Auch Karotten gehören in Kräuterbüschel

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 Pfarrer Pontian Wasswa weiht die Kräuterbüschel in der Mengener Liebfrauenkirche.
Pfarrer Pontian Wasswa weiht die Kräuterbüschel in der Mengener Liebfrauenkirche. (Foto: Vera Romeu)
vr

Es ist wieder Kräuterbüschel-Zeit. Am Wochenende sind sie im Mengener Kindergarten Sankt Maria gebunden und in der Kirche geweiht worden. Die Tradition erinnert an den Tod der Muttergottes und das Fest ihrer Aufnahme in den Himmel, das am 15. August gefeiert wird. Das Brauchtum geht vermutlich auf die Überlieferung des Kirchenvaters Johannes von Damaskus zurück: Als die Apostel das Grab Mariens öffneten, sei aus dem leeren Grab ein Wohlgeruch von Kräutern und Blumen aufgestiegen.

In Mengen sei eine Zeitlang die Tradition der Kräuterbüschel fast eingeschlafen. Doch als Birgit Reck die Leitung des Kindergartens übernahm, hat sie das gemeinsame Binden der Büschel eingeführt. Seitdem treffen sich am Samstag vor Mariä Himmelfahrt Erzieherinnen, Mütter und Mitglieder der Kirchengemeinde, um die Büschel zu binden. Sie werden beim Gottesdienst geweiht und gegen eine Spende abgegeben. Der Erlös kommt dem Kindergarten zugute. „Wir kaufen mit dem Geld Spielsachen und andere Dinge für die Kinder. Ein Kindergarten hat immer Wünsche“, sagt Birgit Reck.

Termin passt in Kindergartenjahr

Der Termin passe gut in den Jahreskreis des Kindergartens, weil das Team an diesem Wochenende noch da ist und danach den Kindergarten schließt und Ferien macht. „Außerdem heißt unser Kindergarten Sankt Maria, da passt es gut, das Fest mitzufeiern“, so Reck. Ihr sei der Brauch wichtig, weil er die Dankbarkeit gegenüber der Schöpfung ausdrückt.

Am vergangenen Freitag haben die Frauen die Blumen und Kräuter zusammengetragen. Es ist aufwendig, die vielen Kräuter und Blumen zu finden und zu schneiden. „Wir haben Glück gehabt, dieses Jahr haben wir ganz viele Wetterkerzen gefunden.“, berichten die Frauen. Der Standort sei ein Tipp von Pfarrer Stefan Einsiedler gewesen. „Sie gehören unbedingt in den Büschel“, sagen sie. Am Samstagmorgen haben Mengener Blumen und Kräuter gebracht.

Dieses Jahr haben sie wieder Wegwarten, Johanniskraut, Sonnenblumen, Goldruten, Goldfarn, Schafgarben, Ringelblumen geschnitten. Dazu kommen verschiedene Arten von Getreide. Kräuter wie Zitronenmelisse, Liebstöckel, Thymian dürfen nicht fehlen. Und schließlich gehört zum Kräuterbüschel noch Karotte und Lauchzwiebel. „Man merkt, dass es kaum mehr Leute gibt, die Gemüse auf dem Acker oder im Garten anbauen. Wir haben sie gekauft“, sagt Reck. Insgesamt spüre man, dass die Gärten sich geändert haben: Die traditionellen Blumen gibt es kaum mehr.

Am Samstagmorgen haben sich Gisela Mangold, Inge Fuchs, Reinhilde Hofmair, Rita Hierlemann, Maria Fuchs, Stefanie Zielke, Ulrike Röck, Cornelia Vogler, Ulrike Welte, Claudia Gielse und Birgit Reck zum Büschelbinden getroffen. In den Flur des Kindergartens wollten sie die nassen Kräuter und Blumen nicht hereintragen, weil das Parkett gerade gereinigt und frisch versiegelt geworden ist. So haben sie die Tische herausgestellt. Doch bald fing es an zu regnen. Dann haben sie den Schuppen ausgeräumt, wo die Fahrzeuge und Spielsachen lagern. Sie stellten die Tische hinein und haben weiter gearbeitet. „Es war sehr eng. Aber es hat trotzdem so Spaß gemacht“, sagt Birgit Reck.

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