Gögginger trauen Kiesfirmen nicht über den Weg

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Die Abbildung zeigt den Korridor (schraffiert) um Göggingen herum, in den die Kiesfirmen nicht eindringen dürfen. Unten ist das
Die Abbildung zeigt den Korridor (schraffiert) um Göggingen herum, in den die Kiesfirmen nicht eindringen dürfen. Unten ist das (Foto: Vorlage: Regierungspräsidium)
Redakteur Krauchenwies und Inzigkofen

Die Bürger aus Göggingen und Bittelschieß haben die Entscheidung des Regierungspräsidiums Tübingen (RP), weiteren Kiesabbau im nahen Umfeld ihrer Ortschaften zuzulassen (die SZ berichtete gestern), scharf kritisiert. Die Reduzierungen – bei der Firma Baresel von beantragten 48 auf genehmigte 15 Hektar, bei der Firma Nord-Moräne von 48 auf 35 Hektar, und bei dem Gemeinschaftsvorhaben der Firmen Valet u. Ott und Martin Baur von 68 auf 39 Hektar – seien nicht im Sinne der Bürger, sagte Rainer Ohmacht von der Bürgerinitiative „Lebenswertes Göggingen“.

Insbesondere die Tatsache, dass das RP, vertreten durch Ulrike Kessler und Ursel Habermann, insgesamt 39 Hektar Abbau im Offenland genehmigt, stieß Ohmacht übel auf. „Von Anfang an war klar, dass der Abbau im Offenland für uns ein absolutes No-Go ist“, sagte er, und ergänzte: „Wir wollen und wir werden es nicht hergeben. Wir kämpfen weiter.“ Kessler entgegnete, dass es keine Rechtsgrundlage gebe, den Abbau im Offenland vollständig abzulehnen. Das RP habe als neutrale Raumordnungsbehörde den Auftrag, rechtssicher zu entscheiden – und nicht zuletzt auch die Rohstoffinteressen im Blick zu behalten.

Die Leiterin des Referats für Raumordnung verwies zudem darauf, dass das RP den Wünschen der Firmen Valet u. Ott und Martin Baur bereits einen dicken Riegel vorgeschoben habe, indem 29 Hektar Offenland im Nahbereich zur Gögginger Wohnbebauung nicht genehmigt worden seien. „Und das tut den Kiesern richtig weh, denn hier gibt es den besten Kies“, sagte sie. Außerdem gebe das RP vor, dass die Kiesfirmen künftig besser und zügiger als in der Vergangenheit rekultivieren müssen. Das wiederum brachte Alfons Seifried auf die Palme: „Wir kennen die Kieser. Die dehnen das Wort ,zügig’ wie Kaugummi.“ Frustriert sagte er: „Wir sind ein sterbendes Dorf.“

Ratsmitglied Wolfgang Veeser wollte wissen, weshalb das Wort des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben, der bekanntlich im November 2014 weiteren Abbau im Offenland kategorisch abgelehnt hatte, nichts gilt. Kessler sagte, dass das RP zwar „sehr eng“ mit dem Regionalverband kooperiert habe, die Stellungnahme aber nur „eine unter vielen“ sei und nicht „zwingend beachtet“ werden müsse. Sie gab aber auch zu: „Wir haben nie zuvor gegen ein solches Votum entschieden.“

Recht auf Eigentum

Auch die Entscheidung der Gemeinde Krauchenwies, gemeindeeigene Feldwege nicht zu verkaufen, blieb unberücksichtigt. Bürgermeister Jochen Spieß betonte in dem Zusammenhang, dass er die Feldwege als etwas ansehe, was nicht so leicht gekippt werden könne: „Wir haben das Recht auf Eigentum“, sagte er.

Auch Robert Kempf machte seinem Ärger Luft. Die Firma Valet u. Ott exportiere Kies in die Schweiz. „Da kann man beim besten Willen nicht behaupten, es gehe um unsere Rohstoffsicherheit“, monierte er. Kessler gab an, den Unmut darüber verstehen zu können, in einer freien Marktwirtschaft gebe es aber diesbezüglich keinen Verhaltenskodex. „Wir können nur versuchen, mithilfe des Landratsamts die Abbauraten zu überwachen“, sagte sie, damit nicht weit über Bedarf abgebaut werde.

Georg Binder wollte wissen, weshalb das von Kessler und Habermann geschilderte Prinzip „Erweiterung vor Neuanlage“ nicht einmal außer Kraft gesetzt werden könne. Göggingen habe seit weit mehr als 50 Jahren die Kiesfirmen im Ort. Damit könne doch auch mal Schluss sein, um die Gögginger zu entlasten. Rohstoffvorkommen gebe es auch andernorts, sagte er. Kessler entgegnete, dass Kies nun einmal nur dort abgebaut werden könne, wo er qualitativ hochwertig vorkomme: „Wir brauchen den Kiesabbau an dieser Stelle“, sagte sie. Kessler bot an, den Prozess des weiteren Kiesabbaus weiter als Moderatorin zu begleiten, was Rainer Ohmacht begrüßte: „Unsere Initiative ist bereit zu einer Zusammenarbeit“, sagte er. Ganz generell fordere er vom Landratsamt eine bessere Überwachung der Kiesfirmen.

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