Vor hundert Jahren ein harter Kampf für gleiche Rechte

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 Auch für unpolitische Modetussis sind die Suffragetten auf die Straße gegangen.
Auch für unpolitische Modetussis sind die Suffragetten auf die Straße gegangen. (Foto: Susanne Grimm)
Susanne Grimm

Ein wichtiges Stück Geschichte zum Thema Gleichberechtigung hat die Theatergruppe „Rolle vorwärts“ unter der Regie von Lilo Braun am Mittwochabend auf Einladung des Kulturzirkels Hausen auf der Bühne des Gasthauses „Hirsch“ lebendig werden lassen. Mit dem Stück „Damenwahl“ haben die Akteurinnen eindrücklich vor Augen geführt, was in den 100 Jahren, seit es das Frauenwahlrecht in Deutschland gibt, geschehen ist. Aber auch, wie schwierig es für die Frauen damals war, die heute so selbstverständlich erscheinenden Rechte einzufordern.

Lilo Braun, die auch das Stück geschrieben hat, kommentierte zu Beginn auf ihre ureigene humorvolle Art die Thematik. Seit sie sich damit beschäftigt habe, hätte sie sich gefragt, „wie wir Frauen uns das so lange haben gefallen lassen!“ „Nur aufgrund eines Schwänzchens, das seit der Zeit der Dinosaurier hängengeblieben ist, glauben die Männer, über uns bestimmen zu können!“

Sie berichtete über ihre Recherche, die sie in Sachen Gleichberechtigung durch alle Kulturen führte. Sie machte anhand von drastischen Beispielen aus Indien klar, dass die hierzulande geltenden Frauenrechte dort in der Regel noch Utopien sind. Mädchen sind nichts wert, weil der Brauch von den Eltern bei der Heirat der Tochter eine horrende Mitgift fordert. „Umgerechnet rund 8000 Euro“, sagte Lilo Braun. Das sei für die meisten Eltern derart zu viel, dass weibliche Föten abgetrieben werden oder nach der Geburt ausgesetzt oder gar noch verscharrt werden.

Dieser unsägliche Brauch habe dazu geführt, dass in vielen ländlichen Gegenden Indiens akuter Frauenmangel herrscht, mit der Folge, dass die Familien lediger Männer Frauen aus Bangladesch kaufen. „Und wissen Sie, für wie viel? – Für umgerechnet 8000 Euro!“

Lilo Braun, unter anderem bekannt als begnadete schwäbische Mundartkomödiantin aus Göggingen mit Wohnsitz in Sauldorf –Bichtlingen, konnte sich ob dieses Widersinns regelrecht echauffieren. Aber Lilo Braun wäre nicht Lilo Braun, täte sie das nicht mit einem ordentlichen Schuss Humor. „Ich hatte immer eine Sechs in Mathe, deshalb hätte ich nie gedacht, dass ich, die Mathe-Niete aus Göggingen, besser rechnen kann, als alle indischen Männer“. Gelächter und Applaus waren ihr sicher.

Ein ernstes Thema mit Humor dargebracht

Oft genug blitzte der Braunsche Humor in dem Stück „Damenwahl“ auf, doch die großartigen Darstellerinnen der Theatergruppe wussten die Ernsthaftigkeit des Themas auf eine Weise darzustellen, dass manchem Zuschauer das Lachen im Halse stecken bleiben wollte.

Was sich in den 100 Jahren, seit es in Deutschland das Frauenwahlrecht gibt, verändert hat, haben die zwölf Akteurinnen in einer bunten Revue passieren lassen. Und klar auch, die schwer erkämpften Rechte, für die die Pionierinnen der Frauenbewegung, die Suffragetten, viel Häme und Verachtung haben einstecken müssen, gelten auch für Modetussis, auch wenn die sich dieser wertvollen Geschenke nicht (mehr) bewusst sind. Krass verdeutlichte dies die Anfangsszene, in der Geldprinzessinnen in den seichten Gewässern der Konsumwelt unterwegs sind und ihren Standesdünkel nach allen Regeln der Kunst pflegen, den sich allerdings nicht selber erarbeitet, sondern schlicht erheiratet haben.

Ein wirklich tolles Theaterstück mit viel Humor und echtem Tiefgang, das es sich unbedingt anzusehen lohnt. Und so ganz nebenbei vermitteln die Frauen, dass weibliche Solidarität intensiver gelebt werden sollte, denn nur die gegenseitige Unterstützung kann schlummerndes Potenzial der Geschlechtsgenossinnen zur Entfaltung bringen.

„Das sollten sich manche Frauen hinter die Ohren schreiben“, meinte eine Zuschauerin mit Blick auf das Wahlverhalten der Wählerinnen, die ja immerhin die Hälfte des Wahlvolks ausmachen. „Ich komme aus Sigmaringendorf und dort ist bei der Kommunalwahl keine einzige Frau gewählt worden“.

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