Ein Bürger-Workshop ohne Bürger

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Landratskandidatin Stefanie Bürkle und Jürgen Gaugel (Zweiter von links) blicken enttäuscht: Die Bürger blieben dem Bürger-Werkshop fern. (Foto: Vera Romeu)
Schwäbische Zeitung
Vera Romeu

Die Bürger sind nicht in das Bürgerhaus gekommen, um sich über die Konversion der Oberschwabenkaserne und der Graf-Stauffenberg-Kaserne zu informieren und zu diskutieren. Sie waren eingeladen worden, es war sogar ein Bus von Sigmaringen nach Ennetach bereit gestellt worden, doch gekommen ist – außer Politikern, Stadträten, Bürgermeistern und den Fachleuten des Beratungsteams – niemand.

Zum Auftakt waren noch rund 60 Leute im Bürgersaal, hörten den einführenden Worten zu. Doch als sie aufgefordert wurden, sich auf die Tische zum Workshop zu verteilen, waren es gerade noch 30 Personen. Dies war der zweite Bürger-Workshop, der angeboten wurde, der erste hat im November in Sigmaringen stattgefunden und war gut besucht. Die Schließung der Kasernen wirkt sich auf zehn Gemeinden aus. Sie bilden den Konversionsraum. Sie haben sich zusammengeschlossen, um ein Kommunales Entwicklungskonzept zu erstellen.

Bubeck und Rainer unterschiedlicher Meinung

Die Konversion sei auf gutem Wege, die Schließung der Kasernen sei auch eine Chance für die Region, betonte Bürgermeister Bubeck. Die Raumschaft habe Stärken: Weltfirmen, solider Mittelstand, Ausbildungsbetriebe, Vollbeschäftigung, Freiflächen, die bebaut werden könnten. Dies sah Bürgermeister Peter Rainer aber nicht so. Er teile diese Ansicht nicht: In der Region fehlten Fachkräfte, große Firmen würden sich aus diesem Grund nicht ansiedeln lassen.

In Sigmaringen gibt es noch keine Investoren, die Kaserne wird im kommenden Jahr erst geschlossen. Doch laufen die Planungen zur Konversion schon im Hintergrund, erklärte Bürgermeister Thomas Schärer. Im Vorfeld haben Bürger schon Ideen eingebracht, daraus seien Projektansätze ausgearbeitet worden. Ziel sei, auf dem Kasernengelände Firmen anzusiedeln, die nicht bereits in der Region ansässig sind.

Auf dem Standort der Oberschwaben-Kaserne plant bereits ein Investor das Projekt Ehoch4. An einem Tisch im Bürgerhaus wurde das Projekt präsentiert. Dort saßen Bürgermeister Rainer und sein Vorgänger Franz Ott sowie die Investoren von Ehoch4. Dazu hatten sich ein Mengener und ein Sigmaringer Stadtrat sowie die Landratskandidatin Stefanie Bürkle gesetzt. Es wurde nachgefragt, ob der Park der Ravensburger Spiele eine realistische Chance habe, weil immer weniger Schulklassen Ausflüge machen würden. Von dem Investor kam als Antwort: Er sei seit langen Jahren mit einer Gymnasiallehrerin verheiratet, er wisse Bescheid. Außerdem vertraue man „den Ravensburgern“.

Nicht alle Informationen sind offengelegt

Ott erklärte, die Erschließung eines Gewerbegebiets brauche Zeit, Ehoch4 starte sofort, man könne nicht warten, bis die Gebäude zusammenfallen. Bürgermeister Rainer wiederholte mit Blick auf den Fachkräftemangel, dass er skeptisch sei: Große Unternehmen würden nicht kommen, weil die Fachkräfte nicht ausreichen. Das sah Bürkle allerdings anders, sie sei optimistisch. Ott erklärte: „Es geht darum, ausreichend Fläche für ein interkommunales Gewerbegebiet zu sichern, da sind wir dran.“ Doch könne man derzeit nicht alle Informationen offenlegen.

An einem weiteren Tisch wurde der Fachkräftemangel diskutiert. Hier saßen Bürgermeister Stefan Bubeck, Landtagsabgeordneter Klaus Burger, ein Sigmaringer Stadtrat und Fachleute für Integration. Sie kamen zum Schluss, dass junge Leute kaum zu halten seien, weil im ländlichen Raum der urbane „Lifestyle“ nicht geboten werden könne. Doch wolle man Leute aus dem Ausland anwerben. Da sei aber ein „Kümmerer“ notwendig.

Auch wenn die Bürger nicht zum Workshop kamen, im Internet kann man sich ab Mitte April über die Homepage www.zivilarena.de über die Konversion informieren. Am 22. April beginnt dann eine moderierte Online-Diskussion, die Bürger können hier ihre Ideen bis zum 6. Mai einbringen.

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