Bürger wollen Windräder verhindern

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Die elf Punkte stehen für die gegenwärtig geplanten Windräder. Direkt über dem Kopf von Bürgermeister Jochen Spieß sind drei Pun
Die elf Punkte stehen für die gegenwärtig geplanten Windräder. Direkt über dem Kopf von Bürgermeister Jochen Spieß sind drei Punkte im roten Feld zu sehen – dabei handelt es sich um die drei geplanten Windräder in dem Gebiet, das der Gemeinde ge (Foto: Fotos: patrick laabs)
Patrick Laabs

Was für ein denkwürdiger Abend: Wortgewaltig haben sich die Bürger aus Krauchenwies und aus Hausen am Andelsbach am Montagabend bei einer Einwohnerversammlung mit den zwischen Rulfingen und Krauchenwies geplanten Windkraftanlagen auseinandergesetzt (die Schwäbische Zeitung berichtete).

Eingeladen hatte Bürgermeister Jochen Spieß in den Waldhornsaal, mehr als 200 Einwohner kamen. Spieß erläuterte eingangs, dass sowohl er als auch der Gemeinderat noch keine Entscheidung getroffen hätten. „Wir sind offen“, betonte er immer wieder, und dass er sich auch von den Einwohnern Impulse erhoffe. Kernfrage sei es, ob die Gemeinde tatsächlich ihre kommunale Fläche für drei Windräder zur Verfügung stellen solle und wolle.

Dass es Argumente gibt, die für eine Zusammenarbeit mit der Windpark-Firma Enercon sprechen, erläuterten Viktor Franchini und Thomas Schlegel von den Eigenbetrieben Stromversorgung. Die derzeitige Netzkapazität reiche mittelfristig nicht mehr aus, Investitionen seien notwendig. Da auch der Windpark einen besseren Netzanschluss brauche, könnten die Kosten aufgeteilt werden. „Das hätte stark positive Auswirkungen für die Bürger in Bezug auf die Stromkosten“, sagte Franchini – andernfalls sei mit deutlichen Mehrkosten zu rechnen.

Rolf Pfeifer, Geschäftsführer der neutralen Beraterfirma „endura Kommunal“, schilderte den anwesenden Bürgern die rechtliche Situation: Da die Stadt Mengen die Fläche zwischen Rulfingen und Krauchenwies in einem Flächennutzungsplan speziell als Konzentrationszone für Windkraft ausgewiesen habe, werde der Windpark auch kommen – unter der Prämisse, dass Enercon auch will. Da die Gemeinde Krauchenwies keine Flächen für Windräder vorgesehen habe, sei der Investor nach Paragraf 35 Baugesetzbuch grundsätzlich in der Lage, überall zu bauen.

Pfeifer erläuterte weiter, dass die Firma Enercon mit Windrädern plane, die eine Nabenhöhe von 159 Metern haben – ein so hohes Windrad gebe es bis dato deutschlandweit noch nicht, in zwei Monaten würden aber erste Räder das Lager verlassen. Zu den üblichen Kritikpunkten an Windrädern bemerkte Pfeifer, dass es beispielsweise keinen wissenschaftlichen Beleg für Infraschall gebe. Auch Immobilien würden Studien zufolge nicht nachweisbar an Wert verlieren.

Über die von Enercon mittlerweile geplante Anzahl an Windrädern gab es einiges Erstaunen – insgesamt elf Windräder, vier davon auf Gemarkung Krauchenwies: „Zuletzt hatte ich ein bisschen weniger im Kopf“, sagte Spieß süffisant.

Anschließend hatten die Krauchenwieser und Hausener Gelegenheit, ihre Meinung kundzutun und/oder Fragen zu stellen – und machten reichlich Gebrauch davon. Hier ein Auszug:

Josef Brugger aus Hausen am Andelsbach ärgerte sich darüber, dass „unsere Landschaft verschandelt wird und auch noch drei Ortschaften mit reingezogen werden“. Die Hauptschuld trage aus seiner Sicht das Fürstenhaus, ohne deren Zustimmung zur Verpachtung der Waldflächen die Firma Enercon keinen rentablen Windpark errichten könne.

Werner Geiselhart aus Krauchenwies sagte, er sei „böse überrascht worden von den Windkraft-plänen. Ich bin richtig geschockt“. Er ließ eine Unterschriftenliste gegen Windkraft herumgehen, in die sich viele Bürger eintrugen. Man wolle in Zukunft gemeinsam etwas bewegen, sagte Geiselhart.

Heinz Schöllhammer, langjähriger Bürgermeister der Gemeinde Krauchenwies, sagte, er habe seit 16 Jahren eisern geschwiegen, wenn es um die Lokalpolitik gegangen sei. Für den nun geplanten Windpark aber gebe es in der ganzen Region kein Beispiel. Psychologen warnten vor den Folgen. „Von meiner Terrasse aus werde ich alle Räder sehen. Ich habe Angst davor, den Anblick bis an mein Lebensende ertragen zu müssen“, sagte er. Er erwarte, dass Bürgermeister und Gemeinderäte ihre Meinung noch einmal genau prüften und die Gesundheit ihrer Bürger letztlich höher stellten als finanzielle Motive.

Helmut Seeger, Ortsvorsteher von Hausen am Andelsbach, ärgerte sich darüber, dass Hausen – obwohl stark betroffen – nicht auf der präsentierten Karte (siehe obiges Bild) auftauchte. Zudem legte er eindrücklich dar, wie schwierig es für ihn als Gemeinderat sei, dieses hochsensible und emotionale Thema entscheiden zu müssen. „Da komme ich an meine Grenzen, werde aber Flagge bekennen“, sagte er. Ähnlich äußerten sich auch die Räte Anton Ruprecht und Thomas Störk.

Frank Miller aus Krauchenwies betonte, es gebe sehr wohl Infraschall, und auch die Immobilien würden bis zu 30 Prozent an Wert einbüßen. Am 17. Juni werde es in Winterlingen einen Professoren-Vortrag zum Thema Infraschall geben.

Jörg Bergemann aus Krauchenwies meinte, man müsse „doch nicht jeden Blödsinn mitmachen“. Er sehe nicht ein, weshalb so gigantische Windräder ausgerechnet nach Krauchenwies kommen müssten: „Damit wir dann den Strom für Sigmaringen mitproduzieren?“, fragte er erregt.

Hans Nagel aus Hausen versuchte mehrmals, den Wind aus den Segeln zu nehmen. So fragte er: „Woher soll denn die Mehrenergie kommen, die wir alle brauchen. Habt ihr darüber einmal nachgedacht?“

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