Figuren kehren vors Rathaus zurück

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 Die Brunnenfiguren kehren schon bald auf den Rathausvorplatz zurück.
Die Brunnenfiguren kehren schon bald auf den Rathausvorplatz zurück. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Die Figuren des Brunnens am Rathaus sind restauriert und wieder auf ihren hohen Sockel gestellt worden. Vorab standen sie für zwei Tage im Rathaussaal und wurden bei einem kleinen Festakt der Öffentlichkeit vorgestellt. Bürgermeister Jochen Spieß hatte dazu eingeladen.

Diese vier Figuren wurden vor rund 40 Jahren von dem renommierten Bildhauer Helmut Lutz im Auftrag der Gemeinde geschaffen. Sie stellen einander zugewandte, tratschende Menschentiere dar. Doch weil sie auf einem hohen Podest stehen, nimmt man ihre künstlerische Qualität und Originalität kaum wahr. Nun konnten Interessierte die Skulpturen von Nahem betrachten und feststellen, was sie darstellen sollen.

Vor den Figuren war der Rathausplatz entstanden, weil das benachbarte Gebäude abgerissen worden war. „Rundherum standen Bauernhöfe und Misten“, erinnert sich Altbürgermeister Heinz Schöllhammer in seiner Rede. Nun sollte der Platz gestaltet werden und eine moderne Ausstrahlung bekommen. Dazu brauchte es einen Brunnen, wie es sich in selbstbewussten Gemeinden und Städten gehöre, sagte Schöllhammer.

Der Bildhauer Lutz entwarf Figuren, die es in sich hatten. Als sie geschaffen und aufgestellt wurden, sorgten sie in der Gemeinde noch für Aufregung. Auch die Kosten haben laut Schöllhammer manche Gemüter in Wallung versetzt. Doch Altbürgermeister Schöllhammer ist sich heute noch sicher, dass es eine richtige und wichtige Entscheidung für die Platzgestaltung gewesen ist.

Bildhauer Lutz hatte vier Figuren hergestellt, die dörfliche Charaktertypen darstellten: den schlauen Fuchs, den stummen Fisch, den stolzen Hahn und die schnatternde Ente. Aus der Nähe sieht man gut, wie detailliert die Übergänge zwischen menschlicher Haut und tierischem Pelz und Feder gestaltet sind. Die Figuren haben spannende Gesichtszüge und Gesten der Hände. Die Betrachter waren sich bei der Feierstunde einig: Die Figuren sind toll – schade, dass sie auf so hohen Podesten stehen und dem Umfeld den Rücken kehren, weil sie die Köpfe zusammenstecken und tratschen. Man war sich aber einig, dass am Entwurf des Bildhauers nicht zu rütteln ist. Altbürgermeister Schöllhammer bedauerte, dass der Brunnen immer noch nicht so recht angenommen werde.

Die Figuren sind in der Rulfinger Werkstatt von Steinmetz und Bildhauer Christoph Carl Stauß restauriert worden. Dieser lobte die Mitarbeiter des Bauhofs, denen beim Reinigen die Risse an den Sockeln der Figuren aufgefallen waren. Die Figuren sind mit eisernen Dübeln auf ihrem Sockel festgemacht. Doch sind sie laut Stauß im Laufe der Jahre wegen der Feuchtigkeit gerostet und geplatzt, sodass sie den Stein auseinander getrieben haben. Die Figuren drohten bereits herunterzufallen, weil sie keinen richtigen Halt mehr hatten, erklärte er. Er zeigte einen dieser Dübel, der ziemlich zerbröselt war.

Gereinigt und retuschiert

Stauß erläuterte, wie die Figuren gesichert werden mussten, bevor sie vom Sockel heruntergenommen wurden. In der Werkstatt seien die Sockel gefestigt worden. Der Steinmetz betonte, dass er die Figuren behutsam gereinigt und retuschiert und dass er die Patina der Oberflächen gelassen hat. Vor allem aber seien die Risse gefestigt worden. „Wir wollen ja keine neue Figuren“, sagte er.

Nun werden sie dieser Tage von den Steinmetzen wieder auf ihren Platz gehoben, sodass der unterbrochene Tratsch fortgeführt werden kann. Sonst wäre es doch zu still im Ort.

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