Auch ohne Studium ist eine berufliche Karierre möglich

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Stefan Fürst (rechts) informiert sich mit seinen Eltern bei Stefanie Krall (vorne links) über das Ausbildungsangebot der Firma S
Stefan Fürst (rechts) informiert sich mit seinen Eltern bei Stefanie Krall (vorne links) über das Ausbildungsangebot der Firma Schlösser. (Foto: Ck)
Christoph Klawitter

Auch ohne Studium kann man Karriere machen: Das zeigt das Beispiel von Dirk Reiner, dem kaufmännischen Ausbildungsleiter der Firma Knoll Maschinenbau aus Bad Saulgau. 36 Unternehmen, Organisationen und Schulen haben am Montag beim Aktionsabend Berufsorientierung der Mengener Realschule ihr Ausbildungsangebot vorgestellt.

Der Ruf der dualen Berufsausbildung sei in den vergangenen Jahren immer schlechter geworden, bedauerte Dirk Reiner in einem Vortrag vor Schülern und Eltern. „Weil heute relativ viele der Meinung sind: man muss heute Studieren, um etwas zu erreichen.“ Doch auch ohne Abitur und Studium, dafür mit Weiterbildung nach erfolgter Ausbildung, könne man einiges erreichen. Reiner zeigte seinen eigenen Werdegang auf: Nach Realschule und Berufskolleg absolvierte er eine Ausbildung, bildete sich dann neben dem Beruf zum Industriefachwirt weiter. Nach einigen Zwischenschritten ist er nun Kaufmännischer Ausbildungsleiter der Firma Knoll, die mehr als 1000 Mitarbeiter hat.

Reiner sagte, dass der allgemeine Trend zum Studium auch für Unternehmen wie Knoll negative Folgen habe. „Für uns in der Industrie ist das fatal“, sagte er. Wer solle denn dann noch Maschinen bedienen und Tätigkeiten wie Schweißen beispielsweise verrichten, fragte Reiner rhetorisch. Allerdings gebe es auch nicht eine Pflicht zur Weiterbildung nach erfolgter Ausbildung, erläuterte er weiter. Gute Fachkräfte seien auch ohne Weiterbildung gesucht, betonte er. Den Schülern riet er, Praktika zu absolvieren. „Das empfehle ich jedem Schüler: Probieren, Probieren, Probieren“, so Reiner. Die Firma Knoll bietet laut Reiner elf Ausbildungsberufe und vier Studiengänge an.

Im Gespräch mit Stefanie Krall informierte sich Realschüler Stefan Fürst von der Klasse 9b über den Ausbildungsberuf des Industriekaufmanns bei der Firma Schlösser. Er erfuhr, dass Praktikanten bei Schlösser dieselben Dinge erledigen dürfen wie Auszubildende auch. Den Aktionsabend zur Berufsorientierung fand er positiv. „Da sind viele Firmen da, bei denen man sich informieren kann“, sagte er im Gespräch mit der SZ. Er war in Begleitung seiner Eltern da, was von Seiten der Realschule auch gewünscht wird. Es sei ganz wichtig, dass die Eltern auch zu dem Abend kommen, sagte Rektorin Mechtild Kniele. Der Aktionsabend fand inzwischen zum vierten Mal statt. Auch ehemalige Realschüler wirken dabei mit, und zwar auf Seiten der Unternehmen, die die einzelnen Berufe vorstellen. „Ich habe bereits in jedem Zimmer ehemalige Schülerin entdeckt“, freute sich Kniele. Schade finde sie aber, dass nicht auch andere Schulen mit ihren Schülern an dem Aktionsabend der Realschule teilnehmen, sagte sie.

Ob Unternehmen, Bundeswehr, Bundespolizei, Versicherung, die Stadtverwaltung oder weiterführende Schulen – insgesamt waren 36 Teilnehmer anwesend, die ihr Ausbildungsangebot präsentierten. Eine davon war die Friseurmeisterin Daniela Verdano aus Ennetach, sie stellte den Friseurberuf vor. Selbst ausbilden kann sie allerdings nicht: Als Ein-Mann- oder besser gesagt: Ein-Frau-Unternehmen habe sie dazu nicht die Zeit.

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