Ist die alte Scheune in Krauchenwies einsturzgefährdet?

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 Die Besitzer haben das Dach der Scheune gegenüber der Hofschenke bereits mit Stellbrettern abgesichert. Eine akute Einsturzgefa
Die Besitzer haben das Dach der Scheune gegenüber der Hofschenke bereits mit Stellbrettern abgesichert. Eine akute Einsturzgefahr besteht nach Einschätzung des Landratsamtes nicht. (Foto: Johannes Böhler)
Johannes Böhler

Kürzlich hat sich ein Unbekannter mit einem anonymen Brief an unsere Redaktion gewandt. Er oder sie – wir wissen es nicht – stellt sich als Gast der Hofschenke in Krauchenwies vor. Seine Befürchtung: die alte Scheune gegenüber der Gastwirtschaft könnte einstürzen oder herabfallende Dachziegel könnten vorbeigehende Gäste verletzen. Das den Wirtsleuten ins Gesicht zu sagen, traut sich der Briefeschreiber aber nicht; „sie sind doch so nett“, schreibt er. Schweigen will er aber nicht, denn „es könnten doch Menschenleben auf dem Spiel stehen“, heißt es in dem Brief weiter, die meisten Gäste seien sich der Gefahr gar nicht bewusst, die von dem maroden Gebäude ausgehe. Immer wieder parkten auch noch immer leichtsinnigerweise Gäste vor der Scheune. Damit die Sicherheit gewahrt bleibe, kündigt der Unbekannte in seinem Brief an, auch das Bauamt zu informieren. Ohne Namen schreibe er, weil er deswegen keine Schwierigkeiten wolle.

Der Krauchenwieser Bürgermeister Jochen Spieß will zu der Thematik keine Stellung nehmen. „Wer für so eine Sache nicht einmal mit seinem Namen einstehen kann, kann das von mir nicht erwarten“, erklärt er. Auch auf dem Rathaus flatterten immer mal wieder anonyme Hinweise in den Briefkasten, sagt der Bürgermeister. „Da steht dann zum Beispiel, dass die Hecke auf dem Friedhof mal wieder geschnitten werden sollte, aber über die Hofschenke war bisher noch nichts dabei“, berichtet er.

Bei der Abteilung Baurecht im Landratsamt Sigmaringen, die für die Bauerhaltung zuständig ist, sieht das schon anders aus. Auf Nachfrage bestätigt Pressesprecher Tobias Kolbeck, dass auch beim Landratsamt ein Bürgerschreiben eingegangen ist, das auf die Situation hinweist. Allerdings sei dies schon im Sommer passiert. Daraufhin habe sich am 10. August umgehend ein Baukontrolleur die Scheune angeschaut. Doch eine akute Einsturzgefahr habe der nicht feststellen können. Lediglich lockere Dachziegel, die herunterfallen könnten, fand der Kontrolleur vor. Eigentümer Thomas Enzenross wurde daraufhin verpflichtet, Stellbretter an dem alten Gebäude anbringen zu lassen, um herabfallende Dachziegel darin aufzufangen. Schon bei der zweiten Baukontrolle durch das Landratsamt am 25. September war alles erledigt und keine Gefahr mehr erkennbar.

„Ich verstehe nicht, warum sich die Person nicht direkt an uns gewandt hat“, meinte stirnrunzelnd Eigentümer Thomas Enzenross, der den Landwirtschaftsbetrieb seiner Eltern vor rund einem Jahr übernommen hat. „Wir reißen doch niemandem den Kopf ab“, erklärt er und lacht. Schon länger sei der Familie klar, dass die alte Scheune gegenüber der Gastwirtschaft Hofschenke, die Enzenross’ Eltern betreiben, baufällig ist. „Die Hinweisschilder an den Scheunentoren, die Autofahrer wegen herabfallender Dachziegel warnen, hängen schon eine ganze Weile da“, sagt Hofschenkenwirtin Rosemarie Enzenross.

Der Bau sei mehr als dreihundert Jahre alt und eigentlich habe die Familie ihn schon vor der Betriebsübernahme durch den Sohn abreißen lassen wollen, wegen des Denkmalschutzes sei das aber nicht so einfach. Ein Gutachter habe festgestellt, dass eine Renovierung allein zum Erhalt des historischen Bauwerks, das aktuell als Lager genutzt wird, rund 600 000 Euro verschlingen würde – zu viel für die Familie Enzenross. Auch ein Umbau des historischen Fachwerk-Gemäuers zu einer Festhalle ist aus ihrer Sicht unrealistisch, „denn wo findet sich schon ein Investor, der mal eben drei Millionen Euro für eine alte Scheuer in Krauchenwies übrig hat?“, fragt Thomas Enzenross. Außerdem stehe das Gebäude so nah an der Grundstücksgrenze, dass dann Lärmbelästigung ein Thema werde. „Wer auch immer den Brief geschrieben hat, darf sich gerne bei uns melden“, sagt der Landwirt. „Wir haben nichts zu verbergen“.

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