Das Bildstöckle Maruschel sieht wieder frisch aus

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Christoph Stauß, Josef Kieferle, Karl Stützle, Hans Stützle und Karl Otto Linder (v.l.) überlegen, wie nach der Renovierung des
Christoph Stauß, Josef Kieferle, Karl Stützle, Hans Stützle und Karl Otto Linder (v.l.) überlegen, wie nach der Renovierung des (Foto: Vera Romeu)

Das Bildstöckle Maruschel ist frisch restauriert: Die Brüder Hans und Karl Stützle vom Hipfelsberg hatten sich das Ziel gesetzt, es bis Christi Himmelfahrt fertig zu haben, weil die Öschprozession traditionell dort Station macht. Dass es an diesem Morgen so sehr regnete, dass die Christen auf die Prozession verzichteten, minderte ihre Freude nicht. Sie stellten an diesem hohen Festtag trotzdem die kostbare alte Pietà hinein, genossen den Anblick und teilten die Freude mit anderen, die kamen, um das Bildstöckle nach alter Tradition mit Blumen zu schmücken.

„Früher kamen viele Leute hier her, zündeten am Fuße der Pietà eine Kerze an oder stellten ihr Blumen hin“, erzählt Karl Stützle. Man betete für gutes Wetter für die Heuernte, für eine gute Kornernte und dass sie von Hagel verschont bleibe. „Heute haben die Landwirte eine Hagelversicherung“, sagt er. Das Bildstöckle steht auf der Wiese, dessen Flurnamen „Maruschel“ ist und der Familie Stützle gehört. „Deshalb haben wir immer danach geschaut, dass das Bildstöckle im guten Zustand bleibt“, sagt Hans Stützle. In den 1970er-Jahren ließ die Familie die Pietà aufwendig restaurieren: Die Fassung war verwittert, der Sockel marode. „Jedes Jahr haben wir etwas am Bildstöckle repariert“, sagt Hans Stützle. Nun stand eine grundlegende Sanierung an: Dach, Sockel, Putz und Farbe waren in schlechtem Zustand.

Der Heimat- und Geschichtsverein hat sich zur Aufgabe gemacht, auch Flur- und Kleindenkmäler zu erhalten und für die Sanierung zu sorgen. „Das Bildstöckle haben wir schon seit Längerem im Blick. Es ging eine größere Spende ein, wir haben die Mittel dafür verwendet“, berichtet Karl-Otto Linder, Vorsitzender des Vereins. Steinmetzmeister und Restaurator Christoph Stauß aus Rulfingen übernahm die Aufgabe. Vorsitzender Linder und sein Stellvertreter Josef Kieferle koordinierten die Maßnahme.

Pietà soll nicht ungeschützt sein

Das Bildstöckle und die Pietà sind sehr alt, beide sind wahrscheinlich aus dem 17. oder frühen 18. Jahrhundert, erklärt Stauß. Sie gehörten zum Ennetacher Dominikanerinnen-Kloster. Das Bildstöckle ist ein stattliches Gebäude, von hohen Bäumen und Büschen umgeben. Das Dach wurde neu gebaut und mit historischen grün glasierten Ziegeln gedeckt. Ein neues Marmorkreuz krönt das Dach und ersetzt das alte Betonkreuz. Das Bildstöckle ist neu verputzt. Ein neues Sandsteingesims umläuft den Sockel.

Nun ist klar, dass die kostbare Figur nicht ungeschützt aufgestellt werden kann, sie ist zu wertvoll. „Wir überlegen uns eine Lösung“, kündigen Linder und Kieferle an. Eine Kopie der Figur könnte das Original ersetzen. „Man kann eine Form erstellen und die Figur aus Kunststein gießen“, erklärt Kieferle. Die günstigere Variante wäre, die Pietà auf eine Steinplatte aufmalen zu lassen. Karl und Hans Stützle favorisieren die Idee des Nachgusses. Sie deuteten an, die Aktion mitzutragen.

Jetzt wäre eine Ruhebank an dieser Stelle gut. Karl Stützle berichtet, er habe mit Ortsvorsteher Wolfgang Eberhard darüber gesprochen. Vielleicht gibt es auch hier eine Lösung. „Wir freuen uns, wenn das Bildstöckle die Leute wieder zum Verweilen anzieht“, sagte Karl Stützle.

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