Bobby Lutz: „Wir sind so gut wie fertig“

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 Diese Jungs freuen sich mit Bobby Lutz bei der Einweihung des Waisenhauses im vergangenen Mai.
Diese Jungs freuen sich mit Bobby Lutz bei der Einweihung des Waisenhauses im vergangenen Mai. (Foto: Fotos: Privat)
Redakteur Krauchenwies und Inzigkofen

Sechs Jahre lang hat sich Bobby Lutz für „seine“ Waisenkinder in Douala/Kamerun eingesetzt. Mithilfe einer enormen Spendenbereitschaft aus der Region hat er bis zum heutigen Tag annähernd 200 000 Euro gesammelt – und jeden Euro davon nach Kamerun getragen. Das neue Waisenhaus steht seit einem halben Jahr, der Alltag funktioniert. „Ich bin glücklich, dass alles so gut geklappt hat“, sagt er. Doch jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, sich zurückzuziehen: „Wir sind so gut wie fertig.“ Das Spendenkonto wird zum 31. Dezember eingestellt. Einmal noch aber wird die Band Carlas Saxaffair am kommenden Sonntag in der St.-Laurentius-Kirche in Krauchenwies zu einem Benefizkonzert zugunsten der Waisenkinder in Kamerun aufspielen (siehe Kasten).

Bobby Lutz blickt mit Stolz zurück auf die vergangenen sechs Jahre: „Ich habe fünf große Ziele gehabt und alle erreicht.“ Die Kinder sollten zur Schule gehen können, das sei aufgrund des Engagements der Amerikanischen Schule vor Ort, die das Schulgeld für die Waisen übernehme, längst gesichert. Die Kinder sollten in Sicherheit leben können. „Wir haben eine Mauer um das neue Haus herum gebaut und einen Wachmann angestellt“, sagt Lutz. Zum Dritten und Vierten sollten die Kinder satt werden und medizinisch gut versorgt sein. Auch dies sei durch die von Lutz mitinitiierte Kooperation mit der Amerikanischen Schule gesichert.

Einzig der fünfte Punkt ist derzeit noch nicht final geklärt: „Die Kinder sollen schöne Spielmöglichkeiten haben“, sagt er. Ein Sportplatz werde noch gebaut, „wir brauchen noch den passenden Bauunternehmer“. Tore und Basketballkörbe seien bereits geliefert worden. Die rund 10 000 Euro, die der Platz kosten soll, hat Lutz längst beisammen, auch weitere 10 000 Euro für eine Fotovoltaik-Anlage, die in den nächsten Monaten von einem Schweizer Unternehmer auf das Dach des Waisenhauses gesetzt werde.

Kleine Landwirtschaft bleibt noch ein Ziel

Das Geld, das nun noch übrigbleibe, wolle er zum Investieren und für „schlechte Zeiten“ zurückhalten. Nach wie vor hat er im Hinterkopf, nahe des Waisenhauses in der Zukunft ein weiteres kleines Grundstück zu kaufen. „Das Waisenhaus soll autark sein“, sagt er. Eine kleine Landwirtschaft mit Gemüseanbau und Hühnern würde dabei helfen.

So ganz kann und wird Lutz seine Beziehungen nach Douala also wohl nicht abbrechen können, auch wenn ihm schon anzumerken ist, dass er sich über den Ausstieg freut. Hinter ihm und seiner Mitstreiterin Ingrid Schnell liegen viele anstrengende Reisen nach Kamerun, mit vielen nervenaufreibenden Gesprächen, aber letztlich auch großen Erfolgen. Davon, dass künftig kein regelmäßiges Geld mehr aus Deutschland ins Waisenhaus fließe, habe er die Waisenhaus-Chefin noch nicht informiert: „Das muss ich auch nicht. Die müssen jetzt zusehen, wie sie es alleine hinbekommen“, sagt er.

Die Voraussetzungen dafür seien gut, es gebe vor Ort viele internationale Partner, die ein Auge auf das Waisenhaus hätten. Dennoch wolle er „auf jeden Fall in etwa einem Jahr“ noch einmal nach Douala fliegen, um sich auch persönlich von allen zu verabschieden. Denn ein bisschen Wehmut kann er schon jetzt nicht verbergen: „Wenn ich aktuelle Fotos mit solchen von vor sechs Jahren vergleiche und sehe, wie sich die Kinder weiterentwickelt haben, dann bekomme ich schon eine Gänsehaut“, sagt er.

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