Energiedialog endet ohne große Kompromisse

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Christoph Ewen vom Forum Energiedialog (rechts) überreicht den Abschlussbericht an die Bürgermeister Stefan Bubeck (links) und
Christoph Ewen vom Forum Energiedialog (rechts) überreicht den Abschlussbericht an die Bürgermeister Stefan Bubeck (links) und Jochen Spieß. (Foto: Jennifer Kuhlmann)

Mit einer fünften gemeinsamen Sitzung und der Veröffentlichung eines Abschlussberichts ist das Forum Energiedialog zum zwischen Krauchenwies und Mengen geplanten Windpark am Montag zu Ende gegangen. Aus Sicht des vom Land Baden-Württemberg eingesetzten Moderators Christoph Ewen ist das Hauptziel der Dialoggruppe erreicht worden. „Es wurden Informationen gesammelt, Perspektiven der einzelnen Beteiligten ausgetauscht und die Gemeinderäte in die Lage versetzt, auf dieser Grundlage Entscheidungen zu treffen“ sagte er.

Da die Standpunkte innerhalb der Gruppe zum Teil fundamental gegensätzlich seien, ende der Dialog zwar nicht mit harmonischen Kompromissen oder für alle Seiten erfolgreichen Verhandlungen, dies könne aber auch nicht erwartet werden. „Wir haben bessere, aber auch deutlich schlechtere Dialoge erlebt“, sagt Ewen mit Blick auf rund 30 Kommunen, die er bislang in der Funktion des Moderators begleitet hat. Als positiv schätze er nach wie vor ein, dass sowohl Vertreter des Projektierers und Windkraftanlagenherstellers Enercon als auch der fürstlichen Unternehemsgruppe Hohenzollern am Dialog teilgenommen hätten. „Das ist nicht selbstverständlich.“

Neben dem gemeinsamen Besuch eines Windparks bei Ellwangen und Diskussion der vorläufigen Windmessungsergebnisse habe vor allem die Frage nach dem richtigen Mindestabstand zur Wohnbebauung und eine mögliche Gesundheitsgefährdung der Anwohner durch Schall und Infraschall die Dialogteilnehmer beschäftigt. Ab der dritten Sitzung habe sich der Umgangston verschärft, obwohl sich Enercon, die beiden Gemeindeverwaltungen und das Fürstenhaus mittlerweile auf eine Reduktion auf sechs Anlagen (je zwei auf fürstlichem Grund sowie auf dem der beiden Gemeinden) und einen Mindestabstand von 1200 Metern hatten verständigen können.

Unterschiedliche Positionen

Vor allem bezüglich des Expertengesprächs zum Thema Infraschall seien die Fronten bis heute verhärtet. „Es zeigte sich, dass die beiden Fachleute die verfügbaren Studien sehr unterschiedlich interpretieren“, heißt es im Abschlussbericht. Während Professor Johannes Mayer (Arzt aus Bayern) für einen Mindestabstand von 2000 Metern plädierte und gesundheitliche Schäden bei Anwohnern offenbar eindeutig auf die Windkraftanlagen zurückführen kann, machte Professorin Caroline Herr vom bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit deutlich, dass „es aus ihrer Sicht keine wissenschaftlich zwingende Begründung dafür gebe, die laut TA Lärm notwendigen Abstände (700 Meter) zu überschreiten. Sie wies auf Umwelteinflüsse hin, die wissenschaftlich belegbar deutlich schädlicher seien.

Die beiden Bürgermeister Jochen Spieß (Krauchenwies) und Stefan Bubeck (Mengen) betonten beim abschließenden Pressegespräch, wie wichtig es sei, weiter mit Enercon und dem Fürstenhaus zu verhandeln. „Nur wenn wir mit am Tisch sitzen, können wir beim Windpark überhaupt mitreden und für die Bürger noch etwas herausholen“, sagte Bubeck. Wenn die Kommunen über das Einbringen eigener Flächen über Abstände und Anzahl der Anlagen mitbestimmen könnten, müsse das gemacht werden. „Natürlich finden das viele nicht optimal“, sagte Spieß. „Aber wenn wir gar nicht handeln, kann die Situation am Ende für die Anwohner noch schlimmer kommen.“ Bedeutet: Wenn der gemeinsame Windpark platzt, könnte es sein, dass Anlagen auf privaten oder fürstlichen Grund deutlich Näher an den Orten entstehen könnten. Laut beiden Bürgermeistern gibt es bereits Grundstückseigentümer, die an einer derartigen Verpachtung interessiert seien.

„Wir können und wollen damit natürlich nicht der Entscheidung der Gemeinderäte über die Verpachtung vorwegnehmen“, lenkt Bubeck ein. Auch er ist wie Ewen der Meinung, dass die Städträte jetzt genügend informiert seien, um die Verpachtungsfrage zu entscheiden. Dies soll voraussichtlich noch in diesem Jahr geschehen, einen genauen Zeitpunkt wolle er aber noch nicht nennen.

Sollten sich die Gremien für eine Verpachtung entscheiden und der Bauantrag positiv beschieden werden, soll die genaue Umsetzung öffentlich vorgestellt werden.

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