Bei „Dr. Schiwago“ summt das Publikum mit

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 Passend zu den Liedern aus Russland trägt Chorleiter Hans-Peter Merz das Outfit eines Kosaken.
Passend zu den Liedern aus Russland trägt Chorleiter Hans-Peter Merz das Outfit eines Kosaken. (Foto: Eugen Kienzler)

„Melodien vom Schwarzwald bis zur Taiga“ lautete der Titel des Frühlingskonzertes, zu dem der Gesangverein Liederlust Ennetach am vergangenen Samstagabend ins Bürgerhaus nach Ennetach eingeladen hatte. Zahlreich waren die Besucher gekommen, sodass die Vorsitzende Marianne Knor ein volles Haus, darunter auch die kirchliche und kommunalpolitische Prominenz begrüßen konnte. Mit dem Lumpenchor Bad Buchau hatten die Ennetacher das ob seiner humorvollen Interpretationen und Eigenkompositionen bekannte Männerchorensemble eingeladen.

Bekannte und beliebte Volksliedklassiker aus der Romantik und damit eine Reminiszenz an Franz Schubert und Friedrich Silcher hatte Chorleiter Hans-Peter Merz zur Ouvertüre ausgewählt. Sympathisch, mit guter Artikulation und der Intention ihres Chorleiters folgend präsentierten sie das bekannte Schifferlied „Es löscht das Meer die Sonne aus“. Im Strophenlied „Ännchen von Tharau“, eines der beliebtesten Volkslieder des 19. Jahrhunderts, besangen sie das damals geltende Liebes- und Eheideal. Aus dem Gedichtzyklus „Winterreise“ stammt das Kunstlied von Franz Schubert „Am Brunnen vor dem Tore“, das in der Vertonung von Friedrich Silcher zum Volkslied wurde.

Mit „Der Lumpenchor bringt euch frohen Gesang“ stellte sich das 16-köpfige Ensemble vom Federsee unter der Leitung ihres Maestros Jo Magino vor. „Auch wenn es für den Chor eine Premiere ist, in Ennetach zu singen, ist es für mich eine Rückkehr zu den Wurzeln“ verriet Jo Magino, was der stellvertretende Bürgermeister Emil Magino mit einem Schmunzeln bestätigte. Mit einem Melodien-Cocktail mit Musik aus den 1920er-Jahren, den Frühling und die Liebe besingend, setzten die Männer die ersten musikalischen Marken. Walter Kollo war darin mit der Filmmusik „Was eine Frau im Frühling träumt“ ebenso vertreten wie der Foxtrott aus der Operette „Marietta“, „Warte nur ein Weilchen“ oder „Frühling in Sorrent“.

Stimmen wie Glocken

Im zweiten Teil des Abends ging dann die Liederlust musikalisch zu Mütterchen Russland. Mit „Tebje Pajom“ einem der populärsten Chorwerke des orthodoxen, liturgischen Gesangs wussten die Sänger mit gepflegtem Wechselgesang zu gefallen. Einst durch Ivan Rebroff populär gemacht, waren die „Abendglocken“ dank der schönen Melodienbögen und der durch die Männerstimmen imitierenden Glocken ein stimmungsvoller Moment. Dass die Filmmelodie aus „Dr. Schiwago“ immer noch präsent ist, zeigte das Mitsummen der Zuhörer bei der Instrumentalversion, von Hans-Peter Merz am Flügel interpretiert. Mit der feurigen „Kalinka“ und dem „Lied der Sehnsucht“ schlossen die Ennetacher ihre Russlandreise ab um dann mit dem Poutporri aus der Operette „Schwarzwaldmädel“ wieder die heimischen Gefilde zu besingen. Die zufriedenen Zuhörer geizten nicht mit dem Beifall und ließen die Akteure erst nach einer Zugabe gehen.

„Sie hören nun Spezialitäten, die nur von uns zu hören sind“ war dann die vielversprechende Ankündigung von Jo Magino. In der Tat kam nun die humorvolle Schiene, das Markenzeichen des Lumpenchores. Bei der „Buchauer Speisekarte“ stellten die Sänger die Frage „Was ka ma im Schwobaland essa?“ um diese gekonnt zungenbrecherisch mit allerlei schwäbischen Feinheiten wie Sauerkraut mit Buabaspitzle, Leberspätzle in dr’Brüha und natürlich den Weller frisch vom Federsee zu beantworten.

Endgültig komödiantisch wurde es dann bei der Adaption des Franz Lehár-Titels „Weibermarsch“ bei dem die Sänger das nicht immer leichte Leben mit dem anderen Geschlecht besangen, um festzustellen „Ja wie war das vor Jahren noch schön“. Unversehens zu Mitsängern wurden die begeisterten Zuhörer bei der Zugabe, der alten Schlagermelodie „Der Mond hält seine Wacht“. Ein passender Abschluss des Konzertes, bei dem am Gelingen auch die beiden Pianisten Maria Kniele und Michael Baake ihren Anteil hatten.

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