Im Gögginger Kindergarten ist Schwäbisch erlaubt

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Niklas, Jana, Jonah und Emely (von links) besuchen den Gögginger Kindergarten und haben dort offensichtlich viel Freude.
Niklas, Jana, Jonah und Emely (von links) besuchen den Gögginger Kindergarten und haben dort offensichtlich viel Freude. (Foto: Fotos: Christoph Klawitter)
Christoph Klawitter

Die Erzieherinnen sprechen neben Hochdeutsch auch Schwäbisch mit den Kindern, aber nicht im „breiten“ Dialekt: So geht der katholische Kindergarten St. Elisabeth in Göggingen mit dem Dialekt um. Für Kinder, die einen besonderen sprachlichen Förderbedarf haben, gibt es eine Sprachfördergruppe und eine musikalische Sprachfördergruppe.

„Wir sprechen kein breites Schwäbisch mit den Kindern“, sagt Kindergartenleiterin Silke Hauschild. Aber die Kindergartenkinder dürften natürlich so sprechen, „wie ihnen der Schnabel gewachsen ist“, ergänzt Erzieherin Petra Teufel. Sie hat einige Jahre in eine Sprachfördergruppe im Gögginger Kindergarten geleitet und auch eine entsprechende Ausbildung absolviert.

Ganz unabhängig vom Dialekt sei es so, dass die Zahl der Kinder, die eine Sprachförderung brauchen, im Lauf der Jahre gestiegen sei, schildert Petra Teufel ihre Beobachtung. Solche Sprachdefizite zeigten sich beispielsweise durch Stottern, Lispeln oder das Vertauschen von Buchstaben.

Einen Grund für diese Entwicklung sieht Teufel auch darin, dass die Kinder heutzutage mit mehr Technik wie beispielsweise Computerspielen aufwachsen und sich dadurch weniger bewegen. Es gebe Kindergartenkinder, die hätten sogar schon einen eigenen Fernseher in ihrem Zimmer – „mit gerade mal fünf Jahren“, berichtet Petra Teufel. „Das ist jetzt aber nicht die Mehrzahl“, ergänzt sie. Der häufigere Umgang mit Technik wiederum gehe einher mit Bewegungsmangel. „Bewegung hängt viel mit Sprache zusammen“, erklärt Petra Teufel. Sei die Wirbelsäule beispielsweise steif, komme es zu einer entsprechenden Körperhaltung, die dann wiederum zu Sprachproblemen führen könne.

Der schwäbische Dialekt an sich sei kein Hindernis für die Sprachentwicklung, meint die Erzieherin. Kinder, die allerdings sowohl Sprachprobleme hätten als auch im breiten Dialekt sprächen, könnten sich aber schon schwerer tun in ihrer Sprachentwicklung, so Teufel. Besonders dann, wenn es später in der Grundschule ans Lesen und Schreiben lernen geht.

22 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren besuchen derzeit die Kindergartengruppe in St. Elisabeth, weitere fünf Kinder im Alter von bis zu drei Jahren eine Krippengruppe. Für die Kindergartenkinder gab es bis zum vergangenen Kindergartenjahr eine sogenannte ISK-Sprachfördergruppe mit sieben Plätzen unter der Leitung von Petra Teufel. Im aktuellen Kindergartenjahr gebe es die Gruppe nicht, mit der Einstellung einer neuen Mitarbeiterin solle die Gruppe aber wieder eingeführt werden, erläutert die Erzieherin. Für die sieben Kinder der Sprachfördergruppe ist ein separater Raum vorhanden, vier Stunden die Woche trifft sich die Gruppe.

Es existiert noch eine weitere Fördergruppe: die Fördergruppe SBS (Singen, Bewegen, Sprechen) mit ebenfalls sieben Plätzen. Dort wird die Sprachförderung bei den Kindern mit Musik und Bewegung verbunden. Die Stunden werden von einer externen Kraft geleitet. Über gemeinsames Liedersingen, rhythmisches Sprechen, Klanghölzer und Trommeln wird Sprechen geübt. Petra Teufel betont aber auch, dass auch schon im normalen Alltag in Kindergarten und Krippe die Sprechfähigkeit der Kinder geschult wird.

Finanziert wird die spezielle Sprachförderung durch das Landesprogramm „Sprachförderung in allen Tageseinrichtungen für Kinder mit Zusatzbedarf SPATZ“.Aufgeteilt ist das Programm in die beiden Fördermöglichkeiten ISK (Intensive Sprachförderung im Kindergarten) und SBS (Singen, Bewegen, Sprechen).

Kinder, die schwerere Sprachprobleme haben, brauchen darüber hinaus jedoch weitere Unterstützung. „Unsere Sprachförderung ersetzt keinen Logopäden“, betont Petra Teufel. Sie selbst möchte sich in ihrer Arbeit nicht mehr auf die Sprachförderung spezialisieren, deshalb hat sie die Leitung der Gruppe abgegeben.

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