Blutspender kritisiert Lunch-Paket und will „ordentliches Vesper“ wie „Schweinebraten mit Spätzle und Salat“

 Liebevoll packt DRK-Bereitschaftsleiterin Christine Steuer die Vespertüten. Doch das stimmt nicht alle Blutspender zufrieden.
Liebevoll packt DRK-Bereitschaftsleiterin Christine Steuer die Vespertüten. Doch das stimmt nicht alle Blutspender zufrieden. (Foto: Michael Hescheler)
Redaktionsleitung

Diesen Montag hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im Waldhornsaal in Krauchenwies einen Blutspendetermin angeboten. Die Corona-Pandemie hat den Ablauf der Spende verändert. Wer Blut spenden möchte, reserviert im Vorfeld über das Internet einen Termin.

Das hat den Vorteil, dass die Wartezeit deutlich abgenommen hat. Gleichzeitig müssen Spender aber längerfristiger planen und können sich nicht mehr wie früher spontan zu einer Spende entscheiden.

Was seit Corona ebenfalls weggefallen ist: das gemütliche Vesper zum Abschluss der Spende. Statt zusammen mit anderen Spendern etwas zu essen, bekommen die Besucher nun ein Lunchpaket mit nach Hause.

Karl Bohner ist ein eifriger Spender

Karl Bohner aus Krauchenwies, der bislang mehr als 90 Mal Blut spendete, stört sich daran. „Vor Corona gab es nach der Blutspende ein ordentliches Vesper, oder je nach Gemeinde, in der die Blutspende stattfand, auch etwas Warmes zum Essen wie Schweinebraten mit Spätzle und Salat.“

Manchmal sei auch Wurstsalat kredenzt worden, inklusive Nachschlag, schreibt der eifrige Spender in einer Mail an unsere Redaktion.

Bohner vermisst die Mahlzeit nach dem Ritual und kritisiert deshalb das Lunchpaket, das die Spender mit nach Hause nehmen dürfen.

Bei den derzeitigen Temperaturen ist das nicht praktikabel.

DRK-Bereitschaftsleiterin Christine Steuer

Der DRK-Blutspendedienst macht für die Verköstigung vor Ort klare Vorgaben. Erlaubt ist eine Bewirtung vor Ort nur, wenn sie im Freien erfolgt.

„Bei den derzeitigen Temperaturen ist das nicht praktikabel“, sagt die DRK-Bereitschaftsleiterin aus Krauchenwies, Christine Steuer. Sie finde keine Mitarbeiter, die bereit seien, stundenlang in der Kälte zu stehen, um die Gäste zu umsorgen.

Das sind die Regeln

In geschlossenen Räumen untersagt das DRK wegen der Ansteckungsgefahr die Verköstigung gänzlich. Um sich und andere zu schützen, tragen sowohl Spender als auch Mitarbeiter dauerhaft eine Maske.

Allein aus diesem Grund wäre es widersprüchlich, gleichzeitig eine Bewirtung vor Ort zu ermöglichen, weil die Gäste zum Essen und Trinken die Masken ablegen müssten, erklärt die Teamleiterin vor Ort. „Diese Regeln gelten zu allen Blutspenden in den Bundesländern Baden-Württemberg und Hessen“, erklärt die Mitarbeiterin.

Eine große weiße, größtenteils leere Papiertüte mit einer trockenen Brezel, einem Pärchen Landjäger, einem Apfel und einer Flasche Wasser ist für mich sehr mager.

Karl Bohner

Der Krauchenwieser Spender empfindet das Alternativangebot als unzureichend: Er erwartet vom DRK die „Honorierung der Spende durch ein ordentliches Vesper. Eine große weiße, größtenteils leere Papiertüte mit einer trockenen Brezel, einem Pärchen Landjäger, einem Apfel und einer Flasche Wasser ist für mich sehr mager.“

Ein Blick in die Oktoberfest-Tüte

Bei der Spende am vergangenen Montag packte die örtliche Bereitschaft passend zur Jahreszeit Oktoberfest-Tüten. Inhalt: Eine dicke Scheibe Leberkäse, Streichkäse bayerischer Art, eine Flasche Zoller-Hof alkoholfrei und dazu eine Tüte Salzbrezeln zum Knabbern.

Sogar die Tüte hat sie passend zu der Oktoberfest-Zeit beschriften lassen und das DRK bedankt sich gleichzeitig den Gästen für die Spende. „Wir lassen uns zur Jahreszeit passend immer etwas Neues einfallen“, erklärt die Bereitschaftsleiterin. So gab es im Sommer eine spezielle Gemüsetüte.

Der Spender bleibt bei seiner Kritik

Den Spender Karl Bohner stimmt das wenig versöhnlich. Er ärgere sich sehr über das gestrichene Vesper, gehe aber aus Solidarität mit den Menschen, die das Blut brauchen, trotzdem weiterhin regelmäßig zur Blutspende.

Hungrige Spender wie Karl Bohner müssen sich wohl noch einige Zeit gedulden, denn über den Winter rechnet nicht nur das DRK mit steigenden Corona-Zahlen.

Wir haben die allgemeine Kommentarfunktion unter unseren Texten abgeschaltet. Für einzelne Texte wird es auch weiterhin die Möglichkeit zum Austausch geben. Aufgrund der Vielzahl an Kommentaren können wir derzeit aber keine gründliche Moderation mehr gewährleisten. Mehr Informationen zu unseren Beweggründen finden Sie hier.
Kommentare werden geladen

Persönliche Vorschläge für Sie