Wie der Globus ins Wohnzimmer kommt

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Lukas M. Heger

„Früher war der Globus ein klassisches Konfirmationsgeschenk, dann wurde er aber irgendwann durch den Nintendo abgelöst“, erklärt Torsten Oestergaard den gespannt lauschenden zwei Dutzend SZ-Lesern, die am Freitagmorgen den Weg in das Krauchenwieser Industriegebiet gefunden haben. Dort gewährt die Firma Columbus im Rahmen der Sommeraktion „Schwäbische Türöffner“ Einblick ins Innere der Globus-Produktion, der Geschäftsführer und seine Tochter stellen den Betrieb vor und verraten, wieso sie täglich mit Spielfiguren zu tun haben.

Heutzutage kann ein Globus weit mehr als noch vor ein paar Jahren. Was alles, das demonstriert Geschäftsführer-Tochter Marcia mit dem sogenannten Entdeckerstift, der über einen eingebauten Lautsprecher verfügt und beispielsweise die Nationalhymnen des Landes abspielt, auf das gerade mit dem Stift getippt wird. Zudem kann sich der Benutzer weitere Informationen über die jeweilige Nation vorspielen lassen. Speziell für Kinder gibt es eine Variante, die sich mit Märchen aus alles Welt beschäftigt und die Hörer mit landestypischen Geschichten vertraut macht. Dank Digitalisierung sind auch Übertragungen auf den Fernseher möglich, statt Geräuschen aus dem Stift gibt es kurze Videos und Dokumentationen in Spielfilmlänge auf dem Bildschirm. „Es ist quasi wie eine Weltreise auf dem Sofa“, schwärmt Marcia Oestergaard von der technischen Neuerung und verrät über die Märchen: „Da haben wir viel selbst eingesprochen. Papa ist immer der Böse, ich die Prinzessin und Mama die Hexe.“

Der Böse ist Torsten Oestergaard nur in den Geschichten, im echten Leben beschäftigt er sich lieber mit der Firma und dem Thema Nachhaltigkeit. Deshalb hat er eine Solaranlage auf dem Dach installieren lassen, durch die an manchen Tagen mehr als 80 Prozent des Strombedarfs durch die Sonne gedeckt werden können. Und dann ist da noch die Sache mit dem Zuckerrohr. Aus dem bestehen nämlich die Spielfiguren, die Columbus seit einiger Zeit herstellt. „Die machen wir für das Brettspiel Siedler von Catan“, erklärt Oestergaard, der Teile von Columbus an den Stuttgarter Kosmos-Verlag verkauft hat. „Das mit der Nachhaltigkeit ist gar nicht so schwierig, der Wille ist dabei das Wichtigste“, ist sich der Geschäftsführer sicher.

195 Länder sind auf den Globen aus Krauchenwies

Sicher ist auch die Anzahl der Länder auf den Globen aus Krauchenwies: 195 Stück sind es, Grenzen werden immer aus westlicher Sicht betrachtet. „Ich hoffe, dass Katalonien nicht unabhängig wird. Sonst habe ich eine Menge Arbeit“, scherzt Sohn Niklas, der in der Kartografie arbeitet und die Gäste über das Kartenmaterial informiert, welches auch mal vom US-amerikanischen Geheimdienst CIA kommt und die man laut des Sohnes „auch gut per Telefon erreichen kann. Die sind da ganz nett.“

Hergestellt werden in Krauchenwies, neben den bunten Spielfiguren, zwischen 12 000 und 15 000 Globen in Handarbeit, maschinell zwischen 60 000 und 80 000. Sonderanfertigungen sind ebenfalls möglich. „Jeder kann sich bei uns die Welt machen, wie sie ihm gefällt“, sagt Torsten Oestergaard und erklärt, was alles möglich ist: „Wir können Swarovksi-Steine auf den Globen platzieren oder natürlich auch Länder umbenennen, wenn der Wunsch besteht. Die Möglichkeiten sind da recht groß.“ So wie die Freude der Gäste nach der informativen Führung durch die Produktionsstätte. Ein Leser freut sich, dass „es nicht so viel Statistiken gab, man viel anfassen konnte und so locker gesprochen“ wurde, eine Leserin ist als Siedler-Spielerin begeistert davon, den Geburtsort der Figuren gesehen zu haben. Nach einem herzlichen Applaus gibt es auch schon die erste Anfrage an den Chef persönlich: Auf einem Globus soll Inzigkofen mit einem glitzernden Steinchen markiert werden. Familie Oestergaard wird es möglich machen.

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