Die Moritatensänger rufen, alle kommen!

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Nachdem Brunhilde Raiser für sie gesungen hat, fallen die Moritatensänger vor ihr auf die Knie.
Nachdem Brunhilde Raiser für sie gesungen hat, fallen die Moritatensänger vor ihr auf die Knie. (Foto: Vera Romeu)
Vera Romeu

Die Feier zum zehnjährigen Bestehen der Moritatensänger am Samstag ist zu einer Sternstunde der Hausfasnet geworden. Einen solchen Umzug und Empfang im Hause Raiser an der Ablach hat Mengen tatsächlich noch nie gesehen. Sehr viele Narren kamen, um mitzufeiern. Es lief alles nach in der „Schwäbischen Zeitung“ verkündeten Programm.

Los ging es am Gärtnerhaus auf dem Graben. Dort versammelten sich die Gruppen. Es herrschte heitere Stimmung, denn alle waren gespannt, wer noch dabei sein würde. Die historische Feuerwehr sorgte für die Sicherheit und wies den Verkehr zurück. Diridichter Andreas erklärte den Umzugsverlauf. Dann wurde das Geburtstagslied angestimmt, die Musiker begleiteten den Gesang. Volker Badouin aus der Hippiegruppe trug das Solostück „Wie schön, dass ihr geboren seid“ vor.

Dann setzte sich der Umzug in Bewegung. Bürgermeister Stefan Bubeck, der über seinen schwarzen Frack eine rote Weste mit der Aufschrift „Stadt Mengen“ gezogen hatte, ging mit dem Büttel voraus. Es folgten die Moritatensänger, die vielen Hausfasnetsgruppen, Abordnungen der Narrenzunft und die Musikgruppen. Viele Zuschauer gab es nicht, die Mengener Bürger liefen nämlich selbst im Umzug mit.

Es ging beim Riedlinger Tor über die Hauptstraße: Dort wartete schon der Bäcker Jörg Hagmann mit Körben voller knuspriger Brezeln. Lachend überreichte er sie den vorbeigehenden Narren, die ihm mit viel Lob dankten.

Enten tragen Fasnetsbändel

An der Grabenmühle machte Umzug bei den Enten von Kesslers Fränze Halt. Sie trugen tatsächlich die traditionellen roten Fasnetsbändel um den Hals. Die Moritatensänger stellten sich auf die Ufersteine und Kesslers Fränze Sohn – Karl Kessler – trug die Geschichte der Enten vor. Die Musik spielte den Präsentiermarsch und die Front wurde abgeschritten; es wurde geschunkelt und gesungen.

Die Holzbrücke über die Ablach ist für den Verkehr gesperrt. Wie in der SZ angekündigt, stellte sich Bürgermeister Bubeck persönlich an die Brücke und ließ die Narren nur in kleinen Gruppen passieren. Er warnte vielfach: „Gehen sie langsam bis zur Mitte der Brücke und dann aber schnell rüber, die Brücke ist nämlich baufällig.“ Besonders schwere Narren ließ er nur einzeln durch. Manche protestierten: „Ich habe extra abgenommen, damit ich heute über die Brücke darf.“

Alle versammelten sich vor dem Hause Raiser. Auch die Präsidentinnen der Narrenvereinigung Bodensee-Hegau waren da. Es wehte die badische Fahne. Brunhilde und Wolfgang Raiser auf dem Balkon hielten eine humorige Begrüßungsrede. Der Initiator der Moritatengruppe, Thomas Stehle erinnerte daran, wie die Gruppe zum ersten Mal im Schloss Meßkirch auftrat: Der Saal habe gebebt, getobt. Die andere Fasnetsgruppen seien ganz blass dagestanden. Die badische Abordnung betonte ebenfalls, die Karriere habe in Meßkirch begonnen. „Wenn ihr nicht gegründet worden wäret, müsstet ihr jetzt als gewöhnliche Ditzelede rum hüpfen“, sagte die Präsidentin und stimmte die Badische Hymne an. Da hielten die Mengener Narren sofort mit dem Württembergischen Lied dagegen. Es entstand eine herrliche Kakofonie.

Bürgermeister Bubeck lobte die Leistung der Moritatensänger, die seit zehn Jahren genau das machen, was Fasnet ausmacht: Sie kritisieren wortgewaltig die Politik und mokieren sich sarkastisch über Schultes und Geistlichkeit. Er verlieh den Sängern eine einzigartige Ehrung der Stadt: den goldenen Frack.

Im Hause Raiser fand ein grandioser Empfang statt. Das Haus war übervoll von Narren. Wie von den Moritaten gewünscht, sang Brunhilde Raiser im langen Abendkleid mit Stola ein extra dafür gedichtetes Lied, in dem sie sich nicht scheute, politisch zu werden. Wolfgang Raiser begleitete sie am Flügel. Es gab jubelnden Applaus. Die Moritatensänger besangen kniend und sichtlich bewegt die große Sängerin. Später erfreute Uschi Heinzelmann die Gesellschaft mit dem Lied „Nehm’n Sie 'n alten“. Sie wurde von Pianist Volker Nagel begleitet. Auch der Büttel hielt eine humorvolle Laudatio.

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