Die erste Dreschmaschine wurde mit Dampf betrieben

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 1977 wird die Dreschmaschine verkauft (v.l.): Emma Wollwinder, Anton Binder, Richard Riester, Hermann Oßwald, Josef Kugler III,
1977 wird die Dreschmaschine verkauft (v.l.): Emma Wollwinder, Anton Binder, Richard Riester, Hermann Oßwald, Josef Kugler III, Benedikt Oßwald, Alwin Dehne und die Kinder Arthur und Rolf Wollwinder. (Foto: privat)
vr und Vera Romeu

Seit 100 Jahren gibt es die Dreschgenossenschaft in Rosna. Am Sonntag, 8. September feiern die Mitglieder und ihre Gäste das Jubiläum mit einem Gottesdienst um 9 Uhr in der Kirche St. Michael, mit einem Weiß-Wurst-Frühschoppen, und später mit Kaffee und Zopfbrot im Bürgerhaus. Dort wird es einen Rückblick und Reden geben, kündigt Josef Kugler III, ehemaliger Vorsitzender, an. Hugo Breitschmid wird Schwäbisches vortragen.

Die Dreschgenossenschaft hat immer noch 40 Mitglieder, obwohl es nur noch sieben aktive Landwirte sind. So sehr hat sich die Landwirtschaft auch in Rosna gewandelt. „Bisher sind aber die meisten in der Genossenschaft geblieben“, sagt Kugler. Wenn Mitglieder kündigen würden, müsste die Genossenschaft ihnen ihren Anteil ausbezahlen; das Geld wäre vorhanden. Jedes Jahr gebe es eine Versammlung und jedes zweite einen Ausflug: „Das hält auch die Dorfgemeinschaft zusammen“, so Kugler.

Knechte und Mägde helfen mit

1919 haben die Rosnaer Bauern eine Dreschgenossenschaft gegründet und den Dreschschuppen gebaut. Die Gemeinde gab das Grundstück und das Bauholz dafür. Früher hat man mit Dreschflegeln das Korn gedroschen. Um die Jahrhundertwende kamen die ersten Maschinen auf, die mit Dampf angetrieben waren. In den ersten Jahren ließen die Rosnaer die Dreschmaschine aus Einhart von Josef Mattheis – genannt „Maschinen-Sepp“ – kommen. Wenige Jahre später kaufte die Dreschgenossenschaft diese Maschine für 8700 Mark: So stand sie fortan den Mitgliedern im Schuppen zur Verfügung.

Das Dreschen war aufwendig. Die Bauern kamen Ende September mit ihrem Wagen voller Garben zum Schuppen. Maschinist Johann Baur bediente die Maschine bis 1924, dann wurde er von Eugen Wollwinder Senior abgelöst, der 30 Jahr lang diese Aufgabe übernahm. Knechte und Mägde aus den benachbarten Höfen halfen mit. „Man brauchte acht bis zehn Helfer“, sagt Kugler. Später wurde die Maschine von Hof zu Hof gezogen, um vor Ort zu dreschen. Manche Höfe hätten einen halben Tag gedroschen, andere mehrere Tage – je nach Hofgröße.

An der Geschichte der Dreschmaschine kann man die Landwirtschaftsentwicklungen betrachten. Die Dampfmaschine hatte ausgedient, als man einen Elektromotor in die Dreschmaschine einbaute. 1959 hat man auf „Herr Mattes Hof“ zum letzten Mal mit der Dreschmaschine der Genossenschaft gedroschen, erinnert sich Kugler. Damals war er noch ein Bub. Es sei zunehmend schwieriger geworden, ausreichend Helfer zu bekommen. Die Leute gingen schon nach Mengen zum Arbeiten. Die letzten Helfer hatte sein Vater aus dem Pfullendorfer Gefängnis geholt. Doch ganz geheuer war es ihm dabei nicht. „So hat er 1959 einen fahrenden Mähdrescher gekauft, der direkt auf dem Feld das Korn gedroschen hat“, sagt er. Andere taten es ihm gleich. Die alte Dreschmaschine der Genossenschaft wurde 1968 zum letzten Mal eingesetzt. Danach blieb sie im Dreschschuppen stehen.

Die Genossenschaft blieb aber aktiv. 1971 wurde eine Rübensämaschine angeschafft. Damals bauten noch alle Bauern Rüben für die Kühe an. Die Sämaschine war eine gute Einnahmequelle für die Genossenschaft, weil sie sehr gefragt war. Kugler fuhr drei Wochen lang überall hin zum Säen. Später kaufte die Genossenschaft einen Klauenpflegestand, eine Ackerwalze, einen Hackstriegel, einen Zwischenfruchtstreuer, ein Feuchtigkeitsmessgerät: also einen ganzen Fuhrpark, der der Genossenschaft gehört und alle aktive Landwirte bis heute nutzen.

1977 wurde das Schicksal der alten Dreschmaschine besiegelt. Die Mitglieder waren sich einig, dass sie im Schuppen zu viel Platz versperrt und beschlossen, sie als Alteisen zu verkaufen. Der Schuppen ist inzwischen ausgeräumt und dient dem Musikverein als Lagerplatz für Dinge, die beim Sommerfest gebraucht werden.

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