Peter und Waltraud Knoll halten einen Vortrag über die Geschichte der alten Hafnerei

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 Die über 100-jährige Geschichte der alten Hafnerei demonstriert gleichzeitig den Wandel des Handwerks.
Die über 100-jährige Geschichte der alten Hafnerei demonstriert gleichzeitig den Wandel des Handwerks. (Foto: Manuela Steiert)
Manuela Steiert

Im Rahmen des Themenschwerpunktes „Handwerk und Industrie“ des Kreiskulturforums Sigmaringen haben Peter Knoll und seine Schwester Waltraud Knoll über die Geschichte der alten Hafnerei in Krauchenwies referiert.

Ihr Vortrag führte durch die Geschichte der Hafnerei und zurück an den Punkt, an dem alles begonnen hatte – nämlich in der Klappergasse hinter der Molkerei.

Gegründet wurde die Firma bereits 1860 von Michael Knoll, der gebürtig aus Bachhaupten bei Ostrach stammte. Peter Knoll konnte dabei auf eine Familienära zurückblicken, in der vier Generationen in der Fertigung und Weiterentwicklung von Tassen, Tellern und Schüsseln beteiligt waren. Jahrzehnte später wurde jedoch das Angebot erweitert und zusätzlich Ofenkacheln hergestellt.

Der Standort wurde verändert, zusätzliche Maschinen angeschafft und neue Ideen entwickelt. Wichtige Entwicklungen ergaben so beispielweise die Anschaffung eines Kammerofens und der spätere Betrieb durch elektrische Heizspiralen. Anschaulich schilderte er die Veränderung eines Betriebs, der Tontöpfe zu Beginn von Hand anfertigte bis zu Veränderungen in der heutigen Zeit, in der sich der Betrieb überlegen musste, ob er die Produktion von Plastiktöpfen selbst übernehmen möchte. Für einen Hafner sei das eigentlich undenkbar und somit klar, dass die Kunststoffuntertöpfe zwar vertrieben aber nicht hergestellt werden sollten, sagte Peter Knoll.

1976 wurde die Produktion dann eingestellt und auf Großhandel für Keramik, Floristik, Deko und Gärtnereibedarf umgestellt.

Doch nicht nur die Gründe für die drastischen Veränderungen von der Produktion in den Handel erklärte Peter Knoll eindrücklich, er fand auch viele Beispiele dafür, wie sich mit der Zeit der Bedarf und die Erfordernisse veränderten. So sei auch der Wandel in der Beerdigungskultur für sein Unternehmen spürbar. Es ginge vor allem darum niemandem zur Last zu fallen und möglichst anonym und ohne Aufwand bestattet zu werden, was bei ihm im Handel auf alle Fälle spürbar sei.

Als ein schwerwiegender Unfall im Jahr 2011 die gesamte Situation des Betriebes in Frage stellte, wurde ihm klar, wie wichtig es war die Geschäftspartner noch persönlich gekannt zu haben. Mit einem Online-Betrieb wären ihm die Kunden wohl allesamt weggebrochen.

Es waren an diesem Abend viele Passagen, die zum Nachdenken anregen, dabei und trotzdem verstanden es die Referenten immer wieder mit Anekdoten oder einem Gedicht von Waltraud Knoll, das ihr bei den Versuchen selbst einen perfekten Topf herzustellen eingefallen war, auch die Leichtigkeit zu bewahren.

Zum Nachdenken anregend waren zum einen die Geschichten von Peter Knoll zu der Zeit, als er mit seinem Vater noch die Auslieferungen machen durfte, oder mit einem Kumpel kurzfristig die gesamten Tontöpfe gegen die Wand gefahren hatte, weil beide ein Wettrennen mit ihren Wägen veranstaltet hatten. Zum anderen aber auch seine Überlegungen und eine Studie zur zukünftigen Veränderung des Handels, die virtuelle Beratung und virtuelles Shopping prognostizieren.

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