Programm mit „Gschmäckle“: Poetry Slam kommt nicht bei allen gut an

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Cäcilia Krönert

Bereits zum zwölften Mal hat der Poetry Slam der No-Stress-Community am Sonntag Hunderte von Menschen ins Gasthaus Linde in Göggingen gelockt. Der Lindensaal von durchweg allen Generationen komplett besetzt. Sieben Dichter reimten, rappten oder erzählten einfach, was sie denken oder in ihrem Leben erlebt haben – umrahmt von Stücken des Liedermachers Patrick Höll. Das Ergebnis: Zweieinhalb Stunden Dichter-Wettstreit, allerdings Dreiviertel davon unter der Gürtellinie – ein Programm mit „Gschmäckle“.

Für Fragezeichen sorgte unter anderem der Slammer und Kopf der Gruppe „Poetry Slam: Dichterwettstreit deluxe“, Elias Raatz, der erstmals durch den Abend führte. Die Erfrischung des Publikums kommentierte er während der Show und traf damit nicht ganz den Ton: „Ich habe das Gögginger für Oettinger gehalten. Ich weiß nicht, ob das Gögginger besser ist als das Oettinger, ich hoffe es für euch.“. Natürlich reagierte das Publikum mit Pfiffen und lautem Protest. „Vorsicht Elias, du verlierst das Publikum“, so reagierte Assistent Richard König noch zur Schadensbegrenzung. Immer wieder fielen vom Tübinger Bemerkungen, die der ländlich wohnenden Bevölkerung Göggingens schwer zu schaffen machte.

Doch zu Beginn sah das noch anders aus. Auf Raatz’ Frage „Haben sie Lust auf Poetry Slam?“ kam lauthals zustimmend die Antwort aus dem Auditorium. Sieben Gäste aus dem Publikum bewertetenstellvertretend für alle Gäste des Saales die einzelnen Poeten nach ihrem Vortrag und streckten ihre Bewertung in die Lüfte.

Als erster Poet trat Max Osswald aus München ans Mikrophon. Mit im Gepäck hatte der Slammer sein Buch „Quarterlife Crisis“, ein Taschenbuch, welches gleichermaßen von der Orientierungslosigkeit junger Erwachsener als auch von der Sinn- und Selbstfindung dieser Generation handelt. Außer Max Osswald kamen noch der Heidelberger Daniel Wagner, Marina Sigl aus Konstanz, Tonia Krupinski aus Tübingen, Marcel Siedersberger aus Sigmaringen, Anna Teufel aus Nürnberg und der Sigmaringendorfer Andreas Rebholz zu Worte. Marina Sigl hatte einen Text über Feminismus, die Gleichberechtigung von Männern und Frauen verfasst, erzählte ihre Träume und handelte dieses ausschweifend in sieben Minuten ab. Als Lokalmatador betrat Marcel Siedersberger die Bühne und rockte die Bühne mit einem sehr unterhaltsamen Rap. „Sag mal, hattest du heute einen stressigen Tag“, fragte der Rapper und erzählte von einem Ausflug an einen sommerlichen Strand.

Stimmung kippt im Laufe des Abends

Doch nicht alle Beiträge kamen gut an. Was ist der ersten Hälfte an Textinhalt noch mehr oder weniger gut ankam, kippte in der zweiten Hälfte des Abends in teils niveauloses Gestammel. Stark unter der Gürtellinie wickelten sich Schilderungen über Beischlaf, weibliche Selbstbefriedigung bis hin zu angrenzender Gotteslästerung ab. So stellte auch Moderator Raatz richtig fest, dass viele Zuschauer nach der zweiten Hälfte ein großes Verlangen packte, den Saal zu verlassen.

Dennoch gab es Gewinner des Abends. Daniel Wagner, siebenmaliger Finalist der deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften, schnitt als Bester ab. „Meine Gegenbewegung zur Pegida heißt Käsida, wir sind patriotische Käsefaschisten gegen die Salamisierung des Abendbrots“, so ein Auszug Wagners. Mit tollen Wortspielen präsentierte der Poet den besten Beitrag des Abends. Auf dem zweiten Treppchen landete Andreas Rebholz mit einem Beitrag zu seinem Hobby, dem Kegeln. Platz drei belegte Anna Teufel mit ihren beiden Beiträgen, wobei auch ihr erster Vortrag um Längen interessanter war als der zweite. Teufel, ausgebildete Strahlenschutzingenieurin, kam zu dem Entschluss, wenn es sie zwei mal gäbe, würde sie sich abschleppen. An einigen Stellen entglitt ihr allerdings der Text zum Thema – ähnlich wie den Slammern das Publikum an diesem Abend.

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