Beim Essen enstehen Gespräche wie von selbst

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Beim Fototermin ist die Pauluskirche leer. Wenn es nach Pfarrer Wolfgang Raiser geht soll sie in der kommenden Woche stets von 11 bis 14 Uhr gut gefüllt sein. (Foto: Vera Romeu)
Schwäbische Zeitung
Vera Romeu

Während der kommenden Woche laden die evangelische und katholische Kirche zur Vesperkirche ein. Von Montag bis Freitag wird es zwischen 11 und 14 Uhr in der Pauluskirche einen Mittagstisch sowie Kaffee und Kuchen geben. Alle Bürger sind eingeladen vorbeizukommen, sich an den gedeckten Tisch auf die Kirchenbank zu setzen und mit anderen Bürgern zusammen zu essen.

Die Idee der Vesperkirche ist, dass Bürger, die sich aus finanziellen oder persönlichen Gründen an den Rand der Gesellschaft gedrängt fühlen, durch Begegnungen und Kennenlernen wieder in die Mitte geholt werden, sagt der evangelische Pfarrer Wolfgang Raiser. Man kommt und isst zusammen, das sei ganz locker. Gespräche ergeben sich von selber. Vesperkirchen sind ein Konzept der evangelischen Kirche. Es gibt sie auch in Großstädten, dort wird medizinische Versorgung und Körperpflege dazu angeboten.

Seit fünf Jahren laden die Kirchen der Stadt Mengen zum Lichtblickvesper ein, im Wechsel im katholischen Gemeindehaus und in den Räumen für Jung und Alt.

Das Lichtblickvesper dauerte früher nur zwei Tage, aber das sei zu kurz, um sich kennen zu lernen und ins Gespräch zu kommen, sagt Pfarrer Raiser. Der Gedanke der Vesperkirche hat sich inzwischen etabliert, sodass jetzt der Tisch in der Pauluskirche bereits im zweiten Jahr von Montag bis Freitag fünf Tage lang gedeckt sein wird. „Am Anfang hatten wir Bedenken, weil wir die Bänke in der Pauluskirche nicht ausbauen können. Aber die Leute setzten sich ganz unkompliziert in die ganze Kirche. Beim Essen in der Kirche entsteht eine ganz besondere Atmosphäre. Es ist das große Gefühl der Geborgenheit“, sagt er. Um zwölf Uhr werde ein Tischgebet gesprochen, sonst gebe es kein Programm, die Leute sollen miteinander ins Gespräch kommen.

Viele sollen erreicht werden

Die Veranstalter haben mit Plakaten und Handzetteln unter anderem im Diakonieladen, Martinslädele und Fairkaufhaus aktiv geworben, um viele Menschen zu erreichen. Rund 40 Ehrenamtliche helfen bei der Vesperkirche mit. 15 Realschüler sind an drei Tagen dabei, diesmal schickt auch die Kreissparkasse täglich zwei Mitarbeiter. Sie servieren das Essen und räumen wieder ab. Gespült wird im darunterliegenden Gemeindesaal.

„Wir sind zum Kochen in der Kirche natürlich nicht eingerichtet, das Essen wird von Sankt Ulrika geliefert“, sagt Raiser. Das Essen ist kostenlos, jeder spendet, was in seinen Möglichkeiten steht. „Bisher war es immer so, dass die Spenden die Kosten des Essens gedeckt haben.“

Die Vesperkirche gibt es zweimal im Jahr. Im vergangenen November sei sie an den ersten Tagen zögerlich besucht worden, gegen Ende sei das Essen fast ausgegangen, berichtet Raiser. „Wir sind gespannt, wie es dieses Mal sein wird. Wir freuen uns auf viele Besucher gleich am ersten Tag“, lädt er ein.

Die Vesperkirche findet von Montag, 11. April, bis Freitag, 15. April, zwischen 11 und 14 Uhr in der Pauluskirche statt. Eingeladen sind alle Bürger. Das Essen, der Kaffee und Kuchen sind kostenlos. Jeder spendet nach seinen finanziellen Möglichkeiten.

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