Bürgermeister würdigt ehrenamtlichen Einsatz

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Susanne Grimm

Die Krauchenwieser Bürger sind in großer Zahl der Einladung von Bürgermeister Jochen Spieß zum Neujahrsempfang gefolgt. Unter den Gästen befanden sich der Erste Landesbeamte Rolf Vögtle in Vertretung von Ländrätin Stefanie Bürkle, Staatssekretär Thomas Bareiß und Peter Pätzold, Baubürgermeister von Stuttgart. Letzteren stellte Spieß als „Sohn Oberschwabens, der aus Wolpertswende kommt und mit mir die Schulbank gedrückt hat“ vor.

Im Fokus von Spieß’ Ansprache stand die ehrenamtliche Arbeit der Bürger. „Vereine sind die Schule der Demokratie“, sagte der Bürgermeister und zitierte den Soziologen Ralf Dahrendorf. „Demokratie ist komplex“, hatte dieser gesagt. Das werde in den Vereinen gelernt und tagtäglich umgesetzt in Form von Festen, Veranstaltungen, Projekten und Mitgliederpflege.

Am Beispiel der Fußballvereine machte Jochen Spieß deutlich, dass auf ursprünglichster Ebene demokratische Entscheidungen getroffen werden, die zukunftsprägend sind: „Unsere Fußballer haben sich aus drei Vereinen zusammengeschlossen, um dieses Sportangebot aufrecht zu erhalten.“ Das sei noch bis vor ein paar Jahren undenkbar gewesen. Zum Beschreiten solcher Wege hätten alle Beteiligten viel Überzeugungsarbeit leisten müssen.

Populisten haben Zulauf

Mit Blick auf die Zustände in der Welt sagte Jochen Spieß: „Wir sind dankbar für die Verhältnisse, in denen wir leben und arbeiten dürfen.“ Dazu leisteten die Ehrenamtlichen einen wesentlichen Beitrag. „Jeder von Ihnen wirkt im alltäglichen Ehrenamt für den anderen und lebt damit das Wir.“ Denn die Gemeinschaft funktioniere nur, wenn dieses „Wir“ immer wieder von Neuem gelebt und die vorhandenen Möglichkeiten nicht nur gesehen, sondern auch genutzt werden. Dass das „Wir“ gehütet werden muss, verdeutlichte er am Beispiel der USA und der Briten, die den Weg der Eigeninteressen beschritten haben. Diese Gefahr sieht Spieß durch den Zulauf populistischer Parteien auch in Deutschland.

Der Bürgermeister vervollständigte Ralf Dahrendorfs Satz: „Demokratie ist komplex – Populismus ist einfach.“ Vermeintlich einfache Antworten „stellen das ,Wir’, den Gemeinsinn, in Frage“, sagte Spieß. Er machte den Ehrenamtlichen Mut, sich von Kritik nicht unterkriegen zu lassen und unterstrich: „Kritisieren ist leicht – es besser machen, schwer!“

In diesem Zusammenhang warb Jochen Spieß mit Blick auf die bevorstehenden Kommunalwahlen darum, sich nicht vom komplexen Ehrenamt des Gemeinderats abschrecken zu lassen. „Damit haben Sie die Möglichkeit, ganz konkret das ,Wir’ mitzugestalten.“ Den Neujahrsempfang nutzte der Bürgermeister dazu, auf die besonderen Jubiläen zweier Vereine hinzuweisen, denen er, einem gemeindlichen Brauch folgend, je eine Jubiläumstorte spendierte. So feiert die Feuerwehrabteilung Göggingen in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen und die Musikkapelle Krauchenwies kann auf diese Zahl noch einmal ein Vierteljahrhundert draufsetzen. Der Musikverein unter dem Dirigat von Esther Kramer hat übrigens nicht nur beim Neujahrsempfang bemerkenswerte musikalische Akzente gesetzt, sondern auch für erstklassige Tischdeko und ebensolche Häppchen gesorgt.

Stuttgarts Baubürgermeister ließ es sich nicht nehmen, ein Grußwort an die Krauchenwieser zu richten. Er versicherte den Zuhörern, dass Krauchenwies in Stuttgart sehr wohl wahrgenommen wird. „Wir wissen, dass sich in Krauchenwies alles um den Planeten Erde dreht“, sagte Peter Pätzold und spielte damit auf die in der Gemeinde ansässige Globusfirma Columbus an.

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