sich kurz vor dem Bahnhof Mengen, etwa in Höhe des Stellwerker-Hauses. Die Lok, die aus Richtung Herbertingen kam, war entgleist, die Waggons dahinter mit Ausnahme des ersten Waggons entgleisten nicht.

Um an die Unglücksstelle heranzukommen, mussten sich die Feuerwehrmänner erstmal einen Zugang durch das Gehölz, das die Bahngleise umgibt, mit der Motorsäge verschaffen. Die Feuerwehr-Mitglieder sicherten die verunglückte Lok mit dem Stahlseil und dem Rüstwagen, dann leerten sie den etwa 2000 Liter Diesel fassenden Tank. „Der Tank ist unbeschädigt“, informierte Seeger. Einige Hundert Liter Kraftstoff seien ins Erdreich geflossen. Deshalb war es notwendig, die betroffene Erde mit einem Bagger abzutragen.

Notfallmanager von Deutscher Bahn und HzL sind vor Ort

Kreisbrandmeister Michael Hack war vor Ort, ebenso ein Notfallmanager der Deutschen Bahn, der die Strecke gehört, und ein Notfallmanager der Hohenzollerischen Landesbahn, die die Unglücks-Lok besitzt. Laut dem HzL-Notfallmanager Oskar Rauser war der Personenverkehr nicht behindert, diese Gleise wurden nicht gesperrt. Gesperrt wurden dagegen die Güterzug-Gleise. Er gehe davon aus, dass am anderen Tag die Güterzug-Gleise wieder befahren werden könnten, sagte Rauser gestern. Demzufolge soll also heute der Güterzugverkehr wieder am Bahnhof Mengen vorbeirollen. Auch Bettina Stahl sagte, dass der Unfall keine Auswirkungen auf den Fahrplan der Personenzüge gehabt habe.

Die Entscheidung, die Gleise für die Personenzüge nicht zu sperren, trafen die Notfallmanager in Absprache mit der Feuerwehr. Es sei üblich das gemeinsam zu entscheiden, bemerkte der Mengener Gesamtkommandant Seeger.

Die Personenzüge – deren Gleise befinden sich nur wenige Meter neben der Unfallstelle – passierten gestern den Bereich sicherheitshalber mit gedrosselter Geschwindigkeit, wie zu beobachten war.

Geplant war, dass die Unfall-Lok mittels eines Hilfszuges wieder auf die Schienen gestellt und abgeschleppt werden sollte, heißt es in der Pressemitteilung der Bundespolizeiinspektion Konstanz weiter.

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