Der Jüngste übernimmt die Ablacher Wehr

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 Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Die Führungsspitze der Ablacher Wehr um Norbert Bechinger (links) und Robert Hahn (links, Hock
Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Die Führungsspitze der Ablacher Wehr um Norbert Bechinger (links) und Robert Hahn (links, Hocke) hat den Dienst bei der Feuerwehr aus Frust über die Entscheidung der Gemeinde, Ablach als Fahrzeugstandort zu schließen, längst quittiert. Marcel Geiger (rechts) springt nun in die Bresche. (Foto: Archiv: theresa Gnann)
Redakteur Krauchenwies und Inzigkofen

Für viele Ablacher war der 12. Juli ein Schock: Mit Entscheidung des Gemeinderats war klar, dass der Ortsteil wohl nie wieder Standort für ein eigenes Feuerwehrfahrzeug sein würde. Ein Gerätehaus würde es nicht mehr geben. Die Verwaltung um Bürgermeister Jochen Spieß hatte in der Ratssitzung, an der mindestens 100 Feuerwehrmänner teilgenommen hatten, um Verständnis geworben. Ein externes Gutachten hatte ergeben, dass Ablach im Brandfall von den Krauchenwieser Kollegen problemlos mit übernommen werden könne. Doch alles half nichts: Kommandant Norbert Bechinger und sein Stellvertreter Robert Hahn konnten und wollten den tiefen Einschnitt in der Ablacher Ortsgeschichte nicht mittragen. Noch in der Ratssitzung gaben sie ihren Meldeempfänger ab (die „Schwäbische Zeitung“ berichtete).

Inzwischen sind fast drei Monate vergangen – Zeit, in denen sich die Mitglieder der Ablacher Wehr, die zu Beginn des Jahres rund 35 Mitglieder zählte, mit gewichtigen Fragen auseinandersetzen mussten: Wie soll es weitergehen? Ist eine Kooperation mit der Krauchenwieser Wehr vorstellbar? Und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen? Klar ist jetzt: Es geht weiter. Und die Zukunft der Ablacher Wehr wird eng verbunden sein mit der Familie Geiger aus Ablach. Stimmt der Gemeinderat in seiner Sitzung am kommenden Dienstag zu, wird der erst 20-jährige Marcel Geiger neuer Kommandant der Ablacher Wehr – und sein Vater Dietmar wird die Rolle des Stellvertreters übernehmen.

„Ich freue mich sehr darüber“, sagt Jochen Spieß auf Nachfrage, macht allerdings auch kein Hehl daraus, dass er überrascht gewesen sei, wenn sich die Ablacher Wehr gänzlich aufgelöst hätte. Bei Fußballvereinen etwa seien Fusionen mittlerweile gang und gäbe, so der Bürgermeister.

Rückhalt in der Bevölkerung, Rückhalt bei der Familie

Derjenige, der die Wehr nun in die Zukunft führen will, war für die Ablacher trotz seines jungen Alters von Anfang an die Idealbesetzung: „Der Ausschuss unserer Feuerwehr kam auf mich zu und hat mich gefragt, ob ich mir das zutraue“, sagt Marcel Geiger im Gespräch. Er selbst habe gezögert, schließlich sei er der jüngste Feuerwehrmann in der Ablacher Wehr. Er habe sich die Frage gestellt, ob er vielleicht zu jung sei, um eine solche Verantwortung zu übernehmen. Doch schließlich hätten ihm soviele Kameraden Mut zugesprochen, dass er nicht mehr habe „nein“ sagen wollen. Hilfreich wird sein, dass Marcel Geiger nicht nur die Ablacher Bürger hinter sich weiß, sondern auch auf tatkräftige Unterstützung aus den Reihen der eigenen Familie bauen kann. So hat sich sein Vater Dietmar Geiger bei der jüngsten Hauptversammlung bereiterklärt, den Stellvertreter-Posten zu übernehmen. „Niemand anderes hatte sich finden lassen“, sagt Marcel Geiger – „schließlich hat sich mein Vater geopfert“, sagt er und lacht. Der 20-jährige Industriemechaniker freut sich zudem darüber, dass ihm der ehemalige Kommandant Norbert Bechinger angeboten habe, bei Fragen jederzeit ansprechbar zu sein.

Geiger will, dass die Ablacher Wehr eine echte Zukunft hat – auch ohne eigenes Fahrzeug. „Die Abteilung Ablach soll bestehen bleiben, das ist unser wichtigstes Anliegen“, sagt er. Zudem erhoffe er sich von den Krauchenwiesern den Willen zu einer Kooperation auf Augenhöhe. „Wir wollen richtig gut integriert werden und nicht das Gefühl haben, dass es immer heißt: Ach, das sind ja nur die von da drüben“, sagt der 20-Jährige.

Das Ablacher Feuerwehrfahrzeug wird im Jahr 2019 nach Krauchenwies verlegt. Von den rund 35 Mitgliedern hat ein gutes Dutzend seinen Dienst seit dem vergangenen Juli quittiert. Spieß erklärt, dass bei der jüngsten Hauptversammlung zwölf Wehrmänner signalisiert hätten, dauerhaft bei der Stange bleiben zu wollen – „neun weitere wollen zumindest erst einmal bis zur Verlegung des Fahrzeugs weitermachen – und dann sehen wir weiter“, so der Bürgermeister.

Marcel Geiger trat der Ablacher Feuerwehr mit zwölf Jahren bei – seit dem er 18 Jahre alt ist, gehört er zu den Aktiven.

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