Autofahrer soll Feuerwehrmann angefahren haben

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Laut seiner eigenen Aussage wurde der Feuerwehrmann von dem Auto vier oder fünf Meter nach hinten geschoben.
Laut seiner eigenen Aussage wurde der Feuerwehrmann von dem Auto vier oder fünf Meter nach hinten geschoben. (Foto: Eibner)
Schwäbische Zeitung

Weil die Einsatzkräfte der Feuerwehr ihn am Sonntag nach dem Narrensprung in Ennetach eine Straßensperrung nicht haben passieren lassen, soll ein Autofahrer einen Feuerwehrmann absichtlich angefahren haben. Der Feuerwehrmann trug keine größeren Verletzungen davon, möchte den Fall aber öffentlich machen. Die Polizei hat seine Anzeige aufgenommen und ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Der Umzug des Obere-Donau-Narrentreffens ist am Sonntag ohne Zwischenfälle verlaufen. Die Mitglieder der Abteilung Ennetach der Freiwilligen Feuerwehr hatten die Anweisung, die Straßensperrung anschließend noch einige Zeit aufrechtzuerhalten. „Ein Autofahrer wollte von der Holzstraße aus auf die Scheerer Straße einbiegen und hat nicht eingesehen, dass er von meinem Kollegen an der Absperrung angehalten wurde“, erzählt der Feuerwehrmann, der später einen großen Schreckensmoment erleben wird.

Sein Name ist der Redaktion bekannt. „Er hat wohl in der Nähe gewohnt und wollte sofort dorthin fahren.“ Als ihm der Feuerwehrkollege dies verweigert und darauf verwiesen habe, dass er sich von außen dem Bereich auf der anderen Seite der Absperrung nähern solle oder in einem dringenden Fall das Auto gern in der Holzstraße stehen lassen und zu Fuß nach Hause gehen könne, hätte der Autofahrer angekündigt, die Parallelstraße zu nehmen. „Dort ist die Absperrung nicht ganz so groß, da hätte er sich mit seinem kleinen Wagen durchquetschen können“, so der Feuerwehrmann.

Autofahrer hält direkt auf ihn zu

Er habe von seinem Kollegen die Anweisung erhalten, die dortige Absperrung zu kontrollieren und den Autofahrer gegebenenfalls daran zu hindern, diese zu missachten und in den abgesperrten Bereich zu fahren. „Er kam dann auch tatsächlich angefahren und wollte mich zum Reden ans Auto winken“, so der Feuerwehrmann. „Ich bin aber stehen geblieben, weil ich dachte, dass der Autofahrer sich sonst einfach an mir vorbei drängt.“ Daraufhin habe der Autofahrer angedeutet, über den Gehweg zu fahren, hätte dann aber direkt auf ihn zugehalten. „Ich dachte, was macht der denn jetzt? Aber da hatte er mich schon erwischt, ich wurde auf die Motorhaube gedrückt und vier, fünf Meter nach hinten geschoben.“ Dabei habe er sich einen Fuß geprellt, mit dem er kräftig ans Auto gestoßen sei.

„Der Autofahrer hat dann direkt an der Absperrung gehalten, ist ausgestiegen und ohne ein Wort auf der Scheerer Straße weitergelaufen“, sagt der Feuerwehrmann. Sein Kollege habe dann gleich die Polizei gerufen und Anzeige erstattet. „Die sind ihm dann auch hinterher.“ Er sieht die Aktion des Autofahrers als direkten Angriff. „Dabei kenne ich den Mann persönlich nicht. Aber es kann nicht sein, dass Feuerwehrleute so etwas hinnehmen müssen.“

Laut Polizeisprecher Markus Sauter hat der Autofahrer angegeben, er habe wichtige Medikamente zu einer Angehörigen bringen wollen. „Davon habe ich nichts gewusst“, sagt der Feuerwehrmann. „Aber auch Medikamente kann man zu Fuß ein paar Straßen weiter tragen.“ Der Autofahrer will den Feuerwehrmann offenbar auch nur mit dem Auto berührt haben, als er es auf ihn zurollen ließ. „Es läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Nötigung, zu dem noch einige Personen gehört werden müssen“, so Sauter.

Kein vergleichbarer Fall

Unter anderem wird auch der Feuerwehrmann erst am heutigen Donnerstag seine Erlebnisse im Detail zu Protokoll gegeben. „Solange die Ermittlungen laufen und noch nicht alle Fakten bekannt sind und auf dem Tisch liegen, ist es schwer sich eine detaillierte Meinung zu bilden“, sagt Frank Seeger, Gesamtkommandant der Mengener Feuerwehr. Ihn hat die Nachricht über den Vorfall sehr schockiert. „Etwas Vergleichbares hat es bisher - zum Glück - in Mengen noch nicht gegeben“, sagt er.

Weil er bisher aber nur auf Informationen aus dritter Hand zurückgreifen könne und noch nicht mit dem beteiligten Feuerwehrmann oder dem Abteilungskommandanten aus Ennetach habe sprechen können, möchte er noch kein Urteil abgeben. „Klar ist aber auch, dass wir das nicht auf die leichte Schulter nehmen“, sagt er. Schließlich würden die Feuerwehrleute sich in den Dienst der Allgemeinheit stellen und sollten dabei nicht bei Straßensperrungen ihre Gesundheit aufs Spiel setzen müssen.

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