Die Intonation der Orgel in der Liebfrauenkirche braucht Geduld

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Jede Menge Arbeit bedeutet es für Albert Nass, eine Orgel zu intonieren. In der Liebfrauenkirche ist diese Arbeit abgeschlossen. (Foto: Michael Jäger)
Schwäbische Zeitung
Michael Jäger

Die Orgel in der Liebfrauenkirche ist inzwischen neu intoniert und geputzt. Nach gut dreimonatiger Arbeit ertönt die Orgel mit neuem Klang. Finanziert wurde das Projekt über eine Spende. Der Spender möchte nicht genannt werden.

1975 wurde die heutige Orgel in der Liebfrauenkirche in Mengen von der Orgelbau-Familie Späth aus Ennetach im Chorraum installiert. Im Zuge der 1990 durchgeführten Renovierung der Liebfrauenkirche kam die Überlegung auf, die Orgel wieder auf die Empore zu setzen. Diese Idee setzte Orgelbauer Harald Rapp 1995 mit Verwendung vieler Teile aus der bisherigen Orgel auch um.

In den zurückliegenden Monaten wurden durch die Orgelbaufirma Freiburger Orgelbau, Hartwig und Tilmann Späth – die Nachfolgefirma der Firma Späth aus Ennetach, Hartwig Späth ist noch in Ennetach geboren und aufgewachsen – alle 25 klingenden Register komplett ausgebaut, gereinigt, gründlich nachintoniert und wieder eingebaut, sodass die Orgel fertig intoniert und gestimmt werden konnte.

Die Intonation der Späth-Orgel wurde von Albert Nass, einem auf 30 Jahre Erfahrung zurückblickenden Intonateur, durchgeführt. Wie kommt bei der Orgel ein Ton zustande? „Mit dem Stimmhorn stellt der Intonateur die Frequenz (Tonhöhe) ein. Im Zusammenspiel mit der Art der Pfeife und wie diese intoniert wurde, ergibt sich die Klangfarbe“, sagt Albert Nass. Das Berufsbild des Intonateurs ist ein Ineinanderfließen von handwerklichen Fähigkeiten und musikalisch-künstlerischer Kompetenz.

Die klangliche Gestaltung der Orgelpfeifen nennt man Intonation. Mit Spezialwerkzeugen wird der Bereich des Labiums (Gesicht der Pfeifen) entsprechend bearbeitet, um so die Klangfarbe und Lautstärke der Pfeifen zu verändern, damit man einen klaren und vollen Ton erhält.

Das Klangbild der Register (Pfeifenreihen einer Bauform) muss in sich wie auch zueinander in Klangfarbe und Lautstärke aufeinander abgestimmt sein. Hierbei sind der Klangsinn und das Gespür für die Farbnuancen und Vokale jedes einzelnen Tones erforderlich. Nach dem Motto „Der Ton macht die Musik“ erhält jede Orgel von Anfang an eine neu gestaltete klangliche Konzipierung, erklärt Albert Nass. Wärme und Weichheit des Tons sowie Klarheit und Farbe müssen aufeinander abgestimmt werden. Das braucht seine Zeit.

Und so erfährt jede intonierte Orgel eine neuerliche Konzipierung des Gesamtklangbildes, denn die Orgel wird nicht für die Organisten, sondern für die Zuhörer gebaut. Und die hören es deutlich. Die neu intonierte Orgel ertönt während der Gottesdienste der Liebfrauenkirchengemeinde wieder im vollen Klangvolumen majestätisch von der Empore ins Kirchenschiff.

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