Investor steigt aus: Das Prinzenpalais kommt nicht

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 Das Projekt Prinzenpalais in der Krauchenwieser Ortsmitte ist Geschichte.
Das Projekt Prinzenpalais in der Krauchenwieser Ortsmitte ist Geschichte. (Foto: Laura Keiss)

Der Herrenberger Projektentwickler Marquardt Immobilien hat sich vom Wohnbau-Projekt „Prinzenpalais“ in der Krauchenwieser Ortsmitte zurückgezogen. Das gab das Unternehmen am Montag in einer Pressemitteilung bekannt.

Elf moderne Wohnungen hätten bis Mitte 2020 in der an der Ecke Sigmaringer Straße/Hauptstraße entstehen sollen. Nun zieht der Herrenberger Projektentwickler Marquardt Immobilien die Notbremse und stoppt das Projekt. In seiner dazu veröffentlichten Pressemitteilung beklagt Investor Joachim Marquardt einen Vertrauensverlust gegenüber der Gemeinde: „Ich sehe keine Grundlage mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit – das ist aber eine nötige Voraussetzung bei einem gemeinsamen Bauvorhaben“, so Marquardt. Daher stoppe Marquardt Immobilien das Projekt „Prinzenpalais“ schweren Herzens, obwohl die Firma bereits einen sechsstelligen Betrag in die Entwicklung des Projekts investiert habe.

Marquardt beruft sich auf Absprache mit dem Gemeinderat

Was aber ist der Grund dafür? Glaubt man Marquardt, so hat der Krauchenwieser Gemeinderat im Frühjahr 2018 in einer nichtöffentlichen Sitzung beschlossen, das Projekt auch dann zu unterstützen, wenn die drei geplanten Häuser abhängig von der Nachfrage nacheinander errichtet würden. Marquardt hatte nach dem Ausstieg des Pflegeheimbetreibers Vinzenz von Paul aus dem Projekt beschlossen, den ursprünglichen Plan zum Bau von drei Gebäuden mit Eigentumswohnungen von rund 100 Quadratmetern, trotzdem fortzuführen.

Ende Oktober 2018 gab der Investor bekannt, bereits im Sommer 2019 mit dem Bau des ersten von drei Häusern, Haus Nummer drei, im hinteren Bereich des Geländes zu beginnen. Die beiden größeren Häuser Nummer eins und zwei sollten später folgen. „So hätten wir Zeit gehabt, weiter nach Investoren und Interessenten für die beiden anderen Häuser zu suchen“, erklärt Marquardt. Erst im November 2018 habe Bürgermeister Jochen Spieß ihm jedoch schriftlich mitgeteilt, dass der Gemeinderat den Bau in einzelnen Abschnitten nicht akzeptiere. Laut Marquardt hatte der Gemeinderat jedoch im Frühjahr 2018 auch für den Fall seine Zustimmung erteilt, dass lediglich Haus Nummer drei errichtet werden könne. Bürgermeister Spieß weigere sich jedoch beharrlich, das Protokoll aus der fraglichen Gemeinderatssitzung im Frühjahr 2018 zu veröffentlichen, das seine Behauptungen untermauern würde.

„Was Herr Marquardt da fordert, ist absurd“, sagt Bürgermeister Jochen Spieß. „Er verlangt die Herausgabe eines nicht-öffentlichen Protokolls. Dem Folge zu leisten, wäre illegal“, so Spieß. „Von unserer Seite hat es zu keinem Zeitpunkt derartige Zugeständnisse gegenüber Herrn Marquardt gegeben“.

Zwar habe der Gemeinderat auch nach dem Absprung des Seniorenheimbetreibers Vinzenz von Paul an der Verwirklichung des Projekts festgehalten, „eine teilweise Umsetzung entspricht jedoch nicht unseren städtebaulichen Vorstellungen“, sagt Spieß. „Wir haben kein Interesse daran, schmutzige Wäsche zu waschen“, erklärt der Bürgermeister. Man habe sich einvernehmlich darüber verständigt, die Zusammenarbeit am Projekt Prinzenpalais einzustellen. Er glaube Marquardt, dass dieser ehrliche Verkaufsbemühungen unternommen habe, die jedoch nicht von Erfolg gekrönt waren. „Wenn Sie mich fragen, lag das auch am Preis“, sagt Spieß. Die rund 100 Quadratmeter großen Wohnungen hatten rund 340 000 Euro gekostet.

Spieß gibt sich zuversichtlich, dass die unbebaute Fläche im Zentrum von Krauchenwies nicht mehr lange brach liegt. „Wir haben im Gemeinderat bereits einen Plan B besprochen“, verrät er. Was die Gemeinde jetzt aber konkret mit dem Grundstück vorhat, möchte Spieß noch nicht preisgeben. „Wir werden dazu eine Bürgerversammlung organisieren“, sagt Spieß. Ein genauer Termin dafür stehe jedoch noch nicht fest.

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