Gärende Biomasse drückt Betondeckel an

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Kammandant Frank Seeger, der Kommandant von Scheer Braig, und die Biogassachverständigen vom Kreis Ravensburg Simon Rode und Ton
Kammandant Frank Seeger, der Kommandant von Scheer Braig, und die Biogassachverständigen vom Kreis Ravensburg Simon Rode und Toni Baumann. Sie messen gerade wie Biogas austritt. Baumann hatte einen Schacht geöffnet, um die Messegeräte vorzuführen.
Vera Romeu

Feuerwehrleute aus Mengen, Scheer und Krauchenwies haben zusammen eine Fortbildung absolviert: Sie haben mit Biogassachverständiger Toni Baumann aus dem Kreis Ravensburg der Biogasanlage von Tobias Bohner besichtigt. Danach gab es einen Sachvortrag im Rulfinger Feuerwehrhaus.

Baumann führte die Feuerwehrleute durch die Biogasanlage und zeigte, wo die Gefahrenpunkte sind und wie zu reagieren ist, wenn der Fall X eintritt. Eine Biogasanlage kann brennen und explodieren. Wenn das Substrat austritt und in Gewässer zu fließen droht, wird der Unfall zur Umweltkatastrophe, zu der dann auch sogar das THW hinzugezogen werden muss. Auf dem Stadtgebiet gibt es drei Biogasanlagen, in Krauchenwies zwei.

Baumann, der als Sachverständiger für Versicherung nach Schadensfällen bei Biogasanlagen hinzugezogen wurde, hat eine Gruppe Fachleute gegründet, die mit der Feuerwehr alarmiert wird, wenn das Stichwort Biogasanlage fällt. Die Gründung der Gruppe wurde von Lothar Fischer, stellvertretender Leiter des Brand- und Katastrophenschutzes am Landratsamt Ravensburg und neugewählter Bürgermeister in Scheer, initiiert. Bei einem Unfall steht er dem Einsatzleiter beratend zur Seite.

Landwirt und Feuerwehrmann Bohner hat Baumann bei einer Schulung für Betriebsleiter von Biogasanlagen kennen gelernt und gedacht, das technische Wissen über diese Art Anlagen für Feuerwehrleute wichtig ist. So wurde Baumann von Kommandant Frank Seeger eingeladen. Baumann erklärte den Feuerwehrleuten, wie eine Biogasanlage funktioniert. Der Gärbehälter wird mit Mais und Gülle dosiert bestückt, auf 42 Grad erwärmt und von großen Rührwerken bewegt. Die Biomasse gärt und produziert das Biogas, ein Methangemisch. Diese Produktion kann bei einem Stromausfall nicht gestoppt werden.

Auf diesen Gärbehälter liegt ein schwerer Betondeckel. Beton reißt, hier könne immer ein wenig Gas austreten, das von einem leistungsstarken Gerät gemessen werden könne, so Baumann. Wenn das Rührwerk wegen eines Stromausfalls stehen bleibe, blähe sich die Biomasse auf und der Druck könne den Deckel hochheben. Dann könne das Substrat austreten. Feuerwehrleute, müssen wissen, wohin die Masse fließt, um die Oberflächengewässer vor Verunreinigung zu schützen.

Komplizierte Rettungsaktionen

Das Biogas wird in den nächsten Behälter geleitet, die tragluftgestützte Folienhaube spannt sich darüber. Darunter ist eine zweite Folie. Baumann zeigte Bilder von Bränden nach einem Blitzeinschlag, zeigte komplizierte Rettungsaktionen, weil ein Betriebsleiter zwischen die Folien gefallen war.

Zwischen den Behältern ist unterirdisch die Herzkammer der Biogasanlage, das Hauptpumpwerk. Wenn wegen eines Brandes Rohre schmelzen, könne Substrat austreten. Dann werde es sehr schnell gefährlich, weil die Biomasse sofort gäre und der Raum mit Gas gefüllt werde. Baumann warnte die Feuerwehrleute davor, in Gruben und Kammern hinunter zu steigen: Die Erstickungsgefahr dürfe nicht unterschätzt werden.

Der Aktivkohlefilter reinige das Biogas. Bei einem Leck nach dem Kohlefilter können nur noch Messgeräte das Austreten von Biogas feststellen. Wichtig sei zu wissen, wo der Gashahn ist, der das Blockheizkraftwerk speist. Ihn zuzudrehen, sei die erste Maßnahme. Ein Gasbrand sollte nicht gelöscht werden: Gas, das brennt, explodiere nicht, sagte Baumann. Er riet den Feuerwehrleuten, von den Biogasanlagen ihres Gebietes Feuerwehrpläne anzufertigen, um im Ernstfall Bescheid zu wissen. Am Ende des Abends sagte Seeger beeindruckt: „Wir wussten nicht, was uns alles bevor steht und wie vielschichtig die Einsatz Szenarien sind. Toni Baumann konnte uns klare Handlungsanweisungen geben.“ Seeger kündigte an, mit den Abteilungen die Biogasanlagen noch einmal genauer anzuschauen.

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