Poetry-Slam lockt viele Besucher an

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 Die Finalisten des Dichterwettstreites Saskia Münch (von links), Andreas Rebholz und Lukas Bühner. Der Sig’dorfer Rebholz kann
Die Finalisten des Dichterwettstreites Saskia Münch (von links), Andreas Rebholz und Lukas Bühner. Der Sig’dorfer Rebholz kann den Sieg davon tragen. (Foto: Vera Romeu)
Vera Romeu

Der „No Stress Poetry-Slam“ hat ein sehr großes Publikum in den Lindensaal angezogen. Christian Biehler hatte wieder zum Fest der Sprache eingeladen und wie immer sind so viele Besucher gekommen, die zwischen den Jahren einfach Lust haben, zuzuhören und sich unterhalten zu lassen. Gewonnen hat Andreas Rebholz aus Sigmaringendorf. Platz zwei errang Saskia Münch aus Wiesbaden und dritter wurde Lukas Bühner aus Ulm. Insgesamt sind an diesem Abend neun Slamer aufgetreten.

Bereits um 18 Uhr war der Lindensaal voll besetzt. Bis 19.30 Uhr unterhielt sich das Publikum vergnügt, die Stimmung war bestens. Der Beginn des Wettstreits verspätete sich ein wenig, weil bis 19.30 Uhr Leute an der Kasse Schlange standen und für sie Platz in den hinteren Räumen der Wirtschaft gemacht wurden.

Moderator Nik Salsflausen führte den Dichterwettstreit gekonnt und energiegeladen durch. Er grüßte voller Elan „Göggingen in Baden. Das sei hier wichtig, hat man mir gesagt“ und betonte, er sei auch Badener aus Lörrach. Er ist ein erfahrener und erfolgreicher Slamer: 2014 wurde er baden-württembergischer Meister und 2016 deutschsprachiger Vizemeister. Mit viel Humor ließ er das Publikum den Applaus üben, der den Punktzahlen auf der Skala eins bis zehn entsprach, um im Verlauf des Wettbewerbs die Sieger zu ermitteln.

Sängerin unterhält zwischendurch

Neu in diesem Jahr war der Auftritt der Göggingerin Annika Bosch mit dem Künstlernamen „Nica L´Hiver“ und ihrem Bassisten. Die Sängerin beeindruckte mit ihrer Stimme und der Präzision der Interpretationen. Mit eigenen Songs und Coversongs beeindruckte sie ihr Publikum.

Martin Geier aus Fürth machte den Anfang und schrie seine Wut hinaus: Seine Ex-Freundin Tania lehnte an der Bar mit seinem besten Freund Dirk. Sich doppelt betrogen zu fühlen, hielt er nicht aus. Lukas Bühner stritt heftig um den Begriff der Romantik mit seiner Freundin und brachte skurrile Sichten. Therese Degen aus Stuttgart haderte mit Weihnachten, lachte zwischendurch selber über ihren Text.

Andreas Rebholz trug die satirische schwäbische Rede des Ortsvorstehers aus Dormetingen zum „Tägno-Feschtival“ vor, in der Welten aufeinander prallten. Linnea Gehlert aus Maulburg trug einen pathetischen Text vor, in dem es um Homophobie ging: „Spielt keine Rolle. Du kannst die Welt verändern. Bleib, wie Du bist.“

Feministischer Text

Anna Teufel aus Karlsruhe und gebürtige Inneringerin trug einen feministischen Text vor, in dem sich die Mädels in kühnsten Bildern vorstellten, was sie tun würden, wenn sie für einen Tag ein Mann sein dürften. Wolfgang Heyer trug einen mitreißenden Hymnus an den schwäbischen Dialekt vor. Deftiger Humor, viele fast vergessene Worte prägten diesen Auftritt. Saskia Münch überraschte mit einer beklemmenden Geschichte, wie es sich anfühlen würde, wenn eine deutsche Familie in die Türkei fliehen und sich integrieren müsste. Aus der Sicht der Tochter war es eine sehr ambivalente Geschichte. Der Gögginger Marcel Siederberger rappte gekonnt einen Text, den er neulich beim Wühlen in alten Sachen wiedergefunden hatte. Es ging um Strand, Sonne und Meer. Dem fügte er eine Aktualisierung an, die sehr gut ankam.

Zur Finalentscheidung trug Lukas Bühner einen ergreifenden Text über einen Burnout vor. Andreas Rebholz legte im schnellen Sprachfluss die Ergebnisse seiner empirischen Untersuchungen über Glück vor. Saskia Münch sprach einen humorvollen Text, in dem es um die intellektuellen Ess-Störungen der Ernährungswissenschaft-Studentinnen ging. Sie machen sich alle Riesenstress um die vermeintlich richtige Ernährungstheorie und machen sich dabei unglücklich.

Das Publikum hatte viel Spaß und applaudierte und jubelte den Slammern zu.

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