Erste Milchtankstelle im Kreis Sigmaringen eröffnet

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In Rosna gibt es jetzt eine Milchtankstelle
Schwäbische Zeitung

Auf Knopfdruck gibt es ab Sonntag in Rosna rund um die Uhr frische Milch für alle, die etwas Bargeld dabei haben. Julia und Klaus Kugler eröffnen dort nämlich die erste Milchtankstelle im Landkreis Sigmaringen. Diese Idee zur Direktvermarktung ihrer Milch hatten die beiden schon länger im Kopf. Mit der Unterstützung der Stiftung Ideenfabrik aus Sigmaringen konnte sie nun umgesetzt werden. Die Stiftung hat sich das Konzept angesehen und die Familie bei er Finanzierung beraten.

Der niedrige Milchpreis macht der Familie Kugler schon seit geraumer Zeit Sorgen. In achter Generation führt Landwirtschaftsmeister Klaus Kugler hauptberuflich den Milchviehbetrieb der Familie in Rosna. 60 Milchkühe stehen in seinem Stall, weibliche Tiere werden selbst nachgezüchtet. Seine Eltern helfen im Betrieb mit, ebenso seine Frau Julia, die als Ernährungsberaterin arbeitet. Bislang hat die Familie die gesamte Milchproduktion an die Omira Oberland-Milchverwertung Ravensburg GmbH abgetreten und muss ihren Milchpreis akzeptieren.

„Wir haben uns intensive Gedanken über Möglichkeiten der Direktvermarktung gemacht“, sagt Klaus Kugler. Die bringe nicht nur den Vorteil mit sich, dass die Familie sich ein kleines Stück Unabhängigkeit vom Markt erarbeite, sondern auch ein ganz anderer Kontakt zum Endkunde entstehe. „Manchmal kommen Leute aus dem Ort zu uns und fragen, ob sie direkt bei uns Milch bekommen können“, sagt Kugler. „Aber viele trauen sich nicht, uns bei der täglichen Arbeit zu stören.“ Seiner Frau Julia ist außerdem wichtig, dass Familien den Herkunftsort ihrer Milch und die Vorzüge der Rohmilch kennenlernen. Die Milch, die sich jeder für einen Euro pro Liter aus dem Automaten an der Milchtankstelle zapfen kann, ist im Gegensatz zur Milch aus dem Supermarkt frei von Gentechnik und weder pasteurisiert noch homogenisiert. „Sie hat mit vier oder viereinhalb Prozent mehr Fettanteil als die Milch beim Händler“, sagt Julia Kugler. „Sie enthält auch mehr Bakterien, was für unsere Darmflora und unsere Verdauung gut ist.“ Gerade für Kinder empfiehlt sie die Rohmilch.

Rückgeld wird ausgeworfen

Das Tanken selbst ist kinderleicht. Wer keine eigene Flasche mitbringt, kann bei den Kuglers eine aus Glas erwerben. „Man wirft sein Kleingeld oder einen Schein in den Automaten und kann sich per Knopfdruck so viel Milch zapfen wie man möchte“, erklärt Kugler. Mit einem weiteren Knopfdruck wird das Rückgeld ausgeworfen. Nach jeder Tankaktion wird der Zapfbereich gereinigt, sodass alles hygienisch bleibt.

Das Fass im Milchautomaten kann mit bis zu 150 Litern befüllt werden. Das entspricht etwa ein bis zwei Prozent der Gesamtproduktion des Betriebs. „Die Milch, die nicht verkauft wurde, bekommen unsere Kälbchen“, sagt Kugler. Weggeworfen wird also nichts. Über die Telefonnummer, die am Automaten klebt, können Kunden Kugler auch problemlos kontaktieren. „Ich bin ja immer auf dem Hof und wenn ich nicht in Sichtweite bin, kann ich schnell da sein“, sagt er. Einen Tipp für Unerfahrene mit Rohmilch hat er noch: „Die Flasche immer ohne Deckel in den Kühlschrank stellen. Dann wird sie nicht so schnell sauer.“ Die Rohmilch halte sich zwei bis drei Tage.

Die Milchtankstelle der Kuglers steht in der Habsthaler Straße 25 in Rosna. Sie wird am Sonntag, 19. Juni, mit einer kleinen Feier von 14 bis 16 Uhr eröffnet. Es gibt Kaffee und Zopfbrot und Interessierte können sich die Bedienung des Automaten von Julia und Klaus Kugler persönlich erklären lassen oder sogar einen Blick in den Kuhstall werfen.

Mehr Infos gibt es unter

www.kuglers-milchtankstelle.de

In Rosna gibt es jetzt eine Milchtankstelle
Der Milchpreis ist im Keller und viele Kinder wissen gar nicht, wo die Milch überhaupt herkommt. Klaus und Julia Kugler aus Rosna, einem Ortsteil von Mengen im Landkreis Sigmaringen, haben nach neuen Wegen in der Direktvermarktung gesucht. Die Milch von ihren Kühen kann ab Sonntag an einer Milchtankstelle rund um die Uhr gezapft werden.
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