Und ist das Wasser noch so kalt

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Das Eichhörnchen Mareike Hänsler lässt die Bräutlingsgesellen noch einmal verschnaufen.
Das Eichhörnchen Mareike Hänsler lässt die Bräutlingsgesellen noch einmal verschnaufen. (Foto: Arno Möhl)
Schwäbische Zeitung
Arno Möhl

Das Wasser im Bräutel-Brunnen war glasklar und kalt. Von den rund 300 Zuschauern, die sich bei strahlendem Sonnenschein zwischen Mors-Areal, Apotheke und Waldraff-Haus zum Bräuteln versammelt hatten, wollten die meisten wenigsten einen Bräutling im Wasser sehen.

Die Regie hielt die Besucher lange im Ungewissen. Oben, auf dem Gerüst, moderierten Zunftmeister Christof Strobel und Ali Grimm das Geschehen. Als Zeugen waren geladen Bürgermeister Jochen Spieß und der Landvogt der Narrenvereinigung Hegau-Bodenseekreis (Heuberg) Ewald Hermann. Die Bräutlingsgesellen und die Bräutlinge beiderlei Geschlechts zeigten sich schon vor der Zeremonie besten gelaunt. Das rot-weiße Trassierband war durch die Kinder, die schon vorher die Körbe mit Süßigkeiten inspiziert hatten, zum Reißen gespannt.

Michael Eisele durfte als erster den Ritt auf der gepolsterten Stange wagen. Souverän und beruhigend für die nachfolgenden zehn Bräutlinge drehte er seine Runden und verteilte die heißbegehrte Ladung gleichmäßig über die Zuschauer.

Als authentisches Mönchs-Double verlangte Kai Weller von den Bräutlingsgesellen vollen Einsatz. Eine Tonsur krönte sein Erscheinungsbild. Ob er die noch zur Arbeit trägt, wusste er noch nicht. Der unter den Zuschauern weilende Pfarrer Markus Moser kann sich endlich auf einen Stellvertreter freuen. Vielleicht sieht man Weller ja bei der Narrenmesse 2019.

Gabi Hauptmann, wie alle Bräutlinge, die unmittelbar vor ihr dran waren, nach Krauchenwies gezogen, wurde als Reiterin angekündigt. Wenn nur die Sitzfläche der Stange der eines Sattels geähnelt hätte.

Der zehnte Bräutling, Mareike Hänsler, ließ als Eichhörnchen mit Leichtgewicht die Bräutlingsgesellen noch mal verschnaufen.

Jetzt war allen klar, dass die närrische Zahl Elf den Wunsch erfüllen wird. Marc Fieder (33), in der Zaunhölze-Zunft von Kindesbeinen an kein Unbekannter, zeigte sich von Anfang an hochmotiviert. Ihm traute man den Sprung ins kalte Nass zu. Mit Ansage und ohne Nachhilfe kletterte er in den Brunnen. Hunderte von Händen klatschten vor Begeisterung. So verewigt man sich im Dorf-Gedächtnis. Beim Rausklettern, kurz auf der Brüstung verweilend und völlig durchnässt, hielt der Applaus noch an.

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